Während er Anfang der 50er Jahre in der Fimag in Finsterwalde einen Elektroberuf lernt, trainiert er bei Motor und unter dem legendären Boxmatador Gerhard Kube seine Fäuste im Kampf zu gebrauchen. Und nicht ohne Erfolg - Petschick ist 1953 sogar auf dem Wege, DDR-Meister zu werden. Bei der Vorrunde in Weimar tritt der gebürtige Zützener gegen Rolf Caroli an. Doch der spätere dreimalige Bronze-Europameister trifft in der zweiten Runde mit seiner Rechten Petschick so heftig am Kopf, dass er zu Boden sinkt. "Ich hatte eine schwere Gehirnerschütterung und musste für drei Wochen ins Krankenhaus", erinnert sich der heute 77-Jährige. "Von da an bin ich zur Besinnung gekommen - und habe nie wieder meine Boxhandschuhe angezogen. Ich habe über mein Leben neu nachgedacht", sagt Günter Petschick. Mit dem Ergebnis: Der Elektromaschinenbauer wechselt das Fach und studiert in Berlin Theologie. Den Anstoß dafür habe ihm seine fromme Mutter gegeben - "und Albert Schweitzer, der mich ein Leben lang begleitet hat. Der Mann hat als Theologe und Arzt den christlichen Glauben gelebt", schwärmt Petschick.

Seit er wegen eines verbotenen Buches festgenommen wurde, spätestens aber, als er einen Bauern beerdigen muss, der sich, weil er in die LPG eintreten sollte, das Leben nimmt, steht Günter Petschick in Opposition zur DDR. Mit dem Ergebnis: Keines von Petschicks drei Kindern darf das Abitur machen, weil sie nicht Mitglied der FDJ sind. So sehnt der Pfarrer, der seit 1970 in Sonnewalde tätig ist, die politische Wende herbei - die er in der Kirche mit unterstützt.

Nach dem politischen Umbruch kümmert sich Günter Petschick als Seelsorger auch acht Jahre lang um Bundeswehrsoldaten und um die Ausländer im Aussiedlerheim im Pahlsdorf. In diesem Jahr kann der Pfarrer auf sein 50-jähriges Dienstjubiläum zurückblicken. Aus diesem Anlass wird Günter Petschick am morgigen Sonntag bei einem Gottesdienst in der Sonnewalder Kirche, Beginn 9.30 Uhr, gewürdigt. Der 77-Jährige hilft noch immer bei Andachten aus, ist im Heimatverein tätig und besucht viele Kranke.