Von Heike Lehmann

Die Rückerts wohnen seit 1980 in der Friedenstraße. Inken Rückert sagt: „Hier möchten wir auch nicht mehr wegziehen.“ Die 82-Jährige schwärmt geradezu von ihrem Panoramablick, den sie Richtung Süden genießen kann. Der Blick kann weit übers Grüne hinweg schweifen. Mit dem neuen, modernen, lichtdurchfluteten Balkon habe man noch mal so viel Freude daran. „Das ist derart schön. Wir möchten hier nicht mehr wegziehen.“

Die zweite große Baumaßnahme haben Rückerts jetzt mitgemacht. „1997 schon die Wohnungssanierung und jetzt die Balkone“, sagt Inken Rückert. Im Nachhinein lässt sich verschmerzen, dass „der Krach ganz schön genervt hat“. Erst im Dezember 2012 eingezogen und sehr zufrieden ist Marco Seiler. Er sagt: „Ich habe vorher im Sachsenring gewohnt, der abgerissen wurde.“

Die Wohnungsgenossenschaft Finsterwalde hat ihren Mietern in der Friedenstraße 41 bis 45 und 47 bis 51 seit Mai 38 Balkone angebaut. „Im bewohnten Zustand. Das ist nicht einfach“, sagt Gabriele Brungart vom Vorstand. Ein Block habe 200 000 Euro gekostet – inklusive Anstrich, „für den noch Geld da war, weil es an andere Stelle Einsparungen gab“, wie sie betont. Voll des Lobes ist sie in diesem Zusammenhang über die „konstruktive und pragmatische“ Zusammenarbeit mit Planer Olaf Wildau aus Finsterwalde.

Ersetzt wurden die teils vorhandenen „leidigen Holzbalkone“. Sie waren winzig und inzwischen verschlissen. Mit den neuen etwa sechs Quadratmeter großen Balkonen – 1,80 mal 3,75 Meter – sind jetzt auch alle 36 Wohnungen ausgestattet.

Gabriele Brungart spricht auch über das Finanzierungsmodell. „Ein Balkon kostet mehr als 10 000 Euro. Die Genossenschaft bezuschusst die Hälfte. Die andere Hälfte wird auf die Miete umgelegt. Das bedeutet pro Mieter 20 bis 40 Euro Umlage.“ Optional bei der Ausstattung der Balkone waren eine Markise und eine Verglasung. Beides sorgt natürlich für einen höheren Nutzwert der Balkone. Viele Mieter haben sich wohl deshalb dafür entschieden.

Auch Angela und Christoph Reginka (beide 62) haben die Verglasung dazu genommen. „Wir sitzen viel draußen“, sagt Angela Reginka. „Und der Aufschlag auf die Miete ist erträglich.“ Vor wenigen Tagen haben alle bei der offiziellen Übergabe mit einem Glas Sekt angestoßen. Nutzen durften sie ihre Balkone bereits in diesem Prachtsommer. Im August waren die Anbauten fertig. Vor allem regionale und lokale Firmen hatten Aufträge erhalten. „So ist das Geld auch in der Region geblieben“, sagt Gabriele Brungart.

Von ihren 2750 Wohnungen hat die Wohnungsgenossenschaft 1632 mit Balkonen ausgestattet. Hinzu kommen 73 mit ebenerdigem Zugang. Denn: „Wohnungen mit Balkon sind sehr gefragt“, weiß Wohnungsverwalterin Jessica Acklow. Die Friedenstraße gehöre in der Stadt mit zur begehrtesten Lage. Die Bürgerheide ist nicht weit, die Straße erneuert, das Stadtzentrum gut erreichbar.