Der SPD-Politiker war einer Einladung von Ute Wolf-Hensel, derzeit Vorsteherin der Kantoreigesellschaft Doberlug, zur Lesung mit anschließender Gesprächsrunde gefolgt. Stolpe sprach zum Thema "Brandenburg - das vergessene Land und seine sächsische Perle".

Dass das Schloss Doberlug als besagte sächsische Perle im kommenden Jahr Dreh- und Angelpunkt der ersten Brandenburgischen Landesausstellung sein wird und wie viel Ausstrahlungskraft dieser Schatz heute hat, freute Stolpe. "Man ist sehr beeindruckt", sagte er.

Es ist viereinhalb Jahre her, dass die Idee für eine Landesausstellung aufgegriffen wurde. "Als der Landesdenkmalbeirat im Dezember des Jahres 2008 im Schloss getagt hat, haben Sie als dessen Vorsitzender das erste Mal diese Idee ausgesprochen. Im Namen der Stadt möchte ich Ihnen dafür danken", so Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) zehn Monate vor Eröffnung der Landesausstellung, die "Ehre, Herausforderung und Chance für uns ist", wie das Stadtoberhaupt weiter erklärte.

Stolpe hat in Doberlug seinen Aufsatz über das "vergessene Land Brandenburg" vorgelesen. Darin beschreibt er Gegensätze und Gemeinsamkeiten von Berlin und Brandenburg - beide "Leidtragende nach der deutschen Teilung". Er spricht darin vom "großen Wunder der Einheit" und vom "kleinen Wunder der Wiedergeburt Brandenburgs". Und er gibt zu, stolz auf das alte Land Brandenburg und dessen Wiederaufbau zu sein.

Dass das sächsische Erbe in Brandenburg vor 200 Jahren den Brandenburgern als Kriegsbeute zufiel, sei für die Sachsen eine Schmach, die sie bis heute nicht ganz verwunden haben, sagte Stolpe.

Pfarrerin i. R. Bärbel Jokschat meint, dass die Region Südbrandenburg heute noch vergessen wird. Als Beispiele nannte sie die lückenhafte Verkehrsanbindung und das ebenso lückenhafte Ärztenetz. "Durch die Landesausstellung bekommen wir hoffentlich einen höheren Bekanntheitsgrad als lebenswerte Region", wünschte sie sich. Und Stolpe entgegnete: "Die Landesausstellung muss ein Fanfarenstoß für die Lausitz werden."

Leider sind im evangelischen Gemeindezentrum im alten Pfarrhaus etliche Stühle unbesetzt geblieben. Viele dort ausgesprochene Sätze hätten dem Selbstbewusstsein der hiesigen Einwohner, deren Vorfahren noch Sachsen waren, geschmeichelt. Zum Beispiel will Stolpe beobachtet haben: "Die Lausitzer sind immer ein bisschen cleverer und schneller, eben bis heute ein bisschen Sachsen."