Mit seinem über 1000-jährigen Bestehen gilt Trebbus als einer der ältesten urkundlich genannten Orte im Altkreis Finsterwalde. In dem 300-Seelen-Dorf der Gemeinde Doberlug-Kirchhain erwartet Reisende an der Ortsdurchfahrt das Gästehaus "Mevlevihane", zu Deutsch Haus der Mevlevi.

Von außen erscheint die frühere Poststation unscheinbar, nur ein arabischer Schriftzug über einer der alten Eingangstüren lässt erahnen, dass sich hinter der bröckelnden Fassade keine gewöhnlich ländliche Herberge verbirgt.

Seit 22 Jahren verwirklichen Scheich Abdullah Halis Dornbach und seine Frau Nuriye hier auf einem Vierseitenhof ihre Vision einer muslimischen Lebensgemeinschaft. Mit viel Eigenleistung und der Unterstützung der Glaubensgemeinschaft schufen sie aus einer halb verfallenen Ruine eine idyllische Oase mit Wohngebäude, Gästehaus und einer kleinen Moschee.

Mit Stall und viel Land

"Zum Anwesen gehören ein Stall mit Schafen, Hühnern und Enten sowie acht Hektar Acker- und Weideland", beschreibt Hausherr Dornbach mit ausgreifender Armbewegung sein Eigen.

Obwohl das Gästehaus zur Weggemeinschaft der Kubrevi-Mevlevi Tariqa gehört, stehen dessen Türen allen Erholungssuchenden offen.

"Wir haben Gäste aus Berlin, vorwiegend aus dem islamischen Ausland, aber auch aus den USA. Im Sommer sind wir häufig ausgebucht, im Herbst kommen viele Familien an den Wochenenden", zählt Ines Hanisch auf. Sie betreut die Rezeption und leitet den kleinen Hofladen, in dem es allerlei Orientalisches zu entdecken gibt: Duft- und Massageöle, Schmuck, Bücher, Gewänder und vieles mehr.

Die sieben Zimmer des Gästehauses sind dagegen schlicht gehalten. Jedes verfügt über einen Waschtisch. Bettwäsche und Handtücher liegen bereit. Gerahmte Kaligrafien zieren die Wände. Einen Fernseher sucht man vergebens, doch es gäbe W-Lan, versichert der Scheich und fügt an: "Wir haben Gäste, die können nachts nicht schlafen, weil es ihnen zu ruhig ist."

Alkohol und Tabak verboten

Alkohol und Tabak sind in der Mevlevihane strikt verboten. Ab 22 Uhr herrscht Nachtruhe. "Wir wollen niemanden bekehren, aber wer Interesse daran hat, kann gern an unserem Alltag teilnehmen", lädt Dornbach ein.

Der Kultur des Morgenlands folgend zählen hierzu auch gemeinsame Mahlzeiten, bei deren Zubereitung in der Mevlevihane auf regionale Produkte wie frische Eier, selbst gemachte Marmelade und Honig vom Nachbarn zurückgegriffen wird. "Meine Spezialität sind Aleppoische Fleischklößchen mit Sauerkirschsoße und Pistazienreis", verrät der gebürtige Berliner, der in seiner Jugend zum Islam konvertierte. Dicke Teppiche, Sitzkissen und Laternen laden zu Gesprächen in gemütlicher Atmosphäre ein.

"Im Sommer sitzen wir gerne am Teich", erzählt der Scheich. Aber auch in der kühleren Jahreszeit bietet der verwinkelte Innenhof mit Taubenturm, kleinem Wasserfall und Kräutergarten sonnige Ecken, die zum Verweilen und Ausspannen einladen.

Kinder können sich auf dem hauseigenen Spielplatz austoben, mit den Katzen schmusen oder im Stall helfen. Die ländliche Umgebung samt Wald, Seen und Reiterhöfen sowie Ausflugsziele in der näheren Umgebung machten einen mehrtägigen Aufenthalt lohnenswert, so Dornbach.

"Kloster auf Zeit"

Doch nicht nur Familien und Radtouristen kehren in die Mevlevihane ein. Auch Menschen, die eine Auszeit suchen, finden hier im "Kloster auf Zeit" Ruhe. Packen sie auf dem Hof mit an, können sie für kleines Geld eines der Zimmer im Gästehaus bewohnen. "Wir fragen nicht nach der Konfession", versichert der barfüßige Scheich und schmunzelt. In allen Gebäuden der Mevlevihane gibt es eine Schwelle, an der Besucher gebeten werden, aus ihren Schuhen zu schlüpfen. "Das ist einerseits eine persönliche Marotte", erklärt der Hausherr. Zum anderen sei es in der islamischen Kultur üblich, in Wohnräumen wie in der Moschee die Schuhe auszuziehen.

Zum Thema:
Eine Übernachtung im Gästehaus der Trebbuser Mevlevihane kostet im Einzelzimmer 31 Euro, im Doppelzimmer muss man 22 Euro pro Person bezahlen, mit Frühstück sind es dann 27,50 Euro. Kleingruppen finden im Mehrbettzimmer für 15 Euro pro Person Unterkunft. Orientalische Küche, eine Teilnahme an Gebeten und Meditation sowie "Kloster auf Zeit" sind auf Anfrage möglich. Weitere Informationen unter Telefon 035322 33370 und im Internet www.mevlevi.de .