| 18:00 Uhr

Großes Interesse an Heimatgeschichte
Mehr als 20 Wölfe streifen um Sonnewalde

Mehr als 90 Besucher saßen und standen über zweieinhalb Stunden dicht gedrängt, auch um Sonnewaldes Ehrenbürger Konrad Ziegler und Graf Solms, beide nach Jahren erstmals wieder in der Öffentlichkeit, zu erleben.
Mehr als 90 Besucher saßen und standen über zweieinhalb Stunden dicht gedrängt, auch um Sonnewaldes Ehrenbürger Konrad Ziegler und Graf Solms, beide nach Jahren erstmals wieder in der Öffentlichkeit, zu erleben. FOTO: Dieter Babbe
Sonnewalde. Naturschutzexperte Möckel beruhigt die Besucher beim Heimatabend – Angst müsse keiner haben. Von Dieter Babbe

Bürgermeister Werner Busse (CDU) will in seiner noch verbleibenden Amtszeit alle Hebel in Bewegung setzen, damit das Sonnewalder Schloss baulich so stabilisiert wird, dass es weiter genutzt werden kann. Noch keine Lösung hat er für das marode Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz, wo die Namen vieler Kriegstoten schon nicht mehr zu lesen sind und das Fundament der Stele bereits locker ist. Er rief jetzt zu einer Spendensammlung auf.

In Sonnewalde schafft es nicht nur das Thema Abwasser, Säle zu füllen. Mehr als 90 Besucher saßen und standen am Donnerstag mehr als zweieinhalb Stunden lang dicht gedrängt im Sportlerheim, um vor allem zwei Persönlichkeiten der Stadt zu erleben: Konrad Ziegler, Ehrenbürger, Ortschronist und langjähriger Lehrer, und Graf Alfred Solms zu Sonnenwalde, Spross einer Herrscherfamilie, die mehr als vier Jahrhunderte maßgeblich bis 1945 die Geschicke der Stadt und Region Sonnewalde bestimmt hat. Bei dem Heimatabend, der anlässlich der Herausgabe von Heft 17 der „Sonnewalder Heimatblätter“ veranstaltet wurde und wo sich die Autoren vorgestellt haben, berichtete der 85 Jahre alte Graf auch davon, dass er nach der Wende zumindest eine Wohnung im Vorderschloss beziehen wollte, die sich allerdings in einem unzumutbaren Zustand befunden habe. Daraufhin hat sich sein Interesse auf Schloss Wurschen in Sachsen konzentriert, das er zurückgekauft und inzwischen aufwändig saniert hat und wo neben der Grafenfamilie auch Urlauber und Mieter wohnen.

Neben Graf Solms hatte auch Konrad Ziegler, der aus gesundheitlichen Gründen an den Rollstuhl gefesselt ist, nach vielen Jahren wieder einen ersten öffentlichen Auftritt. Der Sonnewalder Lehrer von mindestens 2500 Schülern in mehr als 40 Dienstjahren verantwortet seit dem Jahre 2001 die Herausgabe der „Sonnewalder Heimatblätter“, die seitdem jährlich und dazu mit fünf Sonderheften erschienen sind. In den letzten Jahren wird Ziegler dabei von seinem Enkelsohn Martin unterstützt, der in Berlin als Lehrer tätig ist. Zu den zahlreichen Autoren von Heft 17 gehört auch der Naturschutzexperte Dr. Reinhard Möckel, der dem Auerhuhn, das als ausgerottet galt, in der Region wieder eine Chance gibt. Er berichtete beim Heimatabend auch über die mehr als 20 Wölfe, die in drei Rudeln um Sonnewalde leben. „Von denen geht für die Menschen keine Gefahr aus. Und es werden nicht mehr Wölfe“, versicherte Möckel, was eine Landwirtin für ihr Vieh allerdings anzweifelte.

Bürgermeister Busse informierte über Baufortschritte im Vorderschloss, wo es noch immer „einen Sanierungsstau“ gebe. So habe die Restaurierung der geschädigten Säulen in der sogenannten Kutschenkammer dafür gesorgt, dass die Räumlichkeiten darüber nicht mehr baupolizeilich gesperrt sind und wieder genutzt werden können. Die Kutschenkammer selbst soll zu einem Treffpunkt für die Sonnewalder werden. Noch keine Lösung sieht Busse dafür, um den Verfall des Kriegerdenkmals aufzuhalten. Es sei eine „Frage der Zeit“, bis die Standsicherheit des Denkmals nicht mehr gewährleistet sei. „Einen Abriss wollen und dürfen wir nicht zulassen – für mich ist das Denkmal ein Mahnmal dafür: Nie wieder Krieg!“, sagte der Bürgermeister. Das Denkmal zu erhalten würde mindestens 13 000 Euro kosten – Geld, das die Stadt nicht habe. Bei einer Spendensammlung kamen beim Heimatabend 350,50 Euro zusammen – ein erster finanzieller Grundstock für weitere geplante Sammlungen, um bei Behörden Fördergeld zu beschaffen. Auch im Schlosspark würden in diesem Jahr erste Patenschaften für die alten und zum Teil seltenen Bäume vergeben, kündigte der Bürgermeister an.

Bürgermeister Werner Busse (CDU) würdigt die Verdienste von Konrad Ziegler (l.), neben ihm sitzt Graf Alfred Solms zu Sonnenwalde.
Bürgermeister Werner Busse (CDU) würdigt die Verdienste von Konrad Ziegler (l.), neben ihm sitzt Graf Alfred Solms zu Sonnenwalde. FOTO: Dieter Babbe