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| 16:24 Uhr

Geschäftswelt
Der „Halbe Hahn“ fährt auf den Hof

Gabriele Pesenecker steht am 21. und 22. Dezember das letzte Mal mit ihrem Hähnchen-Grill auf den Märkten in Kirchain und Doberlug.
Gabriele Pesenecker steht am 21. und 22. Dezember das letzte Mal mit ihrem Hähnchen-Grill auf den Märkten in Kirchain und Doberlug. FOTO: Gabi Böttcher / LR
Fischwasser/Doberlug-Kirchhain. Nach fast 30 Jahren im mobilen Grill sagt Gabriele Pesenecker am Freitag Adieu. Von Gabi Böttcher

„Eine Ära geht zu Ende“, sagt einer der vielen Stammkunden. Er bedauert, dass Gabriele Pesenecker am Donnerstag (21. Dezember) und Freitag (22. Dezember) zum letzten Mal auf den Marktplätzen in Kirchhain beziehungsweise Doberlug steht. Mit ihrem mobilen Hähnchen-Grill war sie seit der Wende zuvor auch anderenorts in der Region eine bekannte Adresse für Liebhaber frisch gegrillter Hähnchen, aber auch einer breiten Palette weiterer Imbiss-Angebote.

Die mittlerweile 66-jährige, agile und quietschvergnügte Frau aus Fisch­wasser sagt ihren Kunden auch mit einem weinenden Auge Adieu. An ihrem Imbiss-Stand kam die kommunikative Betreiberin mit vielen Menschen ins Gespräch, gab so manchen Rat und fand aufmunternde Worte für jene, die ihr auch gern mal von einem Problem erzählten.

Begonnen hatte alles am 19. Mai 1990. Gabriele Pesenecker erinnert sich genau, wie sie, damals noch mit ihrem Mann, mit dem in östlichen Gefilden noch nicht so bekannten mobilen Grill über die Autobahn Richtung Senftenberger See rollte und von hupenden Lkw-Fahrern überholt wurde. In Niemtsch hatte der Grill seine öffentliche Feuertaufe, bevor er diesen Standort bald darauf aufgeben musste. „Wir haben ganz Brandenburg bereist, waren auf den verschiedensten Märkten gefragt“, erinnert sich die Geschäftsfrau. Seit 1998 führt die gelernte Kindergärtnerin das Geschäft allein weiter. Ermuntert hatte sie dazu der damals in der Arbeitsverwaltung tätige Oppelhainer Wilfried Büchner mit den Worten: „Der halbe Hahn stirbt nicht“. Gefreut hat sich Gabriele Pesenecker, dass Wilfried Büchner in der vorigen Woche zu ihren letzten Kunden gehörte, um ihr alles Gute zu wünschen.

„Ich habe das immer mit Leib und Seele gemacht und werde das Gewerbe auch noch nicht abmelden, solange ich das Fahrzeug noch habe“, blickt sie in die Zukunft. Waren es in den Anfangsjahren bis 300 verkaufte Hähnchen an einem Tag, so ging diese Zahl  heute auf bis zu 50 zurück. „Der Markt ist gesättigt. Die Preise sind gestiegen, das haben die Kunden nicht akzeptieren können. Aber die Kosten fallen ja an. Und wenn ich nicht meine Rente an den Stand mitbringen will, dann ist es jetzt Zeit für den Abschied“, erklärt Gabriele Pesenecker den Hintergrund.

Aktiv im Leben stehen wird die agile 66-Jährige auch künftig. Zum Beispiel wenn Anfang des neuen Jahres gemeinsam mit der Jugend von Fischwasser zum Trödelmarkt eingeladen werden wird. Auch dem Gewerbestammtisch von Doberlug-Kirchhain, dem sie seit mehr als zehn Jahren angehört, will sie treu bleiben. Erst in der vorigen Woche hat sie bis in die Nachtstunden hinein geholfen, mehr als 100 Päckchen für einen Weihnachtsmanneinsatz auf dem Markt zu packen. Seit drei Jahren betreut sie ehrenamtlich ältere Menschen und will dies auch weiter tun. Eine Weile wird auch ihr mobiler Grill für Extra-Einsätze noch bereitstehen. Und vielleicht sind ihre vielen Erlebnisse on Tour irgendwann einmal in einem Buch nachzulesen. Mit dem Aufschreiben ist sie auf alle Fälle schon beschäftigt.

Zum Abschied liegen Gabriele Pesenecker viele Dankesworte an Helfer und Wegbegleiter am Herzen. Zu ihnen gehören Detlef Donath, der den Geschäftsbetrieb über Jahre auf vielfältige Weise unterstützt hat, und die Menschen in Fischwasser, die zupackten, wenn sie im Dorf ihre Geschäftsjubiläen feierte. Verlassen konnte sich die in Nordhausen geborene und seit 1976 in Fischwasser beheimatete Geschäftsfrau auch auf die Lieferanten ihrer Hähnchen – auf „Kernchens aus dem Spreewald“.