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| 01:29 Uhr

Leinölpemmen und eine Einladung

Mit 28 Bildern erzählten die Gruhnoer Geschichten aus dem Dorfleben. Foto: Mario Sanders/mas1
Mit 28 Bildern erzählten die Gruhnoer Geschichten aus dem Dorfleben. Foto: Mario Sanders/mas1 FOTO: Mario Sanders/mas1
Gruhno. Wenn die Gruhnoer 780 Jahre zurückblicken, dann entdecken sie den ersten Beleg für die Existenz ihres Ortes. Das ist ein Grund zum Feiern. Und die Gruhnoer taten dies am Wochenende gemeinsam mit vielen Gästen. Von Mario Sanders

Für das Jubiläum der Ersterwähnung stellten die Gruhnoer ein schönes Dorffestwochenende auf die Beine. Der Jugendclub mit seinem Vorsitzenden Chris Müller organisierte das Volleyballturnier und baute den Parcours für das Rasentreckerrennen. Eckkard Heinrich, Vorsitzender des Förderverein Gruhno, war stolz, dass viele Dorfbewohner bei den Vorbereitungen halfen. "Im vorigen Jahr wurde unsere Dorfchronik von Sybille Schrey und Bernhard Wagner fertiggestellt. Nun konnten wir alle ehemaligen Gruhnoer einladen", war zu erfahren.

Der pensionierte Lehrer Horst Firme war zum Fest gekommen, "weil die Kinder des Dorfes einst für einige Jahre die Schule in Schönborn besuchten. Ich habe einige ehemalige Schüler getroffen. Von Sybille Schrey und Bernhard Wagner wusste ich, dass die Gemeinde zu ihrem Jubiläum ein interessantes Programm zu bieten hat. Die vielen Besucher hier auf dem Festplatz belohnen die Mühen der Vorbereitung", lobte er. Horst Firme kam mit Sylvia Schrey ins Gespräch, die schon 22 Jahre in Lampertheim am Rhein wohnt. "Im alten Bett in der Wohnstube Dorfstraße 17 a, heute Hauptstraße 12, bin ich geboren. Mit 18 Jahren ging ich nach Görlitz. Doch ich versuche jedes Jahr zweimal, meine Schwester in Gruhno zu besuchen. Ich freue mich immer auf die vielen bekannten Gesichter. Hier menschelt es wunderbar und ich kehre als Rentnerin wieder hierher zurück", ließ sie wissen. Sylvia Schrey begrüßte "Tante" Helga Schröter, die am 20. Juli ihren 84. Geburtstag gefeiert hatte. "Bei ihr bekamen wir als Kinder immer Leinölpemmen. Die Tür stand offen - und die einzige Frage lautete: Mit Zucker oder Salz?", erinnerte sie sich.

Brigitte Nissen, geborene Risse, vom alten Gasthof Jähnchen hatte für den Umzug die alte Gaststube zur Besichtigung geöffnet. Sie hatte am Tag der Währungsunion, dem 1. Juli 1990, von ihrer Mutter die Gaststätte übernommen und bis 2007 geführt. Das Haus war 1841 als Pferdewechselstation an der Strecke Berlin - Dresden errichtet worden.

Hans Jürgen Krüger war zum Fest aus Ludwigshafen angereist. Seine Frau Marion fungierte von 1979 bis 1982 als Bürgermeisterin des Ortes. "Ich wurde 1950 in Gruhno geboren. Ich habe meine ehemaligen Lehrer Horst Firme und Arno Blien getroffen. Letzterer wohnte in Schönborn, wird nächstes Jahr 80 Jahre alt und kam damals immer mit seinem Motorrad, einer 125er-IFA, über die Wiesen nach Gruhno zum Unterrichten. Im Winter spannte er schon mal zur allgemeinen Freude unsere Schlitten an sein Krad. Er unterrichtete Russisch und Erdkunde, wir lernten viel bei ihm", schwelgte er in Erinnerungen. Nach dem Hallo mit einigen junggebliebenen Damen erinnerte man sich an Fritz Kulke, einen ehemaligen Schulleiter und Lehrer. "Der legte Wert auf Disziplin", hieß es.

Eckhard Heinrich sprach am Ende des Festes die Hoffnung aus, dass die Begeisterung weiter anhält und so auch Mittel für die renovierungsbedürftige Schröter-Orgel aufgebracht werden. "Dafür findet am 17. September in unserer Kirche ein Benefizkonzert statt", lud er ein.