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Laienprediger erobern Kirchenkanzeln

Lektorenkurs Superintendent Thomas Köhler (l.) im Kirchenkreis Niederlausitz.
Lektorenkurs Superintendent Thomas Köhler (l.) im Kirchenkreis Niederlausitz. FOTO: Franziska Dorn
Doberlug-Kirchhain. Mit einem Ausbildungsangebot zum Lektor will der Kirchenkreis Niederlausitz dem strukturellen Wandel in der Region begegnen und das kirchliche Leben in den kleinen Kirchengemeinden stärken. Für fünf Gemeindemitglieder aus der Region hat in diesen Tagen ein Kurs begonnen. pm/leh

Karl Trepsdorf, Steffen Engelmann, Anja Raspe, Eckhard Heinrich und Silke Löwe - alle sind ehrenamtliche Mitarbeiter in den Klosterkirchengemeinden - wollen künftig als Lektoren Gottesdienste halten. Gemeinsam mit zehn anderen Teilnehmern aus dem Kirchenkreis drücken sie bis zum November dieses Jahres zweimal im Monat in Lübben die Schulbank.

Wie viele andere Kursteilnehmer gestaltet Silke Löwe aus Eichholz bereits jetzt Gottesdienste mit, zum Beispiel mit Lesungen oder bei der Fürbitte. Sie will mit der Ausbildung zum Lektor einen Schritt weitergehen und die Kontinuität in ihrem Heimatort und den umliegenden Dörfern erhalten. "Wir haben eine Zeit kennengelernt, in der wir ohne Pfarrer auskommen mussten. Das ist glücklicherweise nicht mehr der Fall, aber diese Zeit war prägend für unser Gemeindeleben. Schön, dass es dieses Angebot nun gibt und wir künftig selbstständig Gottesdienste feiern können", sagte die 48-Jährige dieser Tage in Lübben, wo Superintendent Thomas Köhler den professionellen Umgang mit Bibeltexten lehrte. In weiteren Modulen sollen Themen wie Gottesdienstaufbau, das Abendmahl oder die Liturgie folgen. Welches das richtige Lied zur richtigen Zeit im Kirchenjahr ist und wie man die Gemeinde im Gesang anleitet, werden die Kursteilnehmer bei Kreiskantor Andreas Jaeger lernen. Am Ende des Lehrplanes steht ein Probegottesdienst.

Dass die Anzahl der Pfarrer aufgrund des demografischen Wandels in der Region immer geringer wird, sei bekannt, betont Superintendent Thomas Köhler. "Gut ist es, dass unser Angebot angenommen wird und damit der Gottesdienst, das zentrale Element im Gemeindeleben, auch in personell schwierigen Zeiten, gesichert ist. Viel wichtiger ist für mich allerdings, dass die Gemeindemitglieder offenkundig ihre Mündigkeit erkennen und aktiv werden. Das wird das Gemeindeleben in kleinen Orten unseres Kirchenkreises stärken", sagt er.

Wenn die Teilnehmer ihren Kurs erfolgreich beendet haben, dürfen sie als Lektor selbstständig Gottesdienst halten und das Abendmahl austeilen. In einer Predigt eine Bibelstelle auszulegen, bleibt allerdings den Theologen vorbehalten. Lektoren greifen auf vorgefertigte Texte, auf sogenannte Lesepredigten, zurück.

Im Kirchenkreis Niederlausitz gibt es 100 Kirchengemeinden, die gegenwärtig von 21 Pfarrern und dem Superintendenten betreut werden. Mit ausgebildeten Lektoren ist es leichter, ein flächendeckendes Gottesdienstangebot zu gewährleisten.