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| 01:27 Uhr

Landschaftsvielfalt steht auf dem Spiel

„Wir Fischer sind nicht nur Erzeuger, wir sind auch Landschaftspfleger.“ Das betonen Martin Keil von Teichwirtschaft Hammermühle Lindena und Ulrich Richter von der Teichwirtschaft Thalberg. Aber gerade hierbei könnten sie künftig zu Abstrichen gezwungen sein, wenn es nicht gelingt, für gestrichene EU-Fördermittel einen Ausgleich zu finden. Das verdeutlichten sie am Mittwoch bei einem Gespräch mit Vertretern des kreislichen Umweltamtes. Von Heike Lehmann

Für Pflege und Erhaltung von Teichlandschaften zahlte die EU jährlich über das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) eine Aufwandsentschädigung an die 34 Teichwirte im Land Brandenburg. Diese Mittel sind gestrichen. „Und wir haben adhoc keine Lösung dieses Loch zu schließen“ , erklärt Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Brandenburg/Berlin e. V. Stattdessen wird auf den Europäischen Fischereifonds (EFF) verwiesen, „mit dem von vornherein weniger Geld zur Verfügung steht“ . In Sachsen, Thüringen, Niedersachsen und Bayern beispielsweise seien Regelungen aus Landesmitteln gefunden worden. „In Brandenburg wird die Taktik des Aussitzens zum deutlichen Wettbewerbsnachteil für unsere Fischereibetriebe“ , meint Dettmann. Den Teichwirt als Landschaftsgärtner müsse aber jemand bezahlen.

Gefahr von Schilfwüsten
Könnte für die Teichwirte die ausbleibende Ausgleichszahlung zur Existenzfrage werden, steht für die Naturschützer die Landschaftsvielfalt auf dem Spiel. Deshalb wollen Teichwirte und Naturschutzbehörde – obwohl nicht immer ohne Interessenskonflikte – in diesem Falle an einem Strang ziehen. Das wurde bei der Gesprächsrunde am Mittwoch deutlich. Die nachhaltig gestalteten Teichlandschaften sind längst Rückzugsgebiete für viele Arten geworden. „Wenn KULAP dauerhaft gestrichen bleibt, müssen wir mit einer Verarmung der Landschaft rechnen“ , so Udo Winde vom kreislichen Umweltamt. Martin Keil aus Lindena malte als Ergebnis eine „Schilfwüste“ mit schwindendem Artenreichtum aus. Das zuständige Ministerium in Potsdam empfiehlt den Teichwirten, die Produktion zu intensivieren, sprich die Ertragssituation deutlich zu erhöhen. Doch da schüttelt Udo Winde den Kopf: „Das hieße eine Verdopplung der Produktion. Das geben unsere Gewässer gar nicht her. Hier sind natürliche Grenzen gesetzt.“ Für die Naturschützer heißt das: Die jetzigen Produktionsbedingungen sind zu wahren.
Gerade die Sommermonate seien kostenintensiv, betont Ulrich Richter. Martin Keil macht für seinen Betrieb eine Rechnung auf. „Von den rund 140 Hektar Fläche wären etwa 88 Hektar von Unwirtschaftlichkeit betroffen. Übrig blieben 60 Hektar, wo wir intensivieren müssten. Teure Futtermittel, hohe Pumpkosten, gestiegene Strom- und Dieselkosten hätten die Folge, dass ich zwei Arbeitskräfte entlassen müsste. Und der Sinn der Teichwirtschaft, Kulturland zu erhalten, wäre nicht mehr gegeben. Aber gerade die Kleine Mühle bei Fischwasser oder der Lugteich bei Brenitz sind von Artenreichtum gekennzeichnet.“ Den auch Udo Winde als touristischen Faktor nicht unterschätzen will. „Viele Räume werden vom Menschen als Orte der Ruhe und Entspannung angenommen. Aber da werden wir aus hygienischen Gründen Grenzen ziehen müssen, um die Kosten zu minimieren.“ Mit den Fischereibetrieben sei als nächstes abzustimmen, welche Wege gesperrt werden sollten.
Den Publikumsverkehr zu reduzieren, wünscht sich auch Teichwirt Ulrich Richter, zu dessen Betrieb rund 70 Hektar Wasserfläche gehören. „Vandalismus und Diebstahl sind an der Tagesordnung.“ Zudem könnte der Mensch unbewusst zu einer großen Gefahr für die Teichlandschaften werden. Die Fischer verfolgen mit Sorge die Ausbreitung des Koi-Herpes-Virus (KHV). „Noch ist Brandenburg verschont, aber in Sachsen grassiert die Krankheit, die Karpfen krank macht und Totalverluste zur Folge haben kann“ , erklärt Lars Dettmann. „Wir müssen alles tun, um diesen Virus fern zu halten.“ Plankton-, Wasserflöhe- und Fröschefänger können den Virus ungewollt übertragen, ganz abgesehen davon, dass sie ohnehin Verbotenes tun. „Angler sind Touristen“ , weiß Keil. „Die angeln erst in Sachsen und danach bei uns und schon kann der Virus eingeschleppt sein.“ Öffentliche Aufklärung, warum der Publikumsverkehr zu reduzieren ist, tut not.

Der Landrat muss helfen
Bleiben die natürlichen Feinde der Fische als Kostenfaktor. „Wir räumen den Teichwirtschaften beispielsweise so genannte Vergrämungs abschüsse laut Kormoranverordnung ein“ , erklärt Frank George, Leiter des Amtes für Bauordnung, Umwelt und Denkmalschutz im Landkreis. Martin Keil lässt dennoch nicht locker: „Der Landrat muss uns mit einem scharfen Schreiben helfen“ , fordert er. „Dieses Schreiben liegt Ende August bei Minister Woidke auf dem Tisch“ , verspricht George.