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| 01:03 Uhr

Montags im Bauwagen

MÜNCHHAUSEN.. Zuerst einmal muss man ihnen unterstellen, dass sie geklaut haben. Und zwar den Namen für ihre fröhlich-gemütliche Runde: „Montagsmaler“ nennen sie sich nach einer Fernseh-Talkshow, bei der es auch immer heiter zuging.

Geplant hatte die Zusammenkunft niemand, sie ergab sich irgendwie nach der Wende ganz von selbst.
„Nach der Wende waren viel arbeitslos. Die haben dann oft vor ihren Türen gesessen und mit den Nachbarn über alles das, was sich im Dorf und in der ganzen Welt tut, geredet“ , erinnert sich Werner Busse. Irgendwann hat man sich zusammengefunden, und weil das Kind einen Namen haben musste, nannte man diesen organisierten Dorftratsch - der jetzt in einem Bauwagen ein Zuhause hat - kurzerhand „Montagsmaler“ .
Am vergangenen Montag waren die, die die Tradition konsequent aufrecht erhalten, urlaubsbedingt nur acht Leute: Anita und Detlef Auras, Waltraud und Werner Busse, Annegret Baurig, Bettina Fellenberg, Willi Müller und Ronny Netzker. Alltagsthemen, Dorfgeschehen, Haus, Hof und Garten - nichts, was in dieser Runde nicht besprochen werden könnte. Natürlich auch die Politik. „Wir haben alles Wichtige hier vertreten“ , erklärt Werner Busse. „Ich bin für die CDU da und Detlef für die SPD.“ Da dürfte also nicht nur einmal das Abwasserproblem, die Gemeindezusammenschlüsse und die Bürgermeisterkandidaten auf der Tagesordnung gestanden haben.
„Aber bei uns geht keine Diskussion böse aus - im Gegenteil: Bei uns Montagsmalern zeigt sich das, was man im ganzen Dorf erleben kann: Die Nettigkeit untereinander ist uns erhalten geblieben.“ Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Wiederbelebung der Osterfeuertradition auf die Montagsmaler zurückzuführen ist. Sechs Jahre lang haben sie ein Straßenfest am Langen Ende organisiert, in diesem Jahr soll wieder eine Weihnachtsfeier mit Weihnachtsmarkt stattfinden. „Das wird immer ganz prima angenommen. Es ist etwas für die Kinder und für die Erwachsenen.“ Die Begeisterung kann man sich auch im Sommer vorstellen: Werner Busse holt den Traktor aus der Garage, und angehängt werden ein gutes Dutzend Schlitten zu einer Fahrt über die Dörfer.

Es sind also die einfachen und doch so wichtigen Dinge, die die Montagsmaler bewegen: Kegelabende, Busausflüge, ein Besuch im Friedrichstadtpalast. Ausgeschlossen wird niemand. Kommt jemand aus dem Stall von der Spätschicht, kann er sich auf ein Bier zu den Montagsmalern setzen - die Montagsrunde hat immer ein offenes Ohr.