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Mitten drin in Finsterwaldes Bürgerschaft

Die "Macher" des Projektes Gemeindehaus: Marcus Herrbruck, Jürgen Habermann, Lukas Bartke und Clemens Habermann (v.l.).
Die "Macher" des Projektes Gemeindehaus: Marcus Herrbruck, Jürgen Habermann, Lukas Bartke und Clemens Habermann (v.l.). FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Die Freude stand Pfarrer Markus Herrbruck ins Gesicht geschrieben. Nach vier Jahren Planungs- und Bauphase konnte die Evangelische Kirchengemeinde am Sonntag das neue Gemeindehaus mitten in der Stadt und in der Bürgergesellschaft in Besitz nehmen. Nach dem Gottesdienst zum Erntedankfest wohnten etwa dreihundert Bürger der offiziellen Einweihung bei und nutzten die Gelegenheit zur Besichtigung des Bauwerkes in der Geschwister-Scholl-Straße. Jürgen Weser / jgw1

Etwas mulmig war ihm zumute am Sonntagnachmittag. Pfarrer Markus Herrbruck schwebte den Wolken entgegen. Gemeinsam mit Jürgen Habermann vom bauausführenden Architekturbüro brachte er, auf wackliger Hebebühne stehend, das Kreuz als symbolischen Akt für die Fertigstellung des Gemeindehauses in luftiger Höhe an. Jürgen Habermann durfte das Band durchschneiden, die Bläsergruppe intonierte ,,Nun danket alle Gott" und dann war der Weg frei in ein Haus mit außergewöhnlicher Architektur. Die jungen Architekten Clemens Habermann und Lukas Bartke haben mit ihrem ersten großen Architekturprojekt, dessen Planung noch während ihres Studiums in Weimar begann, ein besonderes Markenzeichen gesetzt. ,,Tradition von Backsteinarchitektur fortsetzen" war ihr Anspruch, der konsequent im Außen- und Innenbereich des Gebäudeensembles umgesetzt wurde. ,,Die Vorstellung von einer Welt, in der wir uns wohlfühlen", jenseits von schneller Billig- und Kunststoffarchitektur, ,,wollten wir realisieren", so Clemens Habermann. Dazu brauchte es Mut, den Markus Herrbruck mit dem Bauausschuss seiner Kirchengemeinde bewies, und handwerkliches Können, das die Baufirma Lindstedt, die Tischlerei Thor und Schmiedmeister Körner mitbrachten. Auf Nachhaltigkeit mit natürlichen Baustoffen und sorgfältiger Bauausführung sei großer Wert gelegt worden, betont Herrbruck. ,,Der Aufwand der Baubegleitung war bei den ungewöhnlichen Anforderungen im Innenbereich immens", beschreibt Lukas Bartke die Herausforderung. Als Mentor der beiden jungen Architekten begleitete Jürgen Habermann das ehrgeizige Projekt und sorgte für erfolgreiche Zusammenarbeit mit Markus Herrbruck und dem Bauausschuss mit Mathias Dorn, Michael Häusler, Meinhard Appelt, Walter Schulze, Frank-Peter Reichardt und Peter Krüger, ,,die sich toll eingebracht haben", wie Herrbruck betonte.

Besonderer Dank gelte dem Kirchenkreis Niederlausitz mit Superintendent Thomas Köhler, welcher einen Teil der teurer gewordenen Investition getragen hat. Finanziert wurde das Vorhaben vor allem aus dem Verkauf der ehemaligen ,,Inneren" (jetzt Sängerstadt-Gymnasium) und aus Mieteinnahmen und Pachtzinsen sowie mit Sponsoren- und Spendenleistungen. Bürgermeister Jörg Gampe verband seine Glückwünsche an die Kirchengemeinde mit der Hoffnung, dass ebensoviel Mut der Bürger den Bau der Stadthalle ermöglicht. Die Besucher staunten über die ,,Einzigartigkeit" der Klinkerarchitektur mit sakraler Wirkung in funktionaler Übereinstimmung mit den räumlichen Möglichkeiten, der Farbabstimmung und den Übergängen zur ,,Arche" und dem alten Pfarrhaus als Zwilling des neuen Gemeindehauses. Besonders fielen auch die bestens in die Räume passenden Kunstwerke von Sebastian Arsand, Jens Puppe, Lutz Nessing und Pedro Pedrazinni ins Auge.

Das Bauvorhaben hat ,,viel Freude gemacht aber auch Kraft gekostet", beschrieb Markus Herrbruck sein Glücksgefühl. Der Bau wird für ihn von ,,lebendigen" Steinen getragen, die für die Gemeindemitglieder stehen. Jetzt hofft er, dass sie das Haus annehmen und Bürger der Stadt mit Veranstaltungen die Räume füllen. ,,Erst wenn die Menschen kommen, ist der Bau gelungen." Der Zuspruch am Eröffnungstag lässt daran nicht zweifeln. Das Gemeindehaus soll auch als ein Zentrum für die Arbeit des Kirchenkreises Niederlausitz fungieren.