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Neu in Finsterwalde: Urnen unter Bäumen

Der Stadtverordnete Ernst Hampicke beschließt nicht nur den Bau von Gießkannenhaltern – er baut sie gleich selbst.
Der Stadtverordnete Ernst Hampicke beschließt nicht nur den Bau von Gießkannenhaltern – er baut sie gleich selbst. FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde. Durch den von der Stadt veranlassten Kahlschlag auf dem Friedhof, wo ohne eine Ankündigung mehr als 140 Bäume gefällt wurden, ist eine andere, eine positive Botschaft völlig untergegangen: Das Rathaus wirft eine neue Friedhofssatzung in die Debatte. Dieter Babbe

37 Seiten dick ist das Papier, das jüngst im Schloss kurz vorgestellt wurde. Darin werden neue Bestattungsformen auf dem städtischen Friedhof an der Sonnewalder Straße vorgeschlagen. So soll es künftig sogenannte Urnenreihengrabstellen und auch Wahlgrabstellen von jeweils vier Urnen auf einer Sarggrabstelle geben. Die Rede ist auch von der Einrichtung von Urnenkammern oder -stelen oder einer Urnenwand. Sogar eine Bestattung unter Bäumen soll es in Finsterwalde künftig geben, die für Angehörige besonders pflegeleicht ist, erklärte Karsten Pinetzki, als Leiter des städtischen Tiefbauamtes auch für den Friedhof zuständig.

Der Entwurf der neuen Satzung enthält auch mögliche Standorte für die einzelnen Bestattungsformen und Aussagen, an welcher Stelle eine Bestattung unter Bäumen möglich sein könnte. Den sogenannten Grund, eine grüne Senke auf dem Friedhof unweit der Trauerhalle, schließt Pinetzki als Standort für eine neue Urnenbestattung aus - dieses Gelände solle naturbelassen bleiben. Die Errichtung einer Urnenwand im Grund ist bereits vor Jahren diskutiert und nach Meinungsverschiedenheiten unter den Stadtverordneten von der Verwaltung am Ende zurückgezogen worden. Karsten Pinetzki kündigt jetzt, nach gescheiterten Versuchen, eine erneute Debatte um den Friedhof und um den Entwurf einer neuen Satzung in den Gremien der Stadtverordnetenversammlung an, allerdings ohne einen Zeitplan zu nennen.

Inzwischen geht die von der Verwaltung initiierte Aufstellung von Gießkannenständern jetzt zügig über die Bühne. Während die Verwaltung eine "Maximalvariante" vorgeschlagen hatte, wonach zunächst an allen 31 Wasserstellen auf dem Friedhof Gießkannenständer mit Automaten und Pfandgeld aufgestellt werden sollten, ist nach langer und kontroverser Debatte letztlich eine weitaus kostengünstigere Variante entschieden worden. Danach soll jetzt an den drei Eingängen jeweils ein Gießkannenständer mit zehn Kannen aufgestellt werden, die man kostenlos nutzen kann. Ein Gremium aus Mitgliedern der Fraktionen und des Seniorenbeirates soll entscheiden, wo darüber hinaus Gießkannenständer auf dem Friedhofsgelände aufgestellt werden sollen.

Um die Stadtkasse weiter zu entlasten und die Ständer umgehend aufstellen zu können, hat sich der Abgeordnete Ernst Hampicke (Bürger für Finsterwalde) bereit erklärt, verzinkte Halterungen für Gießkannen selbst und für die Stadt kostenlos anzufertigen, während man sich im Rathaus lediglich um die Anschaffung der Kannen kümmern müsse - ein Angebot, das Bürgermeister Gampe gern annahm.

Inzwischen sind die ersten drei Gießkannenständer fast fertig. "Ich wollte dazu gleich noch eine Aufhängung für Harken anbringen, weil auch die von den Bürgern gewünscht werden", sagt Ernst Hampicke. Doch die Stadt will darauf verzichten - im Beschluss der Abgeordneten gehe es ausschließlich um Gießkannen, argumentiert man im Schloss. Bereits vor acht Jahren hatte Ernst Hampicke drei wetterbeständige und luftbereifte Bollerwagen angefertigt und dem Tierpark zur Verfügung gestellt - damit Kleinkinder besser gezogen werden können. "Diese Wagen werden noch immer von den Besuchern eifrig genutzt", hat Ernst Hampicke festgestellt. Am Wochenende will der Stadtverordnete die ersten Gießkannenhalter auf dem Friedhof aufstellen.