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Mit Kindern und Enkeln am Ort der Befreiung

Viel Lob gab es gestern für die Freiluftausstellung zum "Verlorenen Transport" in Tröbitz. Kurator Ralph Gabriel (2.v.r.) hat viele Originaldokumente und -zitate dafür verwendet.
Viel Lob gab es gestern für die Freiluftausstellung zum "Verlorenen Transport" in Tröbitz. Kurator Ralph Gabriel (2.v.r.) hat viele Originaldokumente und -zitate dafür verwendet. FOTO: Lehmann
Tröbitz. Am 23. April 1945 öffneten Soldaten der Roten Armee nahe Tröbitz die Türen zu den Waggons eines Zuges mit mehr als 2000 jüdischen Häftlingen aus dem KZ Bergen-Belsen. Mehr als 550 Häftlinge haben das nicht mehr erlebt. Für den "Verlorenen Transport" wurde am Donnerstag im Beisein vieler Überlebender wurde eine Freiluftausstellung eingeweiht. Heike Lehmann

Wer die neue Ausstellung in Tröbitz besucht, sieht als Erstes die handgeschriebene Liste mit 565 Namen der Verstorbenen, die die 13-tägige Irrfahrt quer durch Deutschland nicht überlebt haben. "Einen besonderen Stellenwert" wollte Kurator und Historiker Ralph Gabriel diesen Menschen einräumen. Das hat er bei Einweihung mit mehreren Hundert Gästen, darunter viele Überlebende und Angehörige, erklärt.

Das Amt Elsterland, die Gemeinde Tröbitz und die Stadt Uebigau-Wahrenbrück hatten 70 Jahre nach der Befreiung dieses dritten Räumungstransports aus dem KZ Bergen-Belsen eingeladen. Statt in Theresienstadt landeten die ausgemergelten und kranken Juden in Tröbitz, wo sie per Befehl der Roten Armee in den Häusern aufgenommen und versorgt werden mussten.

Daraus entwickelte sich eine "historisch sehr außergewöhnliche Verbindung" der Tröbitzer zu den jüdischen Familien, würdigte Brandenburgs Kulturstaatssekretär Martin Gorholt. "Menschliche ist gewachsen und hält sich bis heute", sagte er und dankte den Tröbitzern. Deshalb auch macht die Ausstellung nicht nur mit den historischen Details des Transports, sondern auch mit der Nachgeschichte vertraut. Sie ist in Zusammenarbeit der Gemeinde Tröbitz mit den Stiftungen Brandenburgische Gedenkstätten und Niedersächsische Gedenkstätten entstanden.

Katrin Konst von der niederländischen Botschaft verneigte sich tief vor den Überlebenden. "Ein Drittel der Häftlinge im Zug war niederländischer Herkunft", betonte sie.

Die Überlebenden des Zuges No'omi Rinat-Tal (82) und ihr Bruder Elchanan (85) waren mit ihren Familien aus Israel angereist. Darunter waren auch Kinder und Enkelkinder. "Von Januar 1944 bis April 1945 waren wir in Bergen-Belsen. Dort habe ich meine Zwillingsschwester verloren. Und im Zug, kurz vor der Befreiung, ist unser Vater verstorben", berichtete No'omi.