So habe die Polizei bei ihren Ermittlungen im Hause ihres Sohnes neben dem Computer eine anonyme Anzeige gefunden, die offensichtlich noch nicht abgeschickt worden sei. "Darin hat mein Sohn die Polizei auf ein Grundstück in Sonnewalde aufmerksam machen wollen, auf dem Diebesgut gelagert und umgeschlagen wird", sagt die Mutter. Doch reagiert habe die Polizei auf diesen Hinweis offensichtlich nicht.

Dieser Tage erfuhr sie nun aus der Zeitung, dass eben auf dem betreffenden Grundstück in der Zeckeriner Straße plötzlich eine polizeiliche Durchsuchung über mehrere Tage stattgefunden habe und zwei Männer festgenommen worden seien - allerdings auf Beschluss der Amtsgerichte Dessau-Roßlau. Auf diesem Grundstück sind, wie die Polizei informierte, zahlreiche gestohlene Fahrzeuge, so Traktoren und ein Kleintransporter sowie eine große Anzahl von Werkzeugen, viel Buntmetall und mehrere Tausend Liter Dieselkraftstoff gefunden worden - so wie Dirk Lunkwitz in der Anzeige geschrieben habe, verweist die Mutter.

Bei einem der beiden Festgenommenen soll es sich um den Bekannten handeln, den Dirk Lunkwitz am 21. August aufsuchen wollte, nachdem er von ihm angerufen worden sei, und den er in seiner Anzeige erwähnt hatte. Von da an ist der Zeckeriner wie vom Erdboden verschluckt. Die Mutter sieht jetzt einen Zusammenhang zwischen der Diebesbande und dem Verschwinden ihres Sohnes. Sie beklagt sich darüber, dass die Polizei nicht schon sofort, nachdem ihr Sohn verschwunden war, das in der Anzeige beschriebene Grundstück untersucht habe. "Ich fühle mich von der Polizei allein gelassen", sagt Ursula Knobloch. "Mein Gefühl als Mutter sagt mir: Dirk ist in die Geschichte hineingeraten, weil er von den Diebstählen etwas wusste."

Diesen Zusammenhang wollen Polizei und Staatsanwaltschaft allerdings nicht herstellen. "Es sind auf dem Sonnewalder Grundstück keine Hinweise und Spuren gefunden worden, die auf Dirk Lunkwitz und sein Verschwinden hinweisen", erklärt Oberstaatsanwältin Elvira Klein auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Auch das Fahrrad, mit dem der Vermisste nach Sonnewalde gefahren sein soll, sei noch nicht gefunden worden. Zu weiteren Einzelheiten äußern sich Polizei und Staatsanwaltschaft nicht.

"Die Suche nach dem Vermissten ist nicht eingestellt", versichert Polizeisprecher Lutz Miersch. Nach der Polizeireform sei das Dezernat 1 der Kripo in der Polizeidirektion Süd, die frühere Mordkommission zuständig - "weil wir ein Verbrechen nicht ausschließen können", so Miersch. Anhaltspunkte dafür gebe es aber derzeit nicht.

Währenddessen kursieren in Sonnewalde die wildesten Gerüchte über den Verbleib von Dirk Lunkwitz und seine Verbindung zum genannten Grundstück in Sonnewalde. "Es ist überhaupt nicht seine Art, ohne ein Wort einfach wegzugehen", sagt Ursula Knobloch. Die Mutter befürchtet, dass ihrem Sohn etwas zugestoßen sein könnte - "ich hoffe so sehr, dass Dirk noch am Leben ist".