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Letzte Zeugnisse der einstigen Pracht im Schloss Doberlug

Stuckateur Gerald Schöne zeigt ein Muster für die barocke Decke, mit dem Fehlstellen ergänzt werden.
Stuckateur Gerald Schöne zeigt ein Muster für die barocke Decke, mit dem Fehlstellen ergänzt werden. FOTO: Heike Lehmann
Doberlug-Kirchhain. Besucher der ersten Brandenburgischen Landesausstellung sollten im Schloss Doberlug unbedingt auch einen Blick nach oben richten. Stuckdecken als letzte Zeugnisse einstiger Pracht zieren mehrere Räume. Heike Lehmann

Eine anspruchsvolle Aufgabe für die Mitarbeiter der Firma Fuchs + Girke aus Sachsen, diese Decken wieder herzurichten.

In den Räumen des 1. Obergeschosses legen Stuckdecken noch Zeugnis davon ab, wie das Schloss innere einst herrschaftlich gestaltet war. Allerdings wurde während der unterschiedlichen Nutzungsphasen, unter anderem als Kaserne, mit der historischen Bausubstanz zum Teil sehr stiefmütterlich umgegangen. Nur noch fragmentarische Überreste historischer Raum- und Farbfassungen waren zu finden.

Ganze Arbeit haben deshalb die Stuckateure der Firma Fuchs + Girke mit Sitz in Ottendorf-Okrilla bei Dresden geleistet. Diese renommierte Firma führt auch die Putz-, Maler- und Lackierarbeiten im Schloss aus. Im Januar 2013 waren die Stuckateure mit die ersten, die auf der Großbaustelle ihre Arbeit begannen.

Vor wenigen Tagen haben sie ihren Teil der Sanierung abgeschlossen. Nur der Vorarbeiter Thomas Pistol und Stuckateur Gerald Schöne sind noch auf der Baustelle. Pistol betreut jetzt die Putzarbeiten und Schöne ergänzt den Stuck am großen Kamin in der Kaminhalle im Ostflügel.

Der Zustand der Doberluger Stuckdecken war recht unterschiedlich: im Nordflügel noch recht gut erhalten - im Süd- und Westflügel stark sicherungsbedürftig. Architekt Carl Altefrohne von der mit der Bauleitung beauftragten Dr. Krekeler Generalplaner GmbH vermutet: "Die starken Schädigungen im Südflügel können zum einen auf frühere Wassereinbrüche, beispielsweise durch ein defektes Dach oder einen Wasserrohrbruch, und zum anderen auf unsachgemäße Arbeiten an den Holzbalkendecken zwischen dem 1. und 2. Obergeschoss zurückgeführt werden."

Sämtliche Stuckdecken wurden in einer Schadenskartierung erfasst, um Ursache und Ausmaß der Schäden festzustellen. Danach wurden sie gesichert, gereinigt, freigelegt, gefestigt und hohlliegende Bereiche hinterfüllt. Fehlstellen im Gefüge konnten ergänzt werden. Das heißt, in Teilbereichen leider schon verloren gegangene Stucke wurden rekonstruiert, sofern es eine fundierte Grundlage dafür gab. "Das war für die Raumwirkung enorm wichtig", betont Altefrohne.

Eine der schönsten und aufwendigsten Decken ist im Westflügel erhalten. Sie stammt aus dem Barock und ist mit floralen Mustern durchzogen. "Sie ist sehr bedeutend und wurde daher in monatelanger Kleinarbeit händisch von einem Restaurator freigelegt", erklärt der Architekt. Andere Decken lassen sich ins 19. Jahrhundert einordnen und wieder andere stammen aus dem Barock, sind aber im 19. Jahrhundert überformt worden.

Insgesamt wurden im Schloss Doberlug Stuckdecken auf 520 Quadratmetern, verteilt auf zwölf Räume, aufwendig überarbeitet.