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Mehr Besucher in der Sängerstadt, die nicht lange bleiben

Der Marktplatz in Finsterwalde mit Blick aufs Rathaus einst Parkplatz, heute wieder Markt- und Veranstaltungsfläche
Der Marktplatz in Finsterwalde mit Blick aufs Rathaus einst Parkplatz, heute wieder Markt- und Veranstaltungsfläche FOTO: Dieter Babbe
Finsterwalde. Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Besucher, die in die Sängerstadt kommen und hier in den Hotels und Pensionen übernachten, ist in den letzten drei Jahren angestiegen. Die schlechte Botschaft: Die Gäste bleiben nicht lange in Finsterwalde. Dieter Babbe

Es sind im Jahr 2012 in den Hotels und größeren Pensionen der Stadt 13 872 Übernachtungen gezählt worden, im vorigen Jahr waren es 15 313. Die Auslastung der Häuser erhöhte sich damit leicht von 28,3 auf 31,8 Prozent. Die Kehrseite: Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Besucher stagniert auf niedrigem Niveau. Betrug sie im Jahr 2012 noch 1,9 Tage, ging sie 2014 auf 1,7 Tage zurück und war damit so niedrig wie 2013 bereits.

Den Besucheranstieg im vorigen Jahr führt Anke Richter, die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Elbe-Elster, auf die Landesausstellung in Doberlug zurück, die manche Besucher auch zu einem, wenn auch kurzen Abstecher nach Finsterwalde genutzt haben, zum Teil vor allem, um hier zu übernachten. Statistisch erfasst werden lediglich die Hotels und Pensionen mit mehr als zehn Betten - in Finsterwalde stehen in der Größe fünf Häuser mit insgesamt 132 Betten zur Verfügung.

Auch im Kreis insgesamt ist die Zahl der Gästeankünfte um 2,5 Prozent und die der Übernachtungen um 1,8 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer hat im vorigen Jahr 4,2 Tage betragen, ohne die Kurstadt Bad Liebenwerda allerdings lediglich 2,5 Tage.

Finsterwalde habe beim Tourismus noch Reserven, macht Anke Richter deutlich. Auch die Internetpräsentation des Sängerstadt-Marketingvereins sei "noch nicht optimal”. Bei einem Besuch kürzlich im Schloss warben die Geschäftsführerin und Eberhard Stroisch, Vorsitzender des kreislichen Tourismusverbandes, für eine Mitgliedschaft der Stadt im Verband. Hier ist Finsterwalde bisher lediglich über den Sängerstadt-Marketingverein vertreten.

Doch damit gingen der Stadt weitere Möglichkeiten der touristischen Vermarktung verloren, machten beide im städtischen Gremium deutlich. So seien nur Mitgliedskommunen geborene Mitglieder im Verbandsvorstand, der am heutigen Donnerstag neu gewählt wird. Auch der kostengünstige Zugang zu Publikationen und Studien sei für Finsterwalde erschwert. Der Verband könne der Stadt als eigenständiges Mitglied bessere Hilfe bei der touristischen Vermarktung anbieten, erklärten beide führenden Verbandsvertreter.

Der Tourismusverband hat gegenwärtig 21 Mitglieder, davon acht Gemeinden und zwei Stadtvereine. Ziel ist es, alle Kommunen des Kreises als ordentliche Mitglieder zu gewinnen. Während die Kurstadt Bad Liebenwerda und die Kreisstadt Herzberg bereits Mitglied sind, fehle das Zentrum der Sängerstadtregion noch, bedauern Stroisch und Richter. So soll ein neuer Marketingausschuss gebildet werden, in den Finsterwalde unbedingt mit hineingehört, meint man.

Im Falle einer Mitgliedschaft käme auf Finsterwalde ein jährlicher Beitrag von 1000 Euro zu. Der Jahresetat des Tourismusverbandes bewegt sich um die 100 000 Euro, 45 000 Euro davon sind Mitgliedsbeiträge. "Mit dieser Summe kann der Verband keine großen Sprünge machen", schon deshalb sei man an weiteren Mitgliedern interessiert, machte Anke Richter deutlich.

Die Stadt hat bei der Entscheidung in der Sache offensichtlich keine Eile. Bei der Vorstellung des Verbandes gaben weder der Bürgermeister noch der Wirtschaftsförderer, der zugleich neuer Vorsitzender des Sängerstadt-Marketingvereins ist, einen Kommentar ab - auch auf Nachfrage nicht. Frank Zimmermann, der gegenwärtig den erkrankten Bürgermeister vertritt, erklärt lediglich, dass sich die Verwaltung dazu erst positionieren werde, wenn der Bürgermeister wieder genesen ist.