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| 11:50 Uhr

Landratswahl in Elbe-Elster: CDU-Kandidat war mit Kaffee unterwegs

Landratskandidat Christian Jaschinski mit Hund Joscho auf seinem Grundstück. Foto: Seidel
Landratskandidat Christian Jaschinski mit Hund Joscho auf seinem Grundstück. Foto: Seidel FOTO: Seidel
Christian Jaschinski hatte im Dezember bereits richtig Gas gegeben in Sachen Wahlkampf. An so manchem Ort war er im Landkreis präsent, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. So sah man ihn schon frühmorgens zwischen vier und acht Uhr auf den Bahnhöfen in Doberlug-Kirchhain, Finsterwalde, Falkenberg, Herzberg, Bad Liebenwerda und Elsterwerda Kaffee anbietend. Von Frank Hilbert

„Ich habe versucht, dadurch an Menschen zu kommen, mit denen ich sonst nicht im Gespräch bin. Es war erstaunlich, wie wenig Morgenmuffel unterwegs sind“, erinnert er sich. Mancher hätte sich später per Handy bei ihm fürs Käffchen nebst Gespräch bedankt. Andere hätten ihn zunächst für einen Bahnmitarbeiter gehalten – wegen der Warnweste. Sein Wahlkampf sei „sehr intensiv“ gewesen. „Ich bin gespannt, ob ich nach dem Wahlsonntag Entzugserscheinungen habe“, sagt er schmunzelnd.

War er schon als ehrenamtlicher Bürgermeister von Rückersdorf mit den Ortsteilen Friedersdorf und Oppelhain in den zurückliegenden acht Jahren oft unterwegs, so sahen ihn seine Frau Yvette und die Kinder Lukas (14) und Lisa (16) im letzten Monat des Jahres noch etwas weniger. Doch Heiligabend ging es traditionell zur Christmesse nach Finsterwalde. Christian Jaschinski ist zudem ein echtes Christkind – am 24. Dezember beging er seinen 42. Geburtstag. „Meine beiden jüngeren Schwestern blickten früher meistens etwas neidisch drein, wenn ich am Heiligabend schon morgens Geschenke bekam“, meint er, danach befragt, wie das denn sei mit Geburtstagsgeschenken am Heiligabend.

Er komme aus einem christlichen Elternhaus. „Meine Großeltern waren Vertriebene aus Schlesien und Ostpreußen. Deren Erzählungen haben mich geprägt als Familienmensch. Man weiß dadurch seinen eigenen Lebensstandard zu schätzen“, sagt er ernst. Die knapp bemessene Freizeit gehöre daher seiner Familie. So findet man den Rückersdorfer am Wochenende schon mal am Rand eines Fußballplatzes, um seinen Sohn anzufeuern. „Meine Tochter hatte früher auch Fußball gespielt, reitet jetzt aber lieber. Beide haben Moto-Cross für sich entdeckt“, sagt Christian Jaschinski, der gern zugibt, dass er Reparaturen an der 125er Suzuki lieber seinem Vater oder der Fachwerkstatt überlässt. Wenn Zeit für ein Buch bleibe, greife er gern zu Biografien oder Geschichtsabhandlungen. „Mein eigentliches Hobby ist aber mein Ehrenamt als Bürgermeister von Rückersdorf“, so Jaschinski, der von „Außenstehenden“ hinsichtlich einer Landrats-Kandidatur angesprochen worden sei. Es sei nicht zuerst die CDU gewesen, deren Mitglied er seit 15 Jahren ist. Die Familie hatte ihm gegenüber ihre Bedenken klargemacht, denn als Landrat hätte er noch weniger Zeit für sie. „Mein Vater hatte die Kandidatur erst für einen Scherz gehalten. Ich denke aber, es ist an der Zeit, noch einmal etwas Neues auszuprobieren. Es ist eine Herausforderung, sich diesem Amt zu stellen und die Verantwortung zu übernehmen“, sagt er entschlossen.

Klare Worte findet Jaschinski auch über jene Dinge, die ihm besonders wichtig sind: Da müsse die Kommunikation zwischen Landkreis und Kommunen verbessert werden. Die Verwaltung müsse mehr zum Dienstleister für die Menschen werden. Die Mitarbeiter in der Kreisverwaltung bräuchten mehr Spielraum für ihren Verantwortungsbereich. „Vieles geht mir auf dem Verwaltungsweg einfach zu langsam. Diese ganze leidige Diskussion über Infrastrukturmaßnahmen wie beispielsweise über den Hafen in Mühlberg, das muss zur Chefsache gemacht werden. Auch möchte ich, dass das Altkreisdenken der Geschichte angehört, denn die Probleme können wir nur gemeinsam lösen“, betont Christian Jaschinski, dem Heimat ganz wichtig sei. Diese Schönheit unserer Heimat müsse man den Menschen noch bewusster machen. Sehr am Herzen liege ihm auch die hohe Arbeitslosigkeit in der Region: „Wir müssen da über neue Wege nachdenken. Keinen Job zu haben, macht die Leute krank. Das bedrückt mich.“

Und natürlich sei in den vielen Gesprächen mit den Wählern auch so mancher Wunsch im Falle seiner Wahl geäußert worden. „Das waren vor allem Fußgängerüberwege und Radwege. Und einer wollte gleich mein persönlicher Fahrer werden“, schmunzelt er wieder.