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Mit Leidenschaft für und gegen eine Stadthalle in Finsterwalde

Christina Eisenberg, Dominic Hake und Hannelore Elmer (r.) wollen Bürger zum "Nein zur Stadthalle" überzeugen.
Christina Eisenberg, Dominic Hake und Hannelore Elmer (r.) wollen Bürger zum "Nein zur Stadthalle" überzeugen. FOTO: gb
Finsterwalde. Kein anderes Thema lässt Finsterwalder Bürger derzeit emotionaler streiten. Der Umbau des Industriedenkmals Schaefersche Tuchfabrik in eine Veranstaltungshalle steht am 13. Gabi Böttcher

November in einem Bürgerentscheid zur Disposition. Die Pro- und Kontra-Argumente prallen aufeinander. So am Donnerstagabend bei dem ersten von zwei Gesprächsabenden, den die Klägerinnen für einen Bürgerentscheid, Hannelore Elmer und Christina Eisenberg, anbieten.

Unter den gut 30 Gästen des Abends war eine starke Abordnung des Fördervereins Stadthalle in die Gaststätte Alt Nauendorf gekommen. Überzeugt davon, "dass eine Stadthalle die vielleicht letzte Chance für Finsterwalde ist, eine innerstädtische Industriebrache sauber zu bekommen", legte sich Unternehmer Burkhardt Winter ins Zeug. Er sehe kein anderes Konzept dafür. Das hatten auch Christina Eisenberg und Hannelore Elmer nicht zu bieten. Jedoch eine ganze Liste von Bedenken und Misstrauen zu den im Stadthallen-Konzept vorgelegten Zahlen. Den Betrieb der Stadthalle mit drei Festangestellten zu planen, sei nicht nachzuvollziehen. Auch sehe sie kein Geld für Marketingaufgaben, so Christina Eisenberg. Zudem müssten 80 Prozent der Veranstaltungen von bisherigen Veranstaltungsorten umziehen.

Nicht der Bau ist das Problem

"Der Bau der Stadthalle ist nicht das Problem. Der Betrieb über die nächsten 20 bis 30 Jahre ist das Problem", ergänzte Hannelore Elmer. Warum sie dem zuvor geplanten Hundertwasserhaus (mit 800 000 Euro Betriebskosten in den ersten Jahren) zugestimmt und seinerzeit keinen Bürgerentscheid gefordert habe, musste sich die SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament, Hannelore Elmer, fragen lassen. Ebenso kann Stadthallen-Architekt Jürgen Habermann nicht nachvollziehen, warum es diese Forderung nicht vor dem gesamten Planungsprozess gegeben habe. In beiden Fällen habe kein konkretes Projekt vorgelegen, so Elmer. Und Christina Eisenberg zum Rückblick auf das Hundertwasser-Projekt ohne Forderung nach einem Bürgerentscheid: "Es kam nicht dazu."

Nach einer halben Stunde des Hin und Her der Argumente hielt es Bürgermeister Jörg Gampe (CDU) nicht mehr in der Zuhörerrolle. Man habe sich in verschiedenen anderen Hallen, auch in der Partnerstadt Eppelborn, das dortige Betriebsmanagement angesehen. Um einen Block der Betriebskosten zu ermitteln, habe man mit 200 Veranstaltungen mit je 600 Besuchern im Jahr sicher gerechnet. In Eppelborn rechne man ebenfalls ohne die Abschreibungen. Das Fehlen Letzterer in der Fragestellung des Bürgerentscheides monierten sowohl Johannes Wohmann als auch Ronny Zierenberg. Letzterer findet mögliche finanzielle Konsequenzen für die Stadt insgesamt "viel zu wenig dargestellt".

Betriebskosten mit Fragezeichen

Eigentlich könne kein vernünftiger Bürger gegen die Stadthalle sein, betonte ein Gast. Doch die Sorge vieler sei es, dass es nicht bei den 280 000 Euro Betriebskosten bleiben werde, die Kosten der Stadt "irgendwann auf die Füße fallen" könnten. Entgegnung von Frank Richter aus den Gästereihen: "Ich habe Vertrauen in die Stadtverordneten. Das Defizit ist gerechnet bei null Veranstaltungen." Leidenschaftlich plädierten Nassib Ahmadieh, künstlerischer Leiter des Finsterwalder Kammermusikfestivals, und Ex-Musikschulchef Siegfried Fritsche für eine neue Veranstaltungshalle. Nassib Ahmadieh: "Es sollte gefragt werden - Wo bekommen wir das Geld her? und nicht - Brauchen wir die Stadthalle?" Für den Künstler ist unstrittig, dass sich Musiker in die Halle einmieten werden. Seit Gründung des Festivals habe er mehr als 200 Auftrittsanfragen von Musikern erhalten. "Wir könnten locker auf 30 Veranstaltungen erhöhen, ohne dass Kosten entstehen." Es sei peinlich, was man bei größeren Veranstaltungen in Finsterwalde anbieten könne, unterstrich Siegfried Fritsche. Er könne auch keine Konkurrenz zu Doberlug-Kirchhain erkennen. Johannes Wohmann fehlen eine Potenzialabfrage und unabhängige Quellen bei der Bewertung des Projektes.

Gefragt nach ihren Visionen für Finsterwalde führte Christina Eisenberg ein Gewächshaus in der Bürgerheide an. Die Sängerstadt zu erleben, sei nicht an eine Stadthalle geknüpft. Ein Sängerpfad und anderes könne das Sängerstadtimage ebenso stärken.