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| 13:45 Uhr

Lausitzer Industriekultur
Visionen: Fernrohr-Biotürme und Seenland-Express

 Derzeit besichtigen jährlich nur zwischen 7000 und 8000 Menschen die Brikettfabrik Louise in Domsdorf von innen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb des Industriedenkmals müssten es aber 20 000 bis 30 000 Gäste sein.
Derzeit besichtigen jährlich nur zwischen 7000 und 8000 Menschen die Brikettfabrik Louise in Domsdorf von innen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb des Industriedenkmals müssten es aber 20 000 bis 30 000 Gäste sein. FOTO: LR / Jens Berger
Lauchhammer/Uebigau-Wahrenbrück/Lichterfeld/Plessa. Manche Industrierelikte aus der Lausitzer Braunkohlenzeit fristen derzeit ein trauriges Dasein. Das soll jetzt anders werden. Von Torsten Richter-Zippack

Rund 3000 Gäste haben im vergangenen Jahr die Biotürme in Lauchhammer besucht. Vor zehn Jahren waren es noch doppelt so viele, weiß Wilken Straatmann von der Biotürme Lauchhammer gGmbH. „Deshalb setzen wir unsere Hoffnungen in das Inkula-Projekt“, erklärt der Experte. Mittels alternativer Methoden sollen neue Besucher angelockt werden. Konkret handelt es sich um Fernrohre und Schautafeln. „Damit ermöglichen wir individuelle Expeditionen über das Gelände“, erklärt Karsten Feucht vom Inkula-Projekt. Inkula steht seit dem Jahr 2016 für „Infrastrukturimpulse für Industriekulturstandorte im Lausitzer Seenland“. Konkret handelt es sich um Maßnahmen zur Verbesserung des Umfeldes an insgesamt sechs Ensembles im OSL- und im Elbe-Elster-Kreis.

Mit wenigen Mitteln viel erreichen

„Rundblick – Ausblick – Rückblick“ heißt indes das Motto für die Biotürme. „Wir wollen den Standort weiterentwickeln, ohne ein Besucherzentrum zu bauen“, erklärt Karsten Feucht. Oder anders gesagt: mit wenigen Mitteln viel erreichen. Tatsächlich, so bestätigt Wilken Straatmann, könne sein Biotürme-Team die anstehenden Aufgaben kaum noch bewältigen. „Unser Personal ist überaltert.“ Daher sei er sehr froh über Vorschläge, die nur wenig kosten und kaum Arbeitskräfte binden.

 Die Biotürme in Lauchhammer-West bilden ein Projekt der Internationalen Bauausstellung FÜrst-Pückler-Land. In den Türmen wurden ab 1975 phenolhaltige Abwässer biologisch behandelt. Die IBA bewahrte das Ensemble vor dem Abriss und ließ 2009 zwei Glaskuppeln installieren. Foto: T. Richter-Zippack
Die Biotürme in Lauchhammer-West bilden ein Projekt der Internationalen Bauausstellung FÜrst-Pückler-Land. In den Türmen wurden ab 1975 phenolhaltige Abwässer biologisch behandelt. Die IBA bewahrte das Ensemble vor dem Abriss und ließ 2009 zwei Glaskuppeln installieren. Foto: T. Richter-Zippack FOTO: Torsten Richter-Zippack

Was Fernrohre und Schautafeln, wie von Inkula vorgeschlagen, kosten würden, kann Karsten Feucht derzeit noch nicht genau sagen. Aber er weiß, wo es die entsprechenden Gelder zu holen gebe: „Für diese Vorhaben existieren bei diversen Stiftungen die entsprechenden Töpfe. Darüber hinaus empfehle ich, beim Bundesforschungsministerium nachzufragen.“ Gleichzeitig stellt der Fachmann klar, dass Tourismus allein nicht die Lösung für alle Probleme der Lausitz sein könne. „Wohl aber ein Katalysator für eine wirtschaftliche Entwicklung.“

Louise hat derzeit 7000-8000 Besucher

Beispielweise an der Brikettfabrik Louise in Domsdorf. Die zuständige Kommune, die Stadt Uebigau-Wahrenbrück, arbeitet seit vergangenem Jahr mit dem Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP) zusammen. Dieser hat rund um das Industriedenkmal größere Waldflächen aufgekauft. Deren Holz soll perspektivisch auf einem Energiehof an der Louise in Wärmeenergie umgewandelt werden. Das wäre ein enorm wichtiges wirtschaftliches Standbein, kommentiert Karsten Feucht. Denn derzeit wollen jährlich nur zwischen 7000 und 8000 Menschen die Brikettfabrik von innen sehen. „Wir bräuchten aber 20 000 bis 30 000 Gäste für einen wirtschaftlichen Betrieb.“ Die Louise könnte künftig über die gewerbliche Nutzung des Energiehofes quer finanziert werden.

Besuchersorgen sind dem Besucherbergwerk F 60 am Bergheider See indes völlig fremd. Mit 70 000 Gästen pro Jahr gilt sie als mit Abstand erfolgreichstes Industrierelikt der Lausitz. Allerdings gebe es Verbesserungsbedarf bei der Erreichbarkeit. So schlägt Karsten Feucht die Reaktivierung der einstigen Bahn zwischen Finsterwalde, Großräschen und Senftenberg vor, um die F 60 von Berlin fast direkt erreichen zu können. „Meine Vision ist ein Seenland-Express Brandenburg. Die Leute sollen bereits am Bahnhof Berlin-Alexanderplatz ein Ticket zur F 60 kaufen können.“ Ob das tatsächlich umgesetzt werden kann, sei durchaus einer Prüfung würdig.

Audioguide fürs Erlebsniskraftwerk Plessa

Des Weiteren schlagen die Inkula-Experten für die Gartenstadt Marga in Senftenberg-Brieske ein selbsterklärendes Wegesystem vor. Für das Erlebniskraftwerk Plessa ist ein Audio-Guide im Gespräch. Mithilfe des Smartphones soll das Kraftwerk auch ohne Vorort-Personal begehbar werden. Und die Großräschener IBA-Terrassen können künftig als offene Arbeitsplätze Denker und Unternehmer anlocken.