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Mozart in Finsterwalde angekommen

Michael Zumpe und Maria Meckel als Papageno und Papagena.160 Mitwirkende gestalteten vergangenen Sonnabend das Mozart-Projekt in der Trinitatiskirche.
Michael Zumpe und Maria Meckel als Papageno und Papagena.160 Mitwirkende gestalteten vergangenen Sonnabend das Mozart-Projekt in der Trinitatiskirche. FOTO: Fotos: Bernd Balzer
„Wer viel wagt, gewinnt oft viel“ , jubiliert der fröhliche Papageno im populärsten Werk von Wolfgang Amadeus Mozart. Viel gewonnen haben der Waldower Michael Zumpe als Projektleiter und der Berliner Regisseur Dieter Reuscher im Jahr des 250. Geburtstages des großen Komponisten. Die Aufführung einer gekürzten „Zauberflöte“ mit den Texten von Schickaneder und vom unvollendeten „Requiem“ ließ Mozart im Jubiläumsjahr endgültig in der Sängerstadt ankommen und wurde in der übervollen Kirche begeistert aufgenommen. Von Jürgen Weser

Eine erwartungsvolle Atmosphäre erfüllte am Sonnabendabend das Kirchenschiff der Finsterwalder Trinitatiskirche. Schon eine halbe Stunde vor Aufführungsbeginn war kaum noch ein leerer Platz auszumachen. Bereits am Vortag während der öffentlichen Generalprobe hatte es großen Publikumszuspruch gegeben. Mozart von 160 Mitwirkenden dargeboten, dieses Erlebnis wollten sich viele Musikfreunde nicht entgehen lassen. Laien- und Berufsmusiker, Kinder, Studenten und langjährige Chormitglieder haben ein dreiviertel Jahr unter Leitung von Michael Zumpe hart für das Vorhaben gearbeitet. Die vor vier Wochen in der Lübbener Paul-Gerhard-Kirche umjubelte Premiere des Projektes wurde auch in Finsterwalde zum Konzerthöhepunkt des Jahres.
In eine knappe Stunde hatten Zumpe und der langjährige Opernregisseur Reuscher, die sich durch ihre frühere Zusammenarbeit am Staatstheater Cottbus gut kennen, die Höhepunkte der Geschichte vom Prinzen Tamino und der schönen Tamina, vom unbeschwerten Naturmenschen Papageno, der zum Schluss seine fröhliche Papagena bekommt, von der Königin der Nacht und dem heiligen Sarastro gepackt. Erstaunlich, wie gut es trotzdem gelungen ist, Mozarts Oper als Verbindung von Märchen und Volkstheater, von Opera, Singspiel und Freimaurermoral für die Besucher lebendig werden zu lassen. Dazu trugen die 128 Sängerinnen und Sänger des großen Chores ebenso bei wie die Solisten. Michael Zumpe bewies als Papageno seine sängerische und komödiantische Erfahrung und riss die jungen Solisten zu erstaunlichen Leistungen mit. Vor allem Christiane Kapelle als zarte Pamina und natürlich der junge Finsterwalder Oper nsänger Stefan Heibach als verliebter Tamino mit seinem klangvollen Tenor begeisterten. Erstaunlich der Mut von Maria Meckel, neben der Papagena auch erstmals den schwierigen Part der Königin der Nacht zu singen. Den besonnenen Sarastro gab Florian Krumm. Sympathien erwarb sich der junge Robert Lillinger am Dirigentenpult. Verlegen gab der Lübbener in der Pause die ersten Autogramme seines Lebens. In dieser Woche beginnt der talentierte Musiker ein Studium an der FHS Cottbus für Musikpädagogik, Orgel und Klavier.
Kaum hatte Zumpe das Papageno-Gefieder abgestreift, stand er als Maestro mit dem Dirigentenstab vor seinem großen Projektchor, der gemeinsam mit dem fast dreißig Musikern des Brandenburgischen Kammerchores kaum Platz im Altarraum fand. Aus zahlreichen Chören von Ruhland über Finsterwalde, Elsterwerda bis Lübben kommend, hat Zumpe in harter Arbeit geschafft, einen kraftvoll-mächtig bis romantisch-gefühlvoll und sauber singenden Chor zu formen. So manchen Zuhörern liefen beim expressiv stimmgewaltigen „Kyrie“ , dessen kontrapunktischen Schwierigkeiten souverän gemeistert wurden, Schauer über den Rücken. Die Solisten mit Christiane Kapelle (Sopran), Felicitas Ziegler (Altistin) und Stefan Heibach (Tenor) lieferten dazu saubere Partien ab.
Das Finsterwalder Publikum war begeistert, spendete trotz der Bitten des Regissseurs schon zwischendurch häufig Beifall, bevor es zum Schluss stehenden Applaus gab. Mozart ist in Finsterwalde angekommen. Besonders die Verbindung von praller Lebensfreude und Vitalität des Genies mit seiner Ahnung vom nahenden Tod machte das Nebeneinanderstellen der beiden Werke, an denen Mozart in den letzten Monaten zum Teil parallel gearbeitet hat, für die Zuhörer nachvollziehbar.
Michael Zumpe und Opernregisseur Dieter Reuscher lobten vor allem den Enthusiasmus aller Mitwirkenden. „Im Vergleich zu Lübben ist das Gesamtprojekt noch gereift“ , war sich der Zumpe als meistbeschäftigster Künstler sicher. Gleich nach dem Konzert schwor er den Chor bereits auf den nächsten Auftritt am 21. Oktober in Ruhland ein.