| 02:37 Uhr

Lugauer Einbaumtruhe zur Kosmetik abgeholt

Nach Jahrhunderten bekommt die Einbaumtruhe wieder Tageslicht.
Nach Jahrhunderten bekommt die Einbaumtruhe wieder Tageslicht. FOTO: Heike Lehmann
Lugau. Ein etwa 300-Kilo-Brocken Klostergeschichte ist gestern aus der Lugauer Kirche abtransportiert worden. Nach kurzem Werkstattaufenthalt wird die Einbaumtruhe ab Juli im Museum Schloss Doberlug gezeigt. Heike Lehmann

Der gestrige Vormittag war für vier kräftige Männer harte Arbeit. Die historische Einbaumtruhe aus der Dorfkirche in Lugau gehört zu den Exponaten der künftigen Dauerausstellung im Museum Schloss Doberlug. Anfang Juli soll sie eröffnet werden. Nach mehreren Jahrhunderten in der dunklen Lugauer Sakristei wurde die Truhe, hergestellt aus einem einzigen Eichenstamm, erstmals wieder ans Tageslicht geholt. Die Truhe ist 2,20 Meter lang, 60 Zentimeter breit und 50 Zentimeter hoch und hat geschmiedete Eisenbeschläge zur Zierde und für einen besseren Halt. Sie wiegt etwa 300 Kilogramm.

Mit Argusaugen haben gestern Roswitha Dittrich, die Vorsitzende vom Lugauer Gemeindekirchenrat, und Babette Weber, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Schloss Doberlug, den Transport beobachtet.

Bevor das gute Stück aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Leihgabe der Kirchengemeinde Lugau im Schloss seinen festen Platz bekommt, steht eine kosmetische Auffrischung in der Holzwerkstatt von Ulrich Haferland, Finsterwalder Tischlermeister und Restaurator im Handwerk, an. Das Möbelstück wird - so der Fachbegriff - konserviert. Das heißt, der Schmutz der Jahrhunderte wird von Holz und Eisen entfernt. "Wir werden keine restauratorischen Ergänzungen vornehmen. Der Bestand soll nicht verfälscht werden, so der Wille der Denkmalschutzbehörde", sagt Ulrich Haferland.

Einbaumtruhen gehörten in der Region zur mittelalterlichen Ausstattung einer Kirche. Sie dienten zur Aufbewahrung wertvoller Objekte wie Urkunden und liturgischem Gerät. Die Lugauer Truhe trägt noch kleinere Truhen in sich. Das älteste erhaltene Beispiel in Brandenburg entstand um 1200 und befindet sich auch in Elbe-Elster in der Kirche zu Schönborn. Jene aus dem Doberluger Kloster selbst ist heute im Niederlausitz-Museum Luckau zu sehen.