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Merkel lässt sich von Protesten nicht beeindrucken

Angela Merkel in Finsterwalde
Angela Merkel in Finsterwalde FOTO: Heike Lehmann
Finsterwalde/Berlin. Es war kein schöner Abend, den Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch in Finsterwalde erlebt hat. Buhrufe und Pfiffe einer kleinen aber lautstarken Gruppe störten ihren Auftritt. Unterkriegen will sie sich davon nicht lassen. Heike Lehmann, Bodo Baumert/mit dpa

Es ist kein Bad in der Menge, dass Angela Merkel in Finsterwalde nimmt. Es schlägt ihr der Lärm von Trillerpfeifen und lauten Sprechchören der Demonstranten entgegen. Transparente wie "Bananenrepublik", "Rote Karte für Merkel", "Schnauze voll", "Grenzen dicht" und "Heimatliebe ist kein Verbrechen" werden in die Höhe gereckt. Trotzdem zieht sie ihre Rede durch.

Am Donnerstagmorgen fällt ihre Reaktion trotzig aus."Mir ist es wichtig, auch immer wieder dorthin zu fahren, wo ich nicht nur freundlich empfangen werde", sagte die CDU-Vorsitzende den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Viele Menschen, die sich den Trillerpfeifenkonzerten und den Sprechchören nicht anschließen, brauchen Ermutigung dafür, weiter Zivilcourage zu zeigen und dem Hass entgegenzutreten." Merkel sagte, gerade in ihrem Wahlkreis suche sie immer wieder das Gespräch mit Kritikern. "Aber wenn jemand nur noch pfeift und brüllt, dann kann man nicht mehr gut reden", sagte sie.

Merkel hatte am Mittwoch neben ihrem Auftritt in Finsterwalde auch in Torgau mit einem Pfeifkonzert zu leben. "Buh"- und "Volksverräter"-Rufe waren zu hören. Bereits bei früheren Auftritten Merkels war es zu Störungen gekommen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung. "Wer keine andere Meinung ertragen kann, Plakate zerstört und andere niederbrüllt, disqualifiziert sich als Demokrat", sagte der CDU-Politiker der "Passauer Neuen Presse".

In Finsterwalde gab es unterdessen am Donnerstag auch aus anderen Parteien Kritik am Verhalten der Störer, unter denen sich neben der rechten Gruppe "Heimat Zukunft" auch die lokale AfD tummelte. Hannes Walter, SPD-Bundestagskandidat im Wahlkreis Elbe-Elster: "Diese Pöbeleien sind wirklich unerträglich geworden, sie begleiten viele politische Veranstaltungen und kommen immer wieder aus derselben Richtung. Eine Minderheit versucht hier den Eindruck zu erwecken in der Mehrheit zu sein."