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| 15:11 Uhr

5 Minuten Heimatgeschichte
Mikrokosmos der großen Nationalgeschichte

FOTO: Schubert, Sebastian / LR
Finsterwalde. Die LR will historische Ereignisse, Prozesse und Persönlichkeiten der Region vor dem Vergessen bewahren und neu beleuchten. Von Dr. Rainer Ernst

Als Tageszeitung informiert die LAUSITZER RUNDSCHAU ihre Lesern möglichst umfassend und journalistisch anspruchsvoll über die aktuellen Geschehnisse in der großen weiten Welt, in Deutschland und Brandenburg. Eine ihrer Stärken und sicherlich auch ein Hauptargument für das Abonnement oder den Kauf am Kiosk dürfte daneben vor allem in ihrer regionalen Kompetenz als Heimatzeitung liegen. Um diesem Profil und Anspruch gerecht zu werden, spielte auch immer wieder die Darstellung regional- und lokalgeschichtlicher Themen eine Rolle.

Heimatgeschichte sollte aber durchaus nicht als eng begrenzte, geistig kleinkarierte und nostalgische Rückschau und schon gar nicht als völkische Selbstbeweihräucherung  aufgefasst werden. Die Wechselwirkung zwischen der großen und der kleinen Welt beschrieb Siegfried Lenz in seinem Roman „Heimatmuseum“: „Also Weltkunde statt Heimatkunde … Ich weiß nicht, wie viel Ihnen Erfahrung bedeutet, aber ich hab’ so manchen erlebt, der seine Hoffnung auf Weltkunde setzte, und der dann wie von selbst zur Heimatkunde zurückfand. Vielleicht müssen wir darauf gefasst sein, dass Weltkunde immer Heimatkunde ist …“

Mit diesen Überlegungen wollen wir auf kommende Beiträge in der Elbe-Elster-Ausgabe der LAUSITZER RUNDSCHAU hinleiten. Sie sollen in loser Folge unter dem Motto „5 Minuten Heimatgeschichte“ interessante historische Ereignisse, Prozesse und Persönlichkeiten vor dem Vergessen bewahren oder neu beleuchten. Der chronologische Schwerpunkt wird dabei in der Zeit des beginnenden 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts liegen, also jenen Epochen, die durch vielfältige, und vor allem noch deutlich sichtbare Fäden mit unserer Gegenwart verknüpft sind. Der lokale Fokus – allerdings nicht ausschließlich – ist auf Finsterwalde gerichtet. Das hat nichts mit Finsterwalder Dominanz zu tun, sondern ist praktischen und methodischen Gründen, aber vor allem der begrenzten Forschungskraft des Autors geschuldet. Er wird sich jedoch bemühen, Vergleiche und Zusammenhänge mit anderen Städten und Regionen im Landkreis Elbe-Elster und benachbarten Regionen aufzuzeigen und damit über den Finsterwalder Rathausturm hinauszusehen.

Eine Zeitungsserie setzt von vorn herein Grenzen. So wollen die Texte keine rein wissenschaftlichen, sondern populäre, wissenswerte, lesbare und oft auch unterhaltsame Abhandlungen sein, die allerdings in der nun offenbar angebrochenen Ära der „alternativen Fakten“ der historischen Wahrheit verpflichtet bleiben. Breite Ausführlichkeit oder gar Vollständigkeit kann ein Zeitungsartikel kaum bieten, dennoch sollen Themen nicht nur angerissen oder gar oberflächlich behandelt werden.

Geschichte spielt sich nicht in anonymen Räumen oder allein in den Hauptstädten, sondern auch vor der eigenen Haustür ab. Gerade die historische Entwicklung der Stadt und der Region Finsterwalde – mit ihren Höhen und Tiefen – bietet in unzähligen Facetten einen Mikrokosmos der großen Nationalgeschichte. Das Wissen darüber – in der Schule leider nur noch durch wenige engagierte Lehrerinnen und Lehrer vermittelt – kann zu einem umfassenderen, emotional wirksamen, nachhaltigen und gegen Inhumanität wappnendes Geschichtsbild beitragen.

Demnächst lesen Sie: „Redende Blätter“ – über Originalquellen läuft die Darstellung der Geschichte.