Von Heike Lehmann

Beim Sängerfest 2018 haben sie die Chance beim Schopf gepackt und auf der freien Bühne am Alexanderplatz musiziert. Da war die Band „The Marvellous Magpies“ noch relativ jung. Seit zwei Jahren spielen die fünf Frauen meist bei Geburtstagen oder Polterabenden, sind aber auch schon im Finsterwalder Schützenhaus und erst jüngst im Doberlug-Kirchhainer Café „Zur alten Praxis“ aufgetreten. Leute, die das Sommerkonzert in der Kloster- und Gerberstadt erlebt haben, waren überrascht und begeistert von der Musik, die die Mädels machen. Zu recht. Sie ist jung, frisch, macht gute Laune und hat Tiefgang.

„The Marvellous Magpies“ („Die fabelhaften Elstern“) sind fünf Frauen aus dem Raum Finsterwalde, die mit guter Musik und charmantem Lächeln ihre Zuhörer einfangen. „Musiziert haben wir alle immer schon. Aber vor etwa zwei Jahren haben wir uns als Band gefunden“, erzählt Katharina Wendt. Sie spielt den Kontrabass, die Ukulele und singt. Ihre Bandkolleginnen sind: ihre Schwester Christin Wendt (Mundharmonika, Gesang), Anika Ockert (Gesang, Percussion), Doreen Schulze (Schlagzeug, Percussion) und Doreen Dachwitz (Gitarre, Banjo). Es ziemt sich nicht, das Alter von Frauen zu verraten. Deshalb nur so viel: Sie liegen alle noch in den Dreißigern, die Jüngste ist 31, die Älteste 38. Beruflich sind sie alle im sozialen Bereich oder im Gesundheitswesen beschäftigt.

Ihre gute Ausbildung haben vier von ihnen an der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ erhalten. Schon der Bandname beweist, dass sie sich viel Gedanken machen, um etwas mitzuteilen. „Es gibt eine alte in­dianische Sage, wo die Vögel in einem Rennen gegen Büffel antreten. Es sind Lerchen, Kolibris, Adler, Falken dabei. Der Elster traut keiner etwas zu, aber sie gewinnt. Weil sie ihr Ziel nicht aus den Augen verloren hat“, erzählt Katharina Wendt. Und weil es auch in und um Finsterwalde und Elbe-Elster so viele Elstern gibt, die schöne Vögel sind und zu unrecht diebische Elstern genannt werden, habe man sich diesen Bandnamen gegeben. Natürlich erzählen „The Marvellous Magpies“ diese Geschichte auch mit einem Lied.

Die Musik, die sie machen, ist angesiedelt zwischen Country und Rock ’n’ Roll. Auch ein bisschen Blues ist dabei. „Wir spielen Songs aus den 50er-Jahren, aber immer mit unserem eigenen Stil und mehrstimmigem Gesang. Und natürlich eigene Lieder“, sagen sie. Ihr Repertoire reicht für anderthalb Stunden.

Die ersten Proben der Band fanden auf einem Dachboden statt. Später zogen sie um in den Keller oder Garten. Jetzt haben sie ihren festen Probenraum im Bau 122, einer Party-Location am Rand von Finsterwalde, wo aus einem einstigen Industriegebiet ein Gewerbegebiet wurde. Alle zwei Wochen treffen sie sich dort. Öfter geht nicht, weil Christin Wendt erst aus Dresden kommen muss. „Dafür proben wir dann aber immer richtig lange, damit es sich lohnt“, sagt Schwester Katharina. Man könnte meinen, sie ist die Bandleaderin. Aber nein, eine Chefin gibt es nicht bei den Fünfen.

Erkennungslied von „The Marvellous Magpies“ könnte „Das Provinzlied“ werden. Und nicht nur das. Es hat das Zeug zu einem modernen Heimatlied. Denn es lobpreist „das schöne Elbe-Elster-Land, Südbrandenburg, zwischen Dresden und Berlin“. Es ist das einzige Lied, dass die Fünf auf Deutsch singen. Es ist schwungvoll und hat eine gehörige Portion Entertainment. Hinter dem „Provinzlied“ steckt natürlich auch eine Geschichte. Katharina Wendt erzählt sie: „Ich bin beruflich in der Medizin tätig und da ist man zwangsläufig bei vielen Fortbildungen. Natürlich wird man dort gefragt, woher kommst du? Da sind viele Großstädter, Dresdner, Berliner dabei, vor denen man sich irgendwie rechtfertigen muss, warum man in der Provinz lebt und was man da eigentlich macht. Als ich mal zu Hause beim Staubsaugen war, hat sich das so hochgespielt. Warum muss ich mich eigentlich für meine Heimat rechtfertigen? Da habe ich mich hingesetzt und das Lied geschrieben.“ Herausgekommen sind so aussagekräftige Textzeilen wie: „In der Provinz, ja, ja das stimmt. Da gibt es wenig Industrie. Doch so was wünsche ich mir nie. Denn hier ist noch saub’re Luft, mit dem schönsten Fliederduft.“ Oder: „In der Provinz macht man auch nichts anderes als arbeiten geh’n und am Abend Freunde und Familie seh’n, dann wird gekocht und gegessen und gelacht und das ganz, ganz häufig sogar bis um Mitternacht.“ Und auch die: „In der Provinz, da trifft man sich mit Freunden am Baggersee und barfuß läuft man durch den butterweichen Klee. Nachts leuchtet dann der Mond über See und Strand, überhaupt funkelt der Sternenhimmel schöner auf dem Land. (...) In der Provinz, da macht man Kultur noch selber und man singt, denn hier ist die Sängerstadt (...) und überhaupt kann man alles haben in der Provinz. Denn es gibt das Internet jetzt auch in der Provinz.“

Man muss dieses Lied nicht erklären, wenn man es gehört hat. Anika Ockert sagt aber: „In der Großstadt ist alles schnelllebig und oberflächlich.“ Und Doreen Dachwitz meint: „Es gibt viele Leute hier, die Bock haben, was zu machen. Der Zusammenhalt ist wichtig.“ Schlusssatz im Lied ist: „Mein Herz schlägt für die Provinz.“ Die Band bringt das glaubhaft rüber.

Marketingtechnisch haben „The Marvellous Magpies“ bisher von der Mundpropaganda gelebt. Beim Finsterwalder Sängerfest 2020 jedenfalls sollten sie nicht nur auf der freien Bühne spielen, sondern auf einer der Hauptbühnen – als eine Band von hier!

8. August, Sommermusik im Hopfengarten: Rockabilly mit „The Marvellous Magpies“, Brauhaus Finsterwalde