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Massener denken weiter ökologisch "hart am Wind"

Massen /Rehain. Gemeindevertreter beschäftigen sich mit Plänen für weitere sechs Windkraftanlagen im Bereich Rehain. Verwaister Seeadler-Horst macht es möglich. Gabi Böttcher

Das 30. Windrad im Amt Kleine Elster wird gegenwärtig bei Lieskau gebaut. Mit dessen Fertigstellung enden die Windrad-Bauarbeiten zunächst. Doch den Gemeindevertretern in Massen ist am Montagabend eine neue Perspektive vorgestellt worden, um die Investitionen in erneuerbare Energien um ein weiteres Segment zu ergänzen.

Dr. Elisabeth Jüschke, Projektentwicklerin beim langjährigen Partner von Gemeinde und Amt, der Firma UKA, stellte den Plan weiterer sechs Windanlagen im Gebiet Rehain II vor. Aufgestellt werden sollen Anlagen des Typs V 136 mit 136 Meter Rotordurchmesser. Diese wurden im Herbst 2015 auf der HUSUM WindEnergy vorgestellt und sind für Schwachwindstandorte vorgesehen. Eine V 136-Anlage wird derzeit bei Lieskau errichtet. Die erneuten Überlegungen für Rehain wurden möglich, weil ein Seeadler-Horst in besagtem Gebiet in den zurückliegenden Jahren ungenutzt blieb. Das Terrain, das für die Nutzung erneuerbarer Energien bereits 2012 ausgewählt worden war, hatte seinerzeit den unter Schutz stehenden Vögeln den Vortritt lassen müssen. Jetzt vermelden aktuelle, der UKA vorliegende Gutachten, dass sich die Seeadler offenbar aus dem Horst verabschiedet haben. Das ist die Chance für das Amt Kleine Elster, die als Rückgrat der Energiewende geltende Windenergie bei Rehain in eine erneute Startposition zu bringen.

Dr. Elisabeth Jüschke pries in Massen diese "effektive Variante der Stromerzeugung" und die Möglichkeit, sich in politisch instabilen Zeiten unabhängiger zu machen. Genutzt werden könnte ein Flurstück, das in Teilen der Gemeinde und der PILZ GmbH gehört. Vergütungen würden diesen Grundstückseigentümern zugute kommen. Und noch eine Neuerung könnte bei Rehain II greifen. Sind Erträge aus der Gewerbesteuer in der Vergangenheit - wenn überhaupt - erst nach acht bis zwölf Jahren vor Ort spürbar geworden, so ermöglicht ein im Jahr 2009 erlassenes Gesetz, dass feste Summen als Vorauszahlung möglich sind, die später verrechnet werden. Diese Zahlung ab dem Betriebsjahr 1 der Rehain II-Anlagen wäre als fester Betrag für den Gemeindehaushalt durchaus von Vorteil. Elisabeth Jüschke brachte zudem weitere Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung ins Gespräch.

Auf eine entsprechende Frage des Volksvertreters Martin Schiffner (CDU) bejahte die Spezialistin, dass zunächst die Gemeinde Massen über Rehain II zu entscheiden und dann an die Regionale Planungsgemeinschaft heranzutreten habe. Ein vorhandener Flächennutzungsplan müsse ebenfalls angepasst werden.

Gern hätte die RUNDSCHAU die Projektentwicklerin während ihres Vortrages im Foto gezeigt, doch Amtsdirektor Gottfried Richter verwies auf ein Schild auf dem Volksvertreter-Tisch: "Ton- und Bildaufzeichnungen sind nicht gestattet". Rauer Wind im Saal des Energie-Service-Centers. Wer die Projektentwicklerin kennenlernen möchte, sollte also bei einem eventuellen weiteren öffentlichen Termin selbst vorbeischauen.