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Mit sechs Händen auf dem Klavier

Temperamentvoll am Flügel: Anne Salié, Alina Pronina und Alyana Pirola (v. l.)
Temperamentvoll am Flügel: Anne Salié, Alina Pronina und Alyana Pirola (v. l.) FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Finsterwalde. Die drei Pianistinnen Anne Salié, Alyana Pyrola und Alina Pronina bezaubern das Publikum beim Brandenburgischen Sommerkonzert in der Trinitatiskirche. Doch wo waren die Finsterwalder? Jürgen Weser / jgw1

Die Brandenburgischen Sommerkonzerte machten am Sonnabend in Finsterwalde Station. Mitgebracht hatte die beliebte Sommerkonzertreise ein furioses Klavierkonzert und ein interessantes Begleitprogramm für angereiste Besucher. Das Klaviertrio "Some Handsome Hans" begeisterte mit seinem Konzert in der Trinitatiskirche. Zuvor gab es Stadtführungen und Besichtigungsfahrten zur F 60 und zum Doberluger Schloss.


Für Zauberhaftes am Pianoforte sorgten Anne Salié, Alyana Pyrola und Alina Pronina. Seit mehr als zehn Jahren sind die jungen attraktiven Frauen gemeinsam auf einem Klavier unterwegs und bieten vielhändige moderne Klaviermusik zwischen Klassik, Jazz und Film. Während des Studiums an der Musikhochschule "Hans Eisler" fanden sich die Pianistinnen mit Wurzeln in Leipzig, Usbekistan und Kiew und merkten: Mit ihren sechs Händen können sie gemeinsam Außergewöhnliches leisten.

So staunten auch die Konzertbesucher in der Trinitatiskirche, wie fingerfertig bei oft hohem Tempo ihr gemeinsames Spiel harmonisch und perfekt umgesetzt wurde. Von Bearbeitungen aus Mozarts Ouvertüre zu "Figaros Hochzeit" und einer von Rachmaninow original für drei Schwestern geschriebene Romance spielten sich die drei Damen mit Temperament und Spielwitz durch bekannte Melodien und extra für sie geschriebene Stücke wie die Rhapsodie Vardar von Pantscho Vladigerov als heimliche bulgarische Nationalhymne und die Suite populare von Manfred Schmitz. Fast zum Schluss ließen sie Saint-Saens ,,Schwan" elegant durch das Kirchenschiff schweben, bevor Khatschaturians "Säbeltanz" als furioses Finale erklang. Das Publikum, von der rasanten Spielweise und von der Lebensfreude und Sinnlichkeit der drei Pianistinnen begeistert, bekam die eingeforderten Zugaben. Beim anschließenden Verkauf ihrer CDs schwärmten die drei mehrfach preisgekrönten Pianistinnen über die schöne Kirche und ,,den tollen Bechsteinflügel, den uns die Organisatoren der Brandenburgischen Sommerkonzerte hingestellt haben".

Allerdings haben die meisten Finsterwalder dieses tolle Konzert verpasst. Die etwa 250 Zuhörer waren überwiegend Besucher der Brandenburgischen Sommerkonzerte aus Berlin. Mit Bussen oder privat angereist, nutzten sie den Tag im Zusammenspiel von Konzertgenuss und touristischen Entdeckungen. ,,Finsterwalde ist sehr schön und vor allem sauber", war von Berlinern wie Heli Rupprecht, Jochen Behrmann und Horst Möhle immer wieder zu hören. Beeindruckt waren Maria und Clemens Tembrink aus Charlottenburg vom Rundgang an der F60, wo sie sich über die Flutung des Sees informieren ließen. Spaß hatten Rita Jaissle und Ingrid Platz von der interessanten Stadtführung in Finsterwalde mit Sänger Klaus Mayer. ,,Jährlich suchen wir uns im Rahmen der Sommerkonzertreihe vier bis fünf interessante Orte aus", erzählten sie. Vielleicht führt sie der Weg in diesem Jahr noch zum Open-Air nach Stechau.