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Mittelalterhochzeit im Schloss

Das Brautpaar hat im Sallgaster Schloss eine besondere Hochzeit gefeiert: eine mittelalterliche Eheleite.
Das Brautpaar hat im Sallgaster Schloss eine besondere Hochzeit gefeiert: eine mittelalterliche Eheleite. FOTO: Ivonne Kommolk/ikk1
Sallgast. Eher selten traut sich jemand, etwas Ungewöhnliches, Spirituelles für den großen Tag der Hochzeit auszusuchen. Christine Thalmann-Weiß aus Doberlug-Kirchhain ist da ganz anders. Vor einem Jahr hat sie ihren Olaf Weiß standesamtlich das Ja-Wort gegeben. Aber sie wollte gerne noch "mal anders heiraten". Ivonne Kommolk und Dieter Babbe / ikk1

Vor etwa zehn Jahren haben sich die Eheleute per Internet kennengelernt. Aus dem schönen Thüringen kam sie hierher, um den Liebsten kennen und lieben zu lernen. Getroffen haben sich die beiden ganz oft im Sallgaster Schloss. Damals gab es hier noch eine Gaststätte, in der man gemütlich sitzen und essen konnte. Einige Jahre hat das Paar hier im Ort sogar gemeinsam gewohnt.

Die schönen Erinnerungen

Viele schöne Erinnerungen rund um Sallgast leben in ihnen und das Bedauern, dass es im Schloss jetzt so still geworden ist. Um diesem mal wieder ordentlich Leben einzuhauchen, beschlossen die beiden darin ihren besonderen Tag zünftig zu feiern. Und weil das mit dem Internet schon einmal so gut geklappt hatte, suchten sie hier wieder nach einer zu ihnen passenden Hochzeitszeremonie. Dabei stießen sie auf die Seite der Eheleite.com. Ein bunt zusammengewürfelter Freundeskreis aus dem Berliner Raum, der mittelalterliche oder heidnische Hochzeiten organisiert.

Schnell war der Braut klar, dass es genau das ist, was sie möchte. Christine Thalmann-Weiß oder auch Chris Lunatis ist nicht nur regional bekannt für ihre Musik und ihren Gesang mit Harfe und Laute. Auch komponiert sie selbst, zum Beispiel eine "Hymne auf Sallgast". Spielt auf Festen, Hochzeiten, erst kürzlich auf der Hochzeitsmesse im Doberluger Refektorium. Da passte es gut, eine mittelalterliche Hochzeit für sich selbst zu organisieren.

Den Anfang nahm's im Park

Die heidnische Eheleite fand im Schlosspark statt. Durch einen Fackelgang lief das Paar zum Altar. Katrin und Jens Weber als Priesterin und Priester führten und vollzogen zusammen mit anderen mittelalterlich angezogenen Freunden die Zeremonie. Nach einer ausführlichen Erläuterung des Matriarchats, dem Anrufen der Großen Göttin, mit Bitte um Unterstützung in Gesundheit, Wohlstand und Glück, gab sich das Brautpaar das Eheversprechen. Hierzu ging es zuerst zur inneren und äußeren Reinigung, trank klares Wasser und wusch sich die Hände, um sich von allen Altlasten zu befreien. Danach beschritten beide einen Kreis, den sogenannten Ehetempel, in dem sie abgeschieden und geschützt vor jedermann, ihr ganz persönliches Eheversprechen an den anderen geben, sich in den Arm nehmen und küssen durften.

Lautstarkes Versprechen

Erst dann gingen sie zurück zum Altar und gaben lautstark ihr Versprechen vor allen kund, was die Gäste sehr amüsierte. Ist man es doch von Standesamt und Kirche gewohnt, dass das Ja-Wort eher gehaucht wird. Als Olaf Weiß angehalten wurde doch etwas lauter zu sprechen, schallte es durch den Sallgaster Schlosspark: "Ja, ich will Dich, Christine …", was von den Besuchern mit jubelnden Applaus honoriert wurde. Nachdem auch die Braut ihr Ja durch den Park gerufen hatte, ging es zum Handfasting. Hierbei fasst sich das Paar bei der Hand, und ein Hochzeitsband wird um die Hände gelegt. Das Band soll mit einer besonderen Schutzfrequenz aufgeladen sein.

Auf dem Rückweg durch den Fackelgang bewarfen die Gäste das Brautpaar mit Hirse, um ihm Wohlstand und Erdverbundenheit zu wünschen. Auch der Rest der Feier verlief bunt und besonders. Chris Lunatis hatte sich Torsten Hannemann als Zeremonienmeister gewünscht. Dieser verriet noch einige Specials des Tages. So waren noch Bogenschießen vom Bruder der Braut, Torsten Schilling, fünf Saxophonspieler, ein mittelalterlicher Tanz mit Barbara Weinkauf, der Brautmutter, und eine Lasershow am Abend zu erwarten. Spektakulär war die Hochzeitstorte: Das Schloss Sallgast ganz aus Zucker gebacken von Peggy Hänsch.

Wieder mal Leben im Schloss

Mit der Hochzeit zog seit langem mal wieder Leben ein in das alte Schloss. Seit dem Rückzug von Frank Schreiber, dem Gastwirt vom "Goldenen Hahn" in Finsterwalde, hat es nach der Silvesterfeier kaum noch Veranstaltungen gegeben. Der Plan von Amt und der Gemeinde Sallgast, die Besitzerin des Schlosses ist, schnell wieder einen Nachnutzer zu finden, ist gescheitert. Die Interessenten, von denen die Rede war, sind wieder abgesprungen. "Wir machen uns bis zum Sommer neue konzeptionelle Gedanken, wie wir das schöne Gebäude nutzen können", sagt Amtsdirektor Gottfried Richter.

Eine Variante schließt er von vornherein aus: "Alle bisherigen intensiven Bemühungen, für Schloss Sallgast wieder einen Betreiber zu finden, haben gezeigt: Es wird für niemanden wirtschaftlich rentabel, wieder eine Tagesgaststätte einzurichten." Eben das war immer eine Forderung der Gemeinde - "wenigstens an den Wochenenden für Gäste zu öffnen".

Kann gemietet werden

Obwohl ein neuer Betreiber noch gesucht wird, kann das Schloss für Veranstaltungen und Feiern genutzt werden. "Der Schlüssel liegt bei der Amtsverwaltung in Massen. Die Kosten werden nach der Entgeltordnung berechnet", erklärt der Amtsdirektor. Diese Entgeltordnung ist im Internet unter www.amt-kleine-elster.de nachzulesen.