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| 13:54 Uhr

Bauarbeiten am Denkmal
Komplett-Kur für die Gruhnoer Kirche

 Der eingerüstete Gruhnoer Kirchturm.
Der eingerüstete Gruhnoer Kirchturm. FOTO: Heike Lehmann
Gruhno. Lange genug mussten sich die Gruhnoer in Geduld üben. Jetzt wird ihre marode Kirche gründlich auf Vordermann gebracht, damit bald wieder die Glocken läuten können. Doch noch reicht das Geld nicht, um auch die Turmzier zu reparieren. Von Heike Lehmann

Wer sich dem kleinen Dorf Gruhno nähert, sieht schon von Weitem den eingerüsteten Kirchturm. Endlich bekommt das Gotteshaus die dringend nötige Komplett-Kur. Die Arbeiten sind in vollem Gange. Ein neues Dach, neues Gebälk und frischer Putz sind vorgesehen.

Gruhno gehörte zu den Klosterdörfern der Zisterzienser von Dobrilugk. Die Kirche – der Architektur nach eine typische Brandenburger Feldsteinkirche – ist laut Ortschronik in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden. Für die Ausführung wurde jedoch überwiegend Raseneisenstein verwendet. Der Glockenturm aus Backstein ist erst 1885/86 errichtet worden. Das interessanteste Ausstattungsstück der Kirche ist der Taufstein. Er besteht aus einem großen Kelchblockkapitell, das um 1220 gefertigt wurde. Mit ziemlicher Sicherheit stammt es aus dem Kloster Dobrilugk.

 Pfarrer Manfred Grosser an der Turmzier, die oberhalb ein großes Loch hat.
Pfarrer Manfred Grosser an der Turmzier, die oberhalb ein großes Loch hat. FOTO: Heike Lehmann

2011 verstummte die einzig verbliebene Gruhnoer Glocke. Absturzgefährdet! Gutachter rieten aus Sicherheitsgründen vom weiteren Läuten ab. Die beiden anderen Glocken mussten die Gruhnoer 1917 für Kriegszwecke hergeben. Aber mit einer spektakulären Aktion, in die Wege geleitet vom Kirchenältesten Eckhard Heinrich, wurde schon 2013 eine neue Glocke gegossen – unter freiem Himmel im Ort und mit großer Anteilnahme der Gruhnoer und weiterer Neugieriger. Ein zweites neues Instrument erlebte seine Taufe in der Glockengießerei selbst.

 Vom Schwamm befallene Stellen im Dachstuhl des Kirchenschiffes werden mit neuen Balken ersetzt.
Vom Schwamm befallene Stellen im Dachstuhl des Kirchenschiffes werden mit neuen Balken ersetzt. FOTO: Heike Lehmann

„Nicht ohne Grund stand die Gruhnoer Kirche an dritter Stelle im Ranking der baufälligen Kirchen im Kirchenkreis Niederlausitz“, sagt Pfarrer Manfred Grosser. Ein Sanierungskonzept aus dem Jahr 2014 könne nun endlich umgesetzt werden. In wenigen Tagen wird ein neuer Glockenstuhl eingebaut.  Dann werden auch die Glocken aufgehängt. Für Pfingsten ist ein Open-air-Gottesdienst mit Glockenweihe vorgesehen.

 Nicht mehr viel übrig vom alten Holz. Vom Schwamm zerfressene Balken wurden bereits abgetragen.
Nicht mehr viel übrig vom alten Holz. Vom Schwamm zerfressene Balken wurden bereits abgetragen. FOTO: Heike Lehmann

Knapp 300 000 Euro werden im ersten Abschnitt verbaut

Für die nur 31 Gemeindeglieder zählende Klosterkirchgemeinde Gruhno ist die Sanierung ihrer Kirche ein Segen. Es werden im jetzigen Bauabschnitt immerhin 291 000 Euro verbaut. Stolze 70 000 Euro fließen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in die kleine Dorfkirche. Karlheinz Voll, der seine Kindheit in Gruhno verbracht hat und heute in Paderborn lebt, hat dies entscheidend mit beeinflusst. 45 000 Euro kommen von der Landeskirche und 42 000 Euro steuert der Kirchenkreis Niederlausitz bei. Mit Konzerten und anderen Aktivitäten wurden vor Ort Spendengelder eingeworben.

In einem zweiten Abschnitt wird man sich noch in diesem Jahr dem Chorraum widmen. Dafür sind noch einmal 125 000 Euro vorgesehen.

Giftige Altlasten haben die Arbeiten 2018 ausgebremst

Keine Baumaßnahme ist vor Überraschungen gefeit. Die Baustelle Kirche Gruhno hat es gleich mehrfach erwischt. Nicht nur, dass das Kirchendach schwer von Schwamm befallen war. Es war auch noch mit Hylotox belastet. Diese Holzschutzmittel waren in der DDR noch bis 1990 in Gebrauch und stellen bis heute ein großes Problem bei der Sanierung und Restaurierung sowohl von Gebäuden als auch von Kunst- und Kulturgegenständen dar.

In Gruhno hat dies die Arbeiten im vergangenen Jahr enorm aufgehalten. Pfarrer Manfred Grosser: „Männer in weißen Anzügen haben belastete Materialien geborgen. Der Schwarz-Weiß-Container zur gründlichen Dekontamination der Arbeiter und deren Kleidung steht heute noch auf dem Kirchengelände. Wir wollten mit der Sanierung längst fertig sein.“ Gut, dass das Wetter jetzt mitspielt. Das bringe die Baustelle voran.

Wind hat den Turmknauf locker gerüttelt

Doch schon tut sich ein neues Problem auf. Die Turmzier ist offenbar durch starken Wind in Mitleidenschaft gezogen worden und muss erneuert werden. Das war erst mit dem Aufstieg erkennbar. Für die beantragten Lottomittel vom Land Brandenburg hat Pfarrer Manfred Grosser in dieser Woche eine Absage bekommen. „Das heißt, wir sind jetzt noch mehr auf Spendengelder angewiesen, um auch diese Reparatur durchführen zu können“, sagt Grosser.

 Ein Blick in den Altarraum mit Taufstein der Gruhnoer Kirche.
Ein Blick in den Altarraum mit Taufstein der Gruhnoer Kirche. FOTO: Heike Lehmann