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| 17:26 Uhr

Ein Blick in die Zukunft
Lichterfeld erfährt großen Schub

LR vor Ort in Lichterfeld: zukunftsweisende Visionen für das Dorf am See wurden vorgestellt. Frank Sauer fasste die Sanierungspläne zusammen.
LR vor Ort in Lichterfeld: zukunftsweisende Visionen für das Dorf am See wurden vorgestellt. Frank Sauer fasste die Sanierungspläne zusammen. FOTO: Heike Lehmann
Lichterfeld-Schacksdorf. Schwimmendes autartec®-Haus am Bergheider See wird eine „super komplizierte Baustelle“. Von Heike Lehmann

Echte Visionäre haben am Donnerstagabend etwa 40 Einwohner von Lichterfeld-Schacksdorf und weitere Interessierte an ihren Ideen und deren zum Teil komplizierter Umsetzung teilhaben lassen. Die Finsterwalder Rundschau hatte zu „LR vor Ort“ eingeladen und dem Abend das Motto „Das Dorf am See – wie sich Aufbruchstimmung breit macht“ gegeben.

Der Treff fand im ehemaligen Lichterfelder Gasthof statt. Die neuen Grundstücksbesitzer, Dirk Haase und seine Lebensgefährtin, haben für die Diskussionsrunde den Saal geöffnet. Dort steht am 2. Juni schon der nächste Höhepunkt an, wenn der SV Blau-Weiß 19 Lichterfeld zum öffentlichen Tanzabend einlädt. Die Band „zuweit“ wird dann Livemusik aus den 70er- und 80er-Jahren spielen. Thomas Sawatzke vom Sportverein hofft, an frühere Zeiten anknüpfen zu können. „Hier war oft Tanz“, erinnerte er sich am Donnerstag. Vielleicht entwickelt sich in der stillgelegten Dorfgaststätte bald noch mehr Leben.

Ditmar Gurk: In zehn Jahren werden in beiden Ortsteilen viele junge Leute leben.
Ditmar Gurk: In zehn Jahren werden in beiden Ortsteilen viele junge Leute leben. FOTO: Heike Lehmann

Ausreichend Zukunftsmusik stimmten schon mal die Akteure, die RUNDSCHAU-Redakteurin Gabi Böttcher zum Podiumsgespräch eingeladen hatte, an. Optimismus verbreitete jeder auf seine Art: Frank Sauer von der LMBV, André Speri von der F60 Concept GmbH, Ditmar Gurk als Bürgermeister von Lichterfeld-Schacksdorf, Gottfried Richter, Amtsdirektor Kleine Elster und Dr. Ulrich Potthoff vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI Dresden.

Gottfried Richter: In zehn Jahren sehe ich eine funktionierende Gemeinde mit zusammengeschweißter Dorfgemeinschaft.
Gottfried Richter: In zehn Jahren sehe ich eine funktionierende Gemeinde mit zusammengeschweißter Dorfgemeinschaft. FOTO: Heike Lehmann

Mit dem schwimmenden autartec®-Haus kommt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut Zukunftstechnologie auf den Bergheider See. Amtsdirektor Gottfried Richter: „Ziel ist, dem Publikum alternative Wohn- und Lebensformen auf dem Wasser näher zu bringen.“ Eingestehen musste er, dass man dem selbstgesteckten Ziel bei der Umsetzung zwei Jahre hinterherhinkt. Aber: Zu Beginn des 3. Quartals könnte nun die Montage der Steganlage beginnen. „Das wird eine „super komplizierte Baustelle“. „Abwasserleitungen werden beispielsweise mit Tauchern montiert“, so Richter.

André Speri: In zehn Jahren haben wir einen 340 Hektar großen See mit  leistungsstarken touristischen Strukturen.
André Speri: In zehn Jahren haben wir einen 340 Hektar großen See mit  leistungsstarken touristischen Strukturen. FOTO: Heike Lehmann

Die Infrastruktur am Bergheider See werde viele Millionen Euro kosten – eine Riesenherausforderung für alle Beteiligten, wie an diesem Abend deutlich wurde. Die Idee vom energieautarken Haus – von der Energiegewinnung über die Energiespeicherung bis zur Wasserreinigung – umriss Dr. Ulrich Potthoff: „Das wird kein Einfamilienhaus mit Schlüsselübergabetermin. Es bleibt ein Forschungsprojekt.“

Dr. Ulrich Potthoff: In zehn Jahren reise ich mit E-Auto an, übernachte energieautark und fahre Elektro-Jetski.
Dr. Ulrich Potthoff: In zehn Jahren reise ich mit E-Auto an, übernachte energieautark und fahre Elektro-Jetski. FOTO: Heike Lehmann

Sowohl Richter als auch Speri wollten den Begriff Aufbruchs­stimmung für die jetzige Phase am Bergheider See nicht gelten lassen. Das Besucherbergwerk F 60 gehört schon zu den Top 3 der Ausflugsziele in Brandenburg. André Speri: „Wir erwarten von jetzt bis zum Jahresende um die 60 000 Gäste, die an sieben Tagen durchgehend von unseren Gästeführern betreut werden. Der Veranstaltungskalender ist gut gestartet, uns werden aber in diesem Jahr vier Wochen wegen der Fußball-WM fehlen.“ Aufbruchstimmung herrschte für ihn „Mitte und Ende der 90er-Jahre, als die F 60 gekauft und der Förderverein gegründet wurden.“ „Jetzt sind wir in der Phase vom Ausflugs- zum Urlaubsziel.“ Er erwartet jetzt einen starken Schub für die touristische Zukunft.

Bürgermeister Ditmar Gurk bremste, was die Werbung für den Bergheider See als Badesee angeht. „Gäste lädt man sich erst ein, wenn es schön ist. Jetzt sind wir, verglichen mit einem Hausbau, erst beim Rohbau.“ Denn, dass trotz aller Fortschritte noch viel Sanierungsarbeit ansteht, machte Frank Sauer deutlich. „Seit 2017 ist die komplette seetechnische Sicherheit hergestellt. Ab September wird die Südböschung saniert. Zur Sicherung an der Nordböschung ist noch eine große Erosionsrinne notwendig. Die Ostböschung ist ab 2025 dran.“ An die 1000 Filterbrunnen müssen nachverwaltet werden. „Selbst Brunnen in bis zu zwei Meter Wassertiefe sind noch zu verwahren.“ Die Flutungsleitung muss zurückgebaut werden. Die Restberäumung im Bereich der F 60 steht an. Auf die Frage aus dem Publikum nach de Verockerung antwortete Sauer: „Die Wasserqualität im Bergheider See wird so bleiben.“

Wo ist Lichterfeld-Schacksdorf in zehn Jahren?, wollte Gabi Böttcher abschließend wissen. Frank Sauer: „Da haben wir unsere Sanierungsverpflichtungen erfüllt und ich will als Tourist am Strand liegen.“

Das Dorf am Bergheider See FOTO: Heike Lehmann