In der Zeitschrift „Rechtsmedizin“, Ausgabe 1/2019, hat ein Autorenteam die Häufigkeit der Diagnose „Luftembolie infolge vaginaler Verletzungen durch intravaginalen Geschlechtsverkehr“ untersucht. Es geht um eine „kritische Analyse und Literaturübersicht zu Häufigkeit und Diagnosestellung“. Die Art und Weise der Diagnosestellung wurde überprüft. Die Verfasser haben dazu Literatur ausgewertet und Rundbriefe an maßgebliche rechtsmedizinische Institute und Frauenärzte geschickt.

Lausitzer Fall wird analysiert

Hintergrund ist die Revision eines Strafprozesses am Landgericht Cottbus. Dabei ging es um die alles entscheidende Frage: Hat der Angeklagte 2009 in Doberlug-Kirchhain seine Geliebte getötet? Oder starb die Frau durch eine unglückliche Verletzung beim Liebesakt?

Gutachter Bernd Brinkmann, Experte für Erstickungstode aus Münster, hatte 2013 die Auffassung vorgetragen, allerdings im Gerichtsaal aúch schon kontrovers diskutiert, dass eine Frau durch eine Luftembolie infolge eines Geschlechtsverkehrs mit ausschließlich peniler Penetration und Verletzung der Vaginalwand verstorben war. Brinkmann hatte die Diagnose Jahre nach dem Tod durch histologische Untersuchungen der Lungen und der Vaginalverletzungen gestellt. Das Landgericht folgte diesmal Brinkmann und sprach den Angeklagten frei. Die Richter sahen es nicht als erwiesen an, dass er seine Geliebte beim heimlichen Liebesspiel getötet hat.

Die Autoren der Studie kommen Jahre später nun zu folgenden Ergebnissen:

1. Eine Diagnosestellung allein durch histologische Untersuchungen war und ist nach dem Stand der Wissenschaft nicht möglich.

2. Die Lausitzer Diagnose weise mit den ohnehin sehr wenigen Fällen in der Literatur wenig Klarheit auf.

3. Es gäbe keine vergleichbaren Fälle in der Literatur. Frauenärzte und Rechtsmediziner, die auf den Rundbrief geantwortet haben, hätten in ihrer Berufspraxis weder überlebte noch tödlich verlaufende Fälle einer Luftembolie nach vaginalen Verletzungen durch Geschlechtsverkehr therapiert noch davon Kenntnis erlangt.

4. Bei der Diagnosestellung Luftembolie seien zwingend wissenschaftliche Standards einzuhalten.