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| 18:34 Uhr

Letztes Stündlein für einen Spielplatz

Kinder und Eltern waren am Dienstag entsetzt, als der Spielplatz am Rückersdorfer Strand zurückgebaut werden sollte.
Kinder und Eltern waren am Dienstag entsetzt, als der Spielplatz am Rückersdorfer Strand zurückgebaut werden sollte. FOTO: Lehmann
Rückersdorf. Aufregung hat am Dienstag am Rückersdorfer Strand geherrscht. Plötzlich war ein Baufahrzeug angerückt, das den Spielplatz abreißen sollte. Kinder und Eltern hoffen, dies über die Öffentlichkeit abwehren zu können. Dem Eigentümer aber bleibt keine Wahl. Heike Lehmann

Fünf Wippen, fünf Klettergerüste, eine Rutsche, zwei Wipptiere, eine steinerne Tischtennisplatte, ein Basketballkorb - der Spielplatz auf der Wiese im Naherholungsgebiet bietet viele Möglichkeiten zur Bewegung. Aber: Die Geräte sind allesamt in die Jahre gekommen. Die ältesten stammen aus den 1970er-Jahren. Und sie entsprechen nicht den geltenden Sicherheitsnormen.

Generationen überdauert

"Die sind alt, aber standhaft", sagt dagegen Antonio-Joel Kauer (10), der meint "Wir müssen etwas unternehmen!" und dazu andere Kinder und Eltern mobilisiert. Sylvia und Sven Neumann aus Großrössen beispielsweise. Sie machen jedes Jahr mit den Kindern Josefine (11) und Nick (8) in Rückersdorf Urlaub. "Wir selbst kommen schon seit 22 Jahren hierher. Wir haben uns hier lieben gelernt", verrät Sylvia Neumann. Sie behauptet: "Jeder hier hängt am Spielplatz. Schulklassen nutzen ihn. Gerade bei schlechtem Wetter ist er eine Alternative, wenn man nicht baden kann." Auch Jutta Pilz aus Schlieben protestiert mit ihrem Sohn Louis-Jörg (8). "Wir kommen seit 19 Jahren hierher. Mein großer Sohn ist inzwischen 24 und hat selbst schon ein Kind, das hier spielen will", sagt sie. Manja Hönicke aus dem sächsischen Radebeul hält den knapp einjährigen Leander auf dem Arm und meint: "Wir dachten, er wird hier auch noch spielen." Günter Falkenhahn hat die Ferienkinder Henryk (10), Lynn und Tim (beide 8) aus Berlin an seiner Seite. Auch er hat beobachtet: "Der Spielplatz wird rege genutzt."

Doch nicht erst in diesem Sommer geriet der Spielplatz ins "Visier" des Ordnungsamtes. Das bestätigt auch Dietmar Starick, Niederlassungsleiter der ProBeton GmbH Rückersdorf, die Eigentümer des Naherholungsgebietes ist. Ob jährlich drei Lkw-Ladungen frischer Sandstrand oder die Werterhaltung des Spielplatzes - im Rahmen seiner Möglichkeiten hat sich der Betrieb um das Naherholungsgebiet gekümmert. "Allerdings ist der Druck diesmal ungleich höher. Man lässt mir keine andere Wahl. Die Spielgeräte müssen weg, bis auf die Tischtennisplatte. Es geht um die Sicherheit der Kinder", sagte er am Mittwoch, nachdem er nochmals vor Ort war, auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Auch Pächter Peter Kauer weiß von Gesprächen zur Zukunft des Spielplatzes. "Aber die Kontrollen liefen immer ohne uns. Wir haben hinterher lediglich die Protokolle bekommen", so Starick.

Lothar Belger vom Ordnungsamt des Amtes Elsterland stellt klar: "Der Spielplatz befindet sich auf Privatgelände, ist aber öffentlich begehbar und unterliegt deswegen der jährlichen Sichtkontrolle gemäß Unfallverhütungsvorschrift und Europanorm, die wir vom unabhängigen Ingenieurbüro Klett ausführen lassen." Letzte Kontrolle war am 26. Mai. Das Protokoll ging am 10. Juli beim Amt ein und wurde ProBeton umgehend zugeleitet. Dort wartete man bis zum Montag, weil der Chef im Urlaub war.

Protokoll ist eindeutig

Belger zitiert verschiedene Stellen aus dem Protokoll und macht den Handlungsbedarf deutlich: Wipptier verschließen - Gerät sofort wirksam absperren. Fallschutz nicht gegeben. Rutsche mit Podest sofort wirksam sperren. Fundamente nicht nach DIN. Stabilität nicht mehr gegeben. Fäulnisbefall. Splittrige Stellen. Rückbau der Altgeräte wegen fehlender GS-Kennzeichnung.

Dietmar Starick bedauert, dass der Spielplatz vorerst weg muss. Aber er versichert: "Das Naherholungsgebiet soll unbedingt erhalten bleiben. Drei Ausrufezeichen. Wir suchen auch für den Spielplatz nach einer Lösung. Wir brauchen einen funktionierenden Spielplatz mit GS-Kennzeichen. Dann ist die Welt wieder in Ordnung."