ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:00 Uhr

Massen
Ein Berg Müll und ein Haufen Ärger

Jede Menge Plastikmüll liegt an der Nobelstraße im Gewerbegebiet von Massen verstreut. Der Müll stammt vom benachbarten Unternehmen Eurologistik Umweltservice und wird vom Wind über die Umzäunung geweht.
Jede Menge Plastikmüll liegt an der Nobelstraße im Gewerbegebiet von Massen verstreut. Der Müll stammt vom benachbarten Unternehmen Eurologistik Umweltservice und wird vom Wind über die Umzäunung geweht. FOTO: Daniel Friedrich / LR
Massen. Der Abfallentsorger Eurologistik in Massen bleibt bei Wind eine Abfall-Schleuder. Die Behörden winken ab. Von Robert Pötzsch

Immer wieder gibt es Beschwerden von Anwohnern und Grundstücksbesitzern über weg gewehten Müll vom Firmengelände der Eurologistik GmbH. Im Jahr 2007 berichtete die RUNDSCHAU bereits über eine Schulklasse, die mit Müllsäcken und Greifern ausgerüstet den Müll aufsammelten, den der Wind vom Firmengelände der Eurologistik geweht hatte. Vom Betriebsleiter Maik Klemann wurden damals Zäune in Aussicht gestellt.

Doch bis heute scheint Müllflug ein großes Problem zu sein. Die Eurologistik versucht nach eigenen Angaben der Vermüllung umliegender Flächen entgegenzuwirken, indem eine maschinelle Reinigung erfolge und wöchentlich Mitarbeiter Müll sammeln würden. Auch Thomas Wienke, Leiter der Feldwirtschaft auf den Massener Höfen, sagt: „Das ist leider nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Kunststoffteile würden sich in Zäunen der, mehrere hundert Meter entfernten, Milchviehanlage verfangen. Vieles wird jedoch verweht oder landet auf Äckern, die unter anderem von den Massener Höfen bewirtschaftet werden. Plastik sei sogar in der Ernte zu finden, da Erntegeräte die Müllstücken aufnehmen würden. Eine technische Trennung sei hier nicht möglich, berichtet Wienke. Plastikmüll verfängt sich auch in Pflanzen, die als Futtermittel dienen (beispielsweise Mais). So kann Plastik letztendlich zusammen mit diesem Futter bei den Tieren landen. Und: Der Plastikkunststoff lässt sich nicht biologisch abbauen.

Mehrmals wurden bereits Beschwerden beim Amt Massen eingereicht. Dort ist der problematische Müllflug von Eurologistik nur allzu gut bekannt. Detlef Bönisch, Leiter des Fachbereiches Regiebetriebe, sagt: „Was will man machen?“ und zuckt resigniert mit den Schultern. Vorgegebene Auflagen seien von Eurologistik zwar erfüllt worden, doch verbessert habe sich wenig. Thomas Wienke ist der Meinung, dass höhere Fangzäune errichtet werden müssten, um den Müllflug einzuschränken. Laut Eurologistik wurden im vergangenen Jahr bereits umfangreiche Zaun- und Bedüsungsanlagen errichtet. Somit soll Staub- und Partikelflug bei normalen Wetterlagen größtenteils unterbunden werden. Doch noch immer bestehen weite Teile der Zaunanlagen der Eurologistik GmbH lediglich aus herkömmlichem Maschendraht mit den üblichen großen Maschen. An anderer Stelle fehlt ein Fangzaun dagegen völlig oder ist unsachgemäß angebracht (siehe Fotos). Kunststoff lässt sich nach wie vor in großen Mengen rund um das Gelände finden. Leichte und kleinere Plastikteile werden sogar in Waldstücke geweht, die über einen Kilometer entfernt von der Müllanlage liegen. Um den Müllflug von kleinen Plastikteilen zu verhindern, ist auch die Maschengröße des Fangzaunes entscheidend. Durch größere Maschen kann mehr hindurch. Eurologistik verweist jedoch auf Anfrage der RUNDSCHAU darauf, dass die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) eingehalten werden. Somit sieht sich der Abfallentsorger formal im Recht. Dieses Gesetz besagt jedoch u.a., dass Anlagen so zu betreiben sind, dass keine schädlichen Umwelteinwirkungen, die große Nachteile und Belästigungen für die Allgemeinheit und die Nachbarschaft bedeuten, hervorgerufen werden. Gegen schädliche Umwelteinwirkungen und sonstige Gefahren, die große Nachteile und Belästigungen hervorrufen, muss nach dem Stand der Technik mit entsprechenden Maßnahmen Vorsorge getroffen werden.

Das Landesamt für Umweltschutz (LfU) Cottbus ist dafür verantwortlich, dass Eurologistik das Bundesimmissionsschutzgesetz tatsächlich einhält. Dazu werden in unregelmäßigen Abständen auch unangekündigte Kontrollen beim Abfallentsorger durchgeführt. Auf eine Anfrage der RUNDSCHAU gab das Landesamt für Umweltschutz bekannt, dass erst kürzlich, am 6. März 2018, eine Kontrolle bei Eurologistik Massen durchgeführt wurde. Das Landesamt für Umweltschutz ist jedoch der Auffassung, dass sich die Situation vor Ort verbessert hat, da Beschwerden aus benachbarten Gewerbebetrieben nachlassen würden. Weiterhin seien die Verunreinigungen das Resultat der jüngsten Witterungsperiode mit starkem Ostwind und Frost, da die Bedüsungsanlage außer Betrieb genommen werden musste, so das LfU. Zusammenfassend stellt das Amt fest, „dass, abgesehen von gelegentlichen Beanstandungen, die Firma Eurologistik den Wertstoffhof Massen genehmigungskonform betreibt.“ Weiterhin heißt es: „Es gibt keinerlei Veranlassung für nachträgliche Anordnungen zum Anlagenbetrieb, für eine Betriebsuntersagung oder für eine etwaige Beseitigung der Anlage.“

Der gelbe Container zeigt die Aufschrift "Für eine saubere Umwelt". Darüber flattern lose angebrachte Zaunfelder im Wind.
Der gelbe Container zeigt die Aufschrift "Für eine saubere Umwelt". Darüber flattern lose angebrachte Zaunfelder im Wind. FOTO: Daniel Friedrich / LR

Bei einer Besichtigung vor Ort stellte die RUNDSCHAU fest, dass Fangzäune lückenhaft, defekt oder unzureichend hoch sind. Angesichts dessen kommt schnell die Frage auf, wie es Eurologistik geschafft haben soll, die Vorgaben des Bundesimmissionsschutzgesetzes einzuhalten und warum das Landesamt für Umweltschutz, angesichts vermüllter Wälder und Äcker, keinerlei Handlungsbedarf sieht.

Die Müll-Debatte könnte künftig noch erschwert werden, denn im Juli 2017 wurde Eurologistik von der Veolia GmbH & Co. KG gekauft. Dieses globale Unternehmen ist um ein Vielfaches größer als Eurologistik und nicht nur in der Abfallbranche tätig. In die negativen Schlagzeilen geriet Veolia vor allem mit dem 2010 in Deutschland veröffentlichten Film: „Water Makes Money“ (“Wasser bringt Geld“), in dem von investigativen Journalisten die zweifelhafte Vorgehensweise von Veolia aufgedeckt wurde. In dem Verkauf der Eurologistik-Gruppe an Veolia sieht auch Thomas Wienke ein Problem, denn es würden sich natürlich die Wege deutlich verlängern, „um mal jemanden zu erreichen“, so der Leiter der Feldwirtschaft. Die Veolia GmbH & Co. KG hat ihren Sitz in Hamburg, doch ursprünglich stammt das Unternehmen aus Frankreich.

Lückenhafte Zaunanlagen begünstigen den Müllflug aus dem Gelände heraus.
Lückenhafte Zaunanlagen begünstigen den Müllflug aus dem Gelände heraus. FOTO: Daniel Friedrich / LR