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"Mein größter Wunsch: Fünflinge!”

1970 hat Walter Rippich den Storchenhorst auf einer Erle vor seinem Grundstück angelegt. Seitdem nistet Familie Adebar hier fast jedes Jahr. Seit 1998 zählen Rippichs 99 Junge – an der Tafel am Baum nachzulesen.
1970 hat Walter Rippich den Storchenhorst auf einer Erle vor seinem Grundstück angelegt. Seitdem nistet Familie Adebar hier fast jedes Jahr. Seit 1998 zählen Rippichs 99 Junge – an der Tafel am Baum nachzulesen. FOTO: Dieter Babbe
Münchhausen. Der Storchenhorst auf der Erle Am Kurzen Ende in Münchhausen ist wieder besetzt. "Am 20. Dieter Babbe

März kam der Erste. Er hat gleich das Nest gesäubert und geklappert - das ist das Männchen vom vorigen Jahr”, ist sich Walter Rippich sicher. Vier Tage später traf das Weibchen ein. "Das ist neu in Münchhausen”, sagt der 77-Jährige, der reichlich Erfahrung mit den Störchen hat.

Seit 1970 nistet Adebar vor Rippichs Haus. Und das kam so: Am Langen Ende, der anderen Dorfseite von Münchhausen, hatte der Storch bereits seit 1924 sein Nest. Als es hier Ende der 60er Jahre zu Revierkämpfen kam, wollte Walter Rippich den Tieren ein neues, ein weiteres Nistangebot machen. Er kletterte auf die Erle vor seinem Haus, sägte die Krone ab und legte Bretter oben drauf. Im Jahr darauf nahmen die Störche den Horst an. Fortan war er fast jedes Jahr besetzt.

Seit 1998, nachdem der Naturschutzbund ständig ein Auge auf die Störche in der Region und überall ehrenamtliche Beauftragte hat, kümmern sich Walter Rippich und seine Frau Herta um die Tiere vor ihrem Haus und führen Buch über den Nachwuchs. "Insgesamt hat es in der Zeit bei unsbisher 99 Junge gegeben. Fünfmal sogar Vierlinge. Nur in drei Jahren gab es keinen Nachwuchs”, wissen Rippichs.

In einem Jahr lagen sogar mal fünf Eier im Nest - doch eins ist von den Eltern rausgeworfen worden. "Die Eltern spüren, wenn das Futter nicht für alle reicht”, sagt Walter Rippich. Und dazu fällt ihm noch eine andere Storchengeschichte ein: "In den 70er Jahren lag mal ein Junges im damals noch verschmutzten Dorfgraben. Ich habe den kleinen Storch abgewaschen, bin mit dem Tier den Baum hochgeklettertund habe das Junge wieder zurück in den Horst gelegt. Doch ein Elterntier schnappte nach seiner Ankunft das Junge im Schnabel, flog mit ihm bis zum nahen LPG-Stall und ließ es dort auf den Beton fallen, das Junge war sofort tot.” Walter Rippich nennt seinen "größten Wunsch: Dass es endlich mal mit Fünflingen klappt".

Inzwischen sind auch die Horste in Fischwasser, Friedersdorf bei Brenitz und bei Oppelhain, Ponnsdorf, Frankena und in Betten komplett. "Die Störche kommen in diesem Jahr zögerlicher als sonst", sagt Adolf Weber. "Das hängt vermutlich mit den Weststürmen zusammen, die die Anreise der Störche auf dem Balkan abgebremst haben", vermutet der Nabu-Storchenbeauftrage für die Sängerstadtregion. "Manche Störche waren schon zeitig hier, mussten aber mitunter zwei Wochen auf ihren Partner warten", hat Adolf Weber festgestellt.