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| 02:35 Uhr

Molkerei vom Winde verweht

Vor den Resten der Industrieruine Molkerei Massen: Elisabeth Jüschke von UKA und Amtsdirektor Gottfried Richter.
Vor den Resten der Industrieruine Molkerei Massen: Elisabeth Jüschke von UKA und Amtsdirektor Gottfried Richter. FOTO: Heike Lehmann
Massen. In der Finsterwalder Straße von Massen frisst sich der Abrissbagger von der Perleberger Recycling GmbH in ein langjähriges Ärgernis. Der Schandfleck Molkerei verschwindet. Heike Lehmann

Noch schauen Amtsdirektor Gottfried Richter und Projektleiterin Elisabeth Jüschke von UKA Umweltgerechte Kraftanlagen Meißen auf einen riesigen Schuttberg. Den abzutragen wird einige Wochen dauern. Dann soll die Fläche zu 90 Prozent und auf Dauer der Natur überlassen werden. Es entsteht eine Streuobstwiese. Gepflanzt wird vermutlich im Frühjahr.

Der Abriss ist eine Ausgleichsmaßnahme für sieben von der UKA errichtete Windkraftanlagen - eine achte kommt im zweiten Quartal 2017 noch hinzu - im Windpark Göllnitz-Lieskau. Insgesamt bilden dort 29 Anlagen einen ersten großen Windpark im Nutzwald. "Der Abriss der Industrieruine war frühzeitig abgestimmt mit der Planungsbehörde in Cottbus", sagt Elisabeth Jüschke. Die Windanlagenfirma finanziert ihn im Gewerbebereich mit etwa 180 000 Euro. "Die Gemeinde bezahlt den Abriss vom alten Verwaltungsgebäude mit 30 000 Euro. Dort entsteht eine Baufläche von etwa 500 Quadratmetern", sagt der Amtsdirektor. Massen hatte die verfallene Immobilie ersteigert, um sie abzureißen. Beton- und Ziegelbruch werden nach gründlicher Untersuchung auf Schadstoffe von der Gemeinde zur Befestigung hochfrequentierte Waldwege. Von Betten nach Lichterfeld rollt man schon über den alten Finsterwalder Jugendwerkhof.

Der Abriss ist für Gottfried Richter ein Musterbeispiel für Ausgleichsmaßnahmen und für Elisabeth Jüschke eine "sehr schöne Zusammenarbeit mit der Gemeinde". Denn: Meist werden Straßen begleitend Bäume gepflanzt, wie zum Beispiel die Apfelallee in Lieskau, oder Flächen entsiegelt. Hier aber wird eine Umweltlast direkt beseitigt und der Natur neuer Raum gegeben.

Ortschronist Manfred Kauer kennt die Geschichte der Molkerei: "Seit 1991 standen die Anlagen still, weil die Produktion in das Campina-Milchwerk nach Elsterwerda verlagert wurde." 1936 wurde sie als Nebenbetrieb der genossenschaftlichen Molkerei Sonnewalde errichtet. Mitglieder waren Milch erzeugende Landwirte der umliegenden Dörfer. Die meist in 20 Liter-Kannen angelieferte Milch wurde zu Trinkmilch in Flaschen und zu Butter verarbeitet.

1950 erreichte die Trinkmilcherzeugung eine Menge von 10 000 Kilogramm am Tag. Damit war die Kapazität voll ausgelastet und die Arbeitsbedingungen an ihre Grenzen gekommen. So war das Abfüllen der Flaschen von Hand im Keller eine wahre Knochenarbeit. 1961 bis 1965 erfolgten umfangreiche Anbauten. 1972 wurde mit einer zweiten Butteranlage die Kapazität verdoppelt. Dank stabiler Qualität durfte Massen auch Butter nach Frankreich und andere Länder exportieren. Täglich lieferte die Molkerei schließlich 20 000 Flaschen Trinkmilch und für die Schulen in Finsterwalde, Massen und Calau bis zu 7000 Flaschen in verschiedenen Geschmacksrichtungen. "Dann kam die Wende, die Treuhand und schließlich das Aus", so der Ortschronist.