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Mut und Vertrauen in Wittenberg

Ina Palm (vorn) aus Göllnitz und ihre Freundin Emma beim Graffiti-Workshop. Beim Konficamp haben sie in einer riesigen Zeltstadt vor den Toren Wittenbergs Gemeinschaft erlebt.
Ina Palm (vorn) aus Göllnitz und ihre Freundin Emma beim Graffiti-Workshop. Beim Konficamp haben sie in einer riesigen Zeltstadt vor den Toren Wittenbergs Gemeinschaft erlebt. FOTO: Franziska Dorn
Finsterwalde. Jugendliche aus Finsterwalde, Doberlug-Kirchhain und Umgebung verbrachten in der vergangenen Woche aus Anlass des Reformationsjubiläums mit 800 weiteren Konfirmanden aus ganz Deutschland vier spannende Tage in Wittenberg. Bei einem Camp für Konfirmanden waren sie den Luther-Themen "Vertrauen" und "Mut" auf der Spur. Franziska Dorn

In der riesigen Zeltstadt nordöstlich von Wittenberg beginnt der Tag sehr früh. Wenn auch beim Frühstück um acht der ein oder andere Konficamper noch etwas verschlafen wirkt, ist danach für Müdigkeit keine Zeit mehr. Alles beginnt mit einem gemeinsamen musikalischen Auftakt im "Dom", einem blauweiß gestreiften Zelt. Im Anschluss erwartet die Mädchen und Jungen ein prall gefüllter Tag. Gruppenarbeit, Ausflüge zur Weltausstellung Wittenberg, der Besuch des berühmten Asisi-Panoramas, Workshops und gemeinsame Spiele stehen zur Auswahl.

Emma aus Finsterwalde und ihre Freundin Ina aus Göllnitz haben sich am Freitag für einen Graffiti-Workshop entschieden. Sie gehören zu einer Gruppe von 53 Konfirmandinnen und Konfirmanden aus dem Kirchenkreis Niederlausitz. Sie sprühen einen Regenbogen auf die große Plane. Darunter steht der Schriftzug "Kein Rassismus". Die beiden genießen die Zeit in Wittenberg. Das große gemeinsame Suchspiel am Abend zuvor habe sie beeindruckt. Alles andere passe auch soweit. Nur beim Essen gäbe es "noch Luft nach oben", stellen sie fest. Das Beste sei ohnehin, dass man coole Leute kennenlernt.

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits schon viele Snapchat-Freundschaften geschlossen und Handykontakte ausgetauscht. Einige Hundert Meter weiter, hinter dem campeigenen Bauerngarten, sitzen Jannes und Paul aus Finsterwalde mit Leon aus Lindthal in einem Zelt auf Papphockern. Hier findet der Boom-Whackers-Workshop statt. Die Kunststoffröhren in unterschiedlichen Längen werden als Klanginstrument eingesetzt. Nach etwas Übung gelingt es den Jungs, Melodien zu erzeugen. Am Ende intoniert die Gruppe erfolgreich "Narcotic", einen Ohrwurm aus den 90er-Jahren. Sie sind nicht nur mit ihrem musikalischen Ergebnis zufrieden. Auch generell trifft das Camp ihren Nerv. "Die Atmosphäre ist toll. Wir verstehen uns gut und es gibt wirklich spannende Angebote" resümieren die Jungs. Die Hitze sei etwas anstrengend. Umso mehr freuen sie sich am Freitag auf die von Jugendmitarbeiter Markus Melke angekündigte Wasserschlacht. Selbst das eingeschränkte W-LAN schmälert das Camp-Vergnügen nicht. "Man braucht das Handy selten", stellt Jannes erstaunt fest.

"trust and try - Vertrauen und Mut" stand als Motto über den vier Tagen Erlebniscamp mit unzähligen Mitmachangeboten, die sich nah an der Lebenswelt von 13- und 14-Jährigen bewegten. "Hier sollten die Jugendlichen vor allem Spaß haben, aber auch lernen, Verantwortung füreinander zu übernehmen und anderen zu vertrauen. Die Gemeinschaft spielte eine wichtige Rolle", erklärt Pfarrer Ronny Hauske. Zusammen mit Pfarrer Michael Wolf aus Betten, Markus Melke und Kollegen hat er die jungen Leute in Wittenberg betreut. Eingeladen waren Jugendliche, die in diesem Jahr konfirmiert worden sind oder deren Konfirmation bevorsteht. Bis September finden im Rahmen des Reformationsjahres 2017 insgesamt zehn Camps auf dem Gelände in Wittenberg statt.