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| 17:28 Uhr

Ein halbes Jahrhundert im Dienst
Mit Biss – Zahnärztin aus Leidenschaft

Dr. Bärbel Kröchert, Zahnärztin in Doberlug-Kirchhain, feiert 50 Jahre Berufsjubiläum.
Dr. Bärbel Kröchert, Zahnärztin in Doberlug-Kirchhain, feiert 50 Jahre Berufsjubiläum. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Dr. Bärbel Kröchert feiert ihr 50-jähriges Berufsjubiläum und steht immer noch in der Praxis. Von Heike Lehmann

„Ich übe den Beruf sehr, sehr gerne aus“, sagt Dr. Bärbel Kröchert. Und man glaubt es ihr aufs Wort. Andere genießen in ihrem Alter – sie hat die 73 Jahre schon erreicht – längst ihre Rente, gestalten den Tag ohne Arbeitsstress. Doch Bärbel Kröchert hat noch nicht genug. Seit 50 Jahren praktiziert sie jetzt als Zahnärztin.

Am 1. September 1968 hat die junge Frau, die aus Hoyerswerda stammt und dort zwölf Jahre zur Schule ging, in einer Poliklinik mit ihrer Facharztausbildung ihren Berufsweg begonnen. Das war nach ihrem fünfjährigen Direktstudium in Leningrad, heute St. Petersburg. Abgeschlossen hat sie ihre Facharztausbildung dann schon in Doberlug-Kirchhain, wohin es sie 1971 verschlagen hat. „Ich habe im ehemaligen Ambulatorium angefangen. Noch heute betreue ich hier meine Patienten – seit 47 Jahren im gleichen Haus“, betont sie.

Am Freitag feiert Dr. Bärbel Kröchert ihr Berufsjubiläum mit der Familie, Kollegen und Wegbegleitern.

Als Fachzahnärztin für allgemeine Zahnheilkunde betreut sie mittlerweile die 5. Generation in Doberlug-Kirchhain. „Die Kinder von damals sind heute Oma und Opa“, sagt sie. Patienten halten ihr die Treue wie sie ihren Patienten. Selbst, wer arbeitstechnisch der Region den Rücken gekehrt hat, kommt aus Norwegen, der Schweiz oder Österreich zu ihr auf den Behandlungsstuhl – und wenn es zwischen Weihnachten und Neujahr ist. Wer aus Alters- oder Krankheitsgründen die Praxis nicht mehr aufsuchen kann, zu dem kommt Bärbel Kröchert nach Hause – mit der mobilen Zahnarzteinheit. So kennt man sie im Seniorenzentrum. So macht sie sich aber auch bis nach Buchhain auf.

Seit 1991 ist Bärbel Kröchert niedergelassene Zahnärztin mit eigener Praxis – ohne umzuziehen. Sie hat das Gebäude in der Walter-Rathenau-Straße erworben und Stück für Stück in Schuss gebracht. 2001 stieg Tochter Dr. Annegret Kröchert-Friedrich in die Gemeinschaftspraxis ein. Die Kröcherts haben sechs Mitarbeiterinnen und fühlen sich mit ihnen „als eine Mannschaft“. Mittlerweile gönnt sich Bärbel Kröchert zwei „Haushaltstage“ in der Woche. „Zur Urlaubsvertretung oder wenn Not am Mann ist, kann man auf mich zählen“, versichert sie. Denn Praxisurlaub gibt es nicht. 2002 war Bärbel Kröchert vier Wochen wohltätig in den Slums von Brasilien tätig. Fotos davon hängen in der Praxis. Warum sie diesen Einsatz auf sich genommen hat? „Wegen der Solidarität“, sagt sie. Mehr Worte braucht es dafür nicht.

Beim Stichwort „Angst vorm Zahnarzt“ sagen Mutter und Tochter im Chor: „Die gibt’s nicht. Die Leute haben keine Angst. Auch Kinder nicht.“ Und wenn doch, dann werde sie ihnen genommen. Die Erklärung: „Wir sind eine Prophylaxe orientierte Praxis. Ab der Windel, wenn die Zähnchen kommen, ist das Kind bei uns in Betreuung. Wenn die Eltern mitmachen, haben wir kariesfreie Gebisse. Ernährungslenkung dafür beginnt übrigens schon während der Schwangerschaft“, erklärt Annegret Kröchert-Friedrich.

Bärbel Kröchert hat in ihren 50 Berufsjahren eine enorme Entwicklung der Zahnmedizin erlebt. Was hat sich seit ihrem Berufseinstieg entscheidend verändert? „Das Material ist einfach feiner geworden“, sagt sie. „Anfangs haben wir bescheidene Zahnmedizin betrieben und den Mangel zu spüren bekommen“, erinnert sie sich. Bärbel Kröchert hat sich natürlich mit dem zahnmedizinischen Fortschritt mitentwickelt, ihr Wissen stetig erweitert. „Das tut sie heute noch“, versichert ihre Tochter. „Im Sommer saß sie eine Woche beim europäischen Sommerkongress für Zahnärzte – und in der ersten Reihe, wie ich auf einem Foto erkennen konnte“, erzählt Tochter Annegret lachend.

Bärbel Kröchert gibt ihr Wissen gern an andere weiter. Selbst noch jung an Berufserfahrung habe sie in den 1970er-Jahren bis Mitte der 1980er-Jahre die Fachzahnarztausbildung für Kollegen übernommen. Sie erinnert sich: „Damit habe ich mit dafür gesorgt, dass die Zahnarztpraxen der Region, zum Beispiel in Doberlug, Rückersdorf, Schönborn oder Tröbitz, besetzt werden konnten.“ Für den eigenen Mitarbeiterstamm bildete sie zahnärztliche Assistentinnen aus.

Bärbel Kröchert wirkt fit wie ein Turnschuh. Sportliche Gymnastik ist ihr Prophylaxe-Programm gegen das Altern. Sie hat aber auch sonst ein Herz für den Sport, ist Sponsor vom VfB Doberlug-Kirchhain, wo ihre drei Enkel Handball spielen.