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| 18:09 Uhr

Landwirte hoffen auf mehr Verständnis
Milchkühe und die Dürrefolgen

 Stallgespräch in Lindena mit Carmen Lorenz vom Bauernverband Südbrandenburg, Katrin Lüder, Leiterin Milchviehanlage Lindena, Dirk Schadock, Vorstandsvorsitzender der Agrofarm Goßmar eG, und Frank Neczkiewicz, Geschäftsführer der Landwirtschaft GmbH Finsterwalde (v.l.)
Stallgespräch in Lindena mit Carmen Lorenz vom Bauernverband Südbrandenburg, Katrin Lüder, Leiterin Milchviehanlage Lindena, Dirk Schadock, Vorstandsvorsitzender der Agrofarm Goßmar eG, und Frank Neczkiewicz, Geschäftsführer der Landwirtschaft GmbH Finsterwalde (v.l.) FOTO: Ivonne Kommolk
Lindena. In Lindena weisen Landwirte vom Bauernverband Südbrandenburg auf ihre Sorgen hin. Von Ivonne Kommolk

„Immer meckern sie, diese Bauern. Kein Wetter ist ihnen gut genug, dabei kriegen sie doch so viel Geld vom Staat.“ Wie viele Menschen mögen diese Gedanken wohl im Kopf haben, wenn es in den Nachrichten wieder einmal heißt, dass es zu kalt, zu trocken, zu nass war. Warum reden die Landwirte so? Wollen sie nur Aufmerksamkeit oder sollte da doch  was dran sein?

In dieser Woche trafen sich Vertreter der Landwirtschaft und vom Bauernverband Südbrandenburg bei Katrin Lüder, Leiterin Tierproduktion der Agrofarm Goßmar, am Standort Lindena zum Stallgespräch. Das Jahr 2018 war, und das ist sicher, ein extrem trockenes mit schlimmen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenproduktion. Die Schäden und Verluste können kaum oder nur schwer ausgeglichen werden. „Die Wiesen sehen katastrophal aus, wir mussten viel nachsäen. Selbst wenn in diesem Jahr wieder hoffentlich mehr Regen kommt, können wir unsere Muttertiere noch nicht auf die Weiden lassen. Böden und Wiesen müssen sich erst stabilisieren. Das heißt, wir müssen wieder Futter zukaufen. Die Preise an den Futterbörsen aber sind unglaublich hoch“, erklärt Frank Neczkiewicz, Geschäftsführer der Landwirtschafts GmbH Finsterwalde und stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbandes. „Dramatisch für einige landwirtschaftliche Betriebe war, dass sie  ihre Rinder in die Schlachtung geben mussten, weil es kein Futter mehr für die Tiere gab. Andere haben ihre Milchviehwirtschaft aufgeben müssen.“ Die schlechte Qualität des Futters und das fehlende Grün wirken sich aus auf die Milchmengen, sogar auf die Fruchtbarkeit der Tiere, so dass manche Auswirkung noch nicht abzusehen oder vom Tisch sei, nur weil es jetzt ganz gut geregnet hat. Die gute Nachricht am Donnerstag war: „Die Betriebe der Agrofarm Goßmar sind durch ein gutes Zusammenspiel der verschiedenen Standorte bisher mit einem blauen Auge davon gekommen.“

 Carmen Lorenz, Geschäftsführerin vom Bauernverband Südbrandenburg, weiß wie man Vorsorge schaffen könnte: „Dreiviertel aller EU-Staaten fördern den Risikoschutz ihrer Landwirte vor Wetterextremen mit europäischen und nationalen Mitteln mit staatlichen Zuschüssen durch eine Mehrgefahren- und Dürreversicherung. In Deutschland aber kann man sich nur gegen Hagel, Sturm und Starkregen versichern, nicht gegen Dürre. Das ist ein enormer Wettbewerbsnachteil.“ Katrin Lüder ergänzt: „Wichtig wäre eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage. Wenn wir ein gutes Jahr haben, dürfen wir den Gewinn nicht als Rücklage nutzen für das kommende Jahr, in dem es vielleicht sehr schlecht läuft. Mehr als die Hälfte unseres Gewinns geht sofort als Steuer weg. So sind wir unflexibel und gezwungen,  wieder Fördermittel oder Investitionszuschüsse beim Staat zu beantragen.“

Dirk Schadock, Vorstandsvorsitzender der Agrofarm Goßmar eG, fügt hinzu: „Wir benötigen vor allem vernünftige Erzeugerpreise. Die Kosten für Pacht und Löhne haben sich verdoppelt, die Preise für die Produkte sind immer noch die gleichen. Der Markt gibt es vor und wir haben nicht das Gefühl, gehört zu werden.“ Alle Jungrinder, die älter als fünf Monate sind, werden in Kürze in den neu gebauten Stall nach Breitenau umziehen. In Lindena bleiben Milchkühe und Kälbchen, in Goßmar die Bullen. Das ermöglicht eine effektivere Spezialisierung für Angestellte und Technik.

Dennoch sind sich alle einig: „Mit besseren Erzeugerpreisen könnten gut qualifizierte Leute und Azubis vernünftig entlohnt werden. Wir brauchen eine bessere Netzabdeckung, um die hochentwickelten Maschinen auch richtig nutzen zu können, um so die Umwelt zu schonen und Kosten zu sparen. Wir wünschen uns Wertschätzung und Respekt, für unsere Arbeit und für die Produkte, die wir erzeugen.“ Katrin Lüder bringt es auf den Punkt: „Wenn ein Liter Wasser im Laden teurer ist als ein Liter Milch, dann läuft irgendwas falsch.“

 Ohne Korn kein Brot und für Milch braucht man Kühe. Da diese nicht aus dem Regal im Supermarkt stammen und Kartoffeln nicht auf Bäumen wachsen, laden die Landwirtschaftsbetriebe der Region Kitagruppen und Schulklassen in die Ställe ein.

Derzeit sind die Vertreter der Landwirtschaft bei der Grünen Woche in Berlin vertreten und gesprächsbereit unter dem Motto „Dialog statt Protest – Frag doch mal den Landwirt“.