Da brachte die Fraktion „Bürger für Finsterwalde“ die beiden Namen Max Taut und Max Koswig ins Gespräch und fand dazu noch eine breite Mehrheit unter den Fraktionen. Damit sollte neben dem bekannten deutschen Architekten, der auch in Finsterwalde seine Spuren hinterlassen hat, der einst größte Tuchfabrikant der Stadt wieder mit einem Straßennamen gewürdigt werden - nachdem es vor dem Krieg bereits eine Max-Koswig-Straße gab, die später in Tuchmacherstraße und noch später in Straße der Befreiung umbenannt worden ist. Mit diesem Straßennamen sollte insbesondere das außerordentliche soziale Engagement von Koswig für die Stadt gewürdigt werden, so hieß es in der Begründung.
Inzwischen sind allerdings auch Bedenken laut geworden. Udo Linde, Fraktionschef der PDS in der Stadtverordnetenversammlung, für den die Namensgebung im Februar noch eine Nebensache war, der er im Bildungsausschuss zustimmte ( „Wir kümmern uns vor allem um die sozialen Probleme in der Stadt“ - RUNDSCHAU berichtete), habe er jetzt mit einer Max-Koswig-Straße „arge Probleme“ . Erst danach sei ihm bekannt geworden, welche Rolle Koswig bis 1945 gespielt und dass er „sehr an der Seite der Nazis“ gestanden habe. Danach habe der Tuchfabrikant seine sozialen Leistungen, die von anderen so gewürdigt würden, auch durch die Beschäftigung von zahlreichen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern und deren „Blutzoll“ , wie es Linde formuliert, finanziert. Für Linde steht fest: „In einer Zeit, wo die Rechten in Deutschland wieder auf dem Vormarsch sind, stimme ich einer Max-Koswig-Straße nicht zu.“ Wie sich die PDS in der Sache insgesamt verhalten wird, werde erst heute Abend in der Fraktionssitzung besprochen.
Auch in der SPD-Fraktion ist man zur Max-Koswig-Straße „stark ins Grübeln gekommen“ , wie es Hannelore Elmer gestern formulierte. Sie werde den Straßennamen ablehnen. Anders dagegen Rainer Genilke, Fraktionsvorsitzender der CDU: „Wir sollten unser Selbstbewusstsein nach außen tragen und Leute, die für die Stadt viel getan haben, auch würdigen“ , meinte er am Wochenende auf Nachfrage. Im Zusammenhang mit seiner Nähe zu den Nationalsozialisten solle man nicht vergessen: „Wer diese Zeit kennt, der weiß von der Situation und unter welchem Druck die Leute standen, sicher auch Koswig als Unternehmer.“ Im übrigen solle man auch daran denken, wie in der DDR akzeptiert worden sei, dass Feintuch Stoffe für eine Armee produzierte, die die Waffen auch auf die eigene Bevölkerung gerichtet habe. Die Straßenbennung ist übermorgen Thema der Stadtverordnetensitzung im Schloss, Beginn 18 Uhr. (-db-)