| 02:38 Uhr

Luther-Musical mit Liebe zum Detail

Doberlug-Kirchhain. Im Reformationsjahr inszeniert das Evang- elische Gymnasium Doberlug-Kirchhain mit dem Musical "Luther und der Wille des Vaters" seine ganz eigene Interpretation der Luther-Geschichte. Zwischen vielen Luther- inszenierungen eine, die erfrischend anders und erfreulich professionell ist. pm/blu

In einem heftigen Sturm schwört der junge Luther, Mönch zu werden. Schnell erkennt Martin, dass es eine große Kluft gibt zwischen dem, was in der Bibel steht, und dem, was die Kirche lehrt. Etwas muss sich ändern. Gegen den Widerstand der Katholischen Kirche wühlt Martin Luther das Land auf. So weit, so bekannt. Im Kontext der historischen Ereignisse haben vor wenigen Tagen Schüler und Lehrer vom Evangelischen Gymnasium Doberlug-Kirchhain eine Geschichte erzählt, die den Menschen Martin Luther in den Mittelpunkt rückt. Ein junger Mann, der trotz Unverständnis seiner Familie an seiner Auffassung von der Liebe Gottes rein aus Gnade festhält, gerät in einen tiefgreifenden Konflikt mit seinem Vater.

"Hier stehe ich. Ich kann nicht anders!" Lucas Barth ruft das bekannte Luther-Zitat in den Kirchhainer Kirchenraum. Überzeugend ist der Siebtklässler in der Rolle des jungen Martin, der sich für ein Dasein als Mönch entscheidet. Der Weg, den Martin einschlägt, gefällt dem Vater gar nicht. Dabei hatte er einen Plan für den Sohn: das Jurastudium, Hochzeit und Familie. In den Vorstellungen des Vaters werden Martin und Martha, gespielt von Gabriela Dombrowe, bald ein wohlorganisiertes Leben führen. Daraus soll nichts werden. Der Konflikt scheint unlösbar.

Manch einem Vater im Publikum werden Szenen wie diese bekannt vorgekommen sein. Bei den Luthers eskaliert es: Im Streit wird der Sohn des Hauses verwiesen. "Der Konflikt zwischen Vater und Sohn ist es, den wir erzählen wollen. Das Loslösen von der Meinung der Eltern, mündig werden und eigene Pfade einschlagen: Das sind auch die Themen unserer Schüler und deren Eltern. Über die Luthergeschichte richten wir den Fokus darauf", sagte Drehbuchautor und Regisseur Steven Ulrich, der gleichzeitig die Rolle des Vaters übernahm. Nachdem Luther auf der Wartburg die Bibel übersetzt hatte, kommt es im Beisein von Friedrich dem Weisen zu einem Treffen zwischen Vater und Sohn. Der Vater bereut seine Engstirnigkeit. Man versöhnt sich. Eingebettet in Chor- und Sologesänge erzählen die Gymnasiasten in gelungenen Szenen die turbulente Entwicklung der Geschichte. Die Zuschauer erlebten eine farbenfrohe Inszenierung mit viel Liebe zum Detail, witzigen Kostümideen und sichtbarer Freude am Singen und Schauspielern.

Die mehr als 100 beteiligten Jugendlichen lieferten einen sinnvollen Beitrag zum Nachdenken und Schmunzeln für das Lutherjahr. Treffend besetzt waren die Rollen von Papst Leo, gespielt von Jonathan Herz, Kardinal Cajetan (Florian Neustadt), Luthers Freund Johann von Staupitz (Paul Staab), Luzius (Simon Staab), Tetzel (Henrik Weiser), Kaiser Karl (Amos Martens) und aller anderen Protagonisten. Schulleiter Immanuel Wendt leitete vom Pult aus die 80 Chorsängerinnen und -sänger sowie die Band. Etwa die Hälfte der Lieder für den Chor und die Solobeiträge von Martha (Gabriela Dombrowe) und der Luther Singstimme (Tobia-Nathanael Kutzner) sind bei dem Komponisten Sven Stak in Auftrag gegeben worden. Die anderen hat im Wesentlichen Lehrerin Denise Decker gemeinsam mit der Schülerin Gabriela Dombrowe komponiert. "Seit Beginn des Schuljahres wurde am Projekt gearbeitet. Wer nicht schauspielerte oder sang, hat den Werbebus gestaltet, Requisiten gebaut oder Kostüme genäht. Zahlreiche Helfer gab es unter den Eltern und der Lehrerschaft. Eine Projektwoche stand allein im Zeichen der Aufführung. Die Mühe hat sich gelohnt", resümierte Lehrer Steven Ulrich nach der Premiere in Doberlug-Kirchhain.

So sah es auch das Publikum, das mit stehenden Ovationen und großzügigen Spenden dankte. Für dieses Projekt kann man der Schule nur den größten Respekt zollen. Wer bei den Aufführungen in Kirchhain und Falkenberg nicht dabei sein konnte, kann sich das Musical in Kürze im Internet ansehen.