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Landeschef Jürgen Lüth fordert Trauma-Ambulanz

Jürgen Lüth, Vorsitzender des Weißen Rings in Brandenburg, mit Christoph H. aus Senftenberg, der sich für die Hilfe bedankt.
Jürgen Lüth, Vorsitzender des Weißen Rings in Brandenburg, mit Christoph H. aus Senftenberg, der sich für die Hilfe bedankt. FOTO: Iho
Finsterwalde. Der Weiße Ring hilft Menschen, die Opfer von Gewalt oder Kriminalität geworden sind. Zum Tag des Kriminalitätsopfers hatte der Landesverband Brandenburg des gemeinnützigen Vereins nach Finsterwalde eingeladen. Linda Haazipolo

Als Moderator Ralf Jußen Carla Ziegner-Zschiedrich, Außenstellenleiterin des Weißen Rings für den Kreis Elbe Elster, nach ihrem schwierigsten Fall fragt, muss sie nicht lange überlegen. "Der Kindsvater hat die Mutter beim Frühstück erstochen. Das zweijährige Kind war bei der Tat dabei", erzählt die ehrenamtliche Mitarbeiterin. Die Tat sei zwar in Berlin passiert, aber das Kind lebe nun bei seiner Großmutter im Elbe-Elster-Kreis. Die Tat ist mehrere Jahre her, aber bis heute hält Carla Ziegner-Zschiedrich Kontakt.

"Jetzt möchte der Kindsvater sogar das Sorgerecht erstreiten", erzählt sie sichtbar betroffen. Um dies zu verhindern, unterstützt der Weiße Ring Oma und Kind finanziell und durch Gespräche.

Dies ist nur einer von vielen Fällen, den die Außenstellenleiterin in elf Jahren betreut hat. Er zeigt, wie wichtig ihre Arbeit und die ihrer 145 ehrenamtlichen Kollegen in Brandenburg ist.

Von dem Fall erzählte die Außenstellenleiterin bei einer Podiumsdiskussion des Vereins am Donnerstag. Die Ehrenamtlichen, andere Unterstützer des Vereins und weitere Gäste waren zur Landesveranstaltung Brandenburg des Weißen Rings geladen. "Mehr als ein Beweismittel - Das Opfer im Ermittlungs- und Strafverfahren" war das Thema. Auch Abgeordnete des Landtags, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU) und Ronald Pienkny, Staatssekretär des Justizministeriums kamen, um die Arbeit des Weißen Rings zu würdigen.

Im vorigen Jahr hatte der Verein in Brandenburg mehr als 400 Kriminalitätsopfer finanziell unterstützt. Beraten und begleitet wurden noch mehr. Auch für die Rechte von Opfern hat sich der Verein seit seiner Entstehung im Jahr 1976 immer wieder starkgemacht.

Jürgen Lüth, Landesvorsitzender des Weißen Rings und ehemaliger Polizeipräsident, führte durch die Veranstaltung und nutzte die Gelegenheit, um weitere Verbesserungen im Opferschutz zu fordern: "Wir sind das einzige Bundesland, das über keine Trauma-Ambulanz verfügt. Das kann man den Opfern nicht zumuten", sagt er. Dies führe dazu, dass Opfer von Kriminalität und Gewalttaten häufig lange Wartezeiten über sich ergehen lassen müssen, bis sie ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten bekommen können. Außerdem forderte der Vorsitzende Zeugenschutzzimmer in den Gerichten, damit es Opfern erspart bleibe, ihren Peinigern gegenüber zusitzen.

Stellvertretend für viele Opfer war auch Christoph H. aus Senftenberg zu der Veranstaltung eingeladen. Nachdem er bei einer Schlägerei vor einer Diskothek in Finsterwalde lebensgefährlich verletzt wurde, hat der Weiße Ring auch ihn und seine Familie unterstützt.

Roland Weps, Außenstellenleiter des Weißen Rings für den Bereich Oberspreewald-Lausitz, kontaktierte die Familie, nachdem er von der Kriminalpolizei davon erfahren habe, dass diese Hilfe benötige. Er organisierte finanzielle Hilfen und nahm auch am Prozess am Amtsgericht Bad Liebenwerda teil, um Christoph H. zu unterstützen.

"In der Anfangszeit haben wir es geschafft, sehr schnell einen vierstelligen Betrag zur Verfügung zu stellen", erzählt Roland Weps. Dieser wurde unter anderem dafür verwendet, um der Mutter des Opfers Fahrten nach Berlin ins Unfallkrankenhaus zu ermöglichen.