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| 01:27 Uhr

KZ-Ausstellung jetzt in ehemaliger Kirche

Seit über zehn Jahren informiert eine Ausstellung über die Geschichte des „Verlorenen Transports“, der am 23. April 1945 auf dem Wege vom KZ Bergen-Belsen ins KZ Theresienstadt in Tröbitz zum Stehen kam. Für mehr als 2000 jüdische Häftlinge öffneten sich damals die Waggontore in die Freiheit. Von Dieter Babbe

Doch für Viele kam dieser Tag zu spät. Innerhalb von nur acht Wochen starben 320 Menschen an Unterernährung und Typhus, auch 26 Tröbitzer steckten sich an und fanden den Tod. An die vielen Schicksale erinnert diese Ausstellung, die von einem ABM-Team zusammengestellt und Ende 1998 in der Tröbitzer Schule eröffnet wurde. Nachdem die Schule in private Trägerschaft an das Diakonische Werk übergeben wurde, suchte die Gemeinde nach einer neuen Bleibe für die zahlreichen Bilder, Unterlagen, Dokumente und Exponate – darunter auch ein Stacheldraht von der Verladerampe im KZ Bergen-Belsen. Die Ausstellung konnte Ende des vorigen Jahres umziehen – in das frühere Gebäude der Neuapostolischen Kirche, das bereits jahrelang leer stand und mehrfach zum Verkauf angeboten wurde. 30000 Euro wollte die Kirchengemeinde dafür zuerst haben – als sie es zuletzt nur noch für „'nen Appel und 'n Ei“ anbot, wie Bürgermeister Dieter Schäfer sagt, stimmte die Gemeinde einem Kauf zu.

Doch erst als sie Eigentümerin der ehemalige Kirche war, begann die eigentliche Diskussion um die Zukunft des Hauses. Als man beim Land Fördermittel für die Sanierung des im Jahre 1978 mit einfachen Baustoffen errichteten Gebäudes beantragte, kam vonseiten des Jüdischen Zentralrates und der Stiftung Jüdischer Gedenkstätten der Vorschlag, das Haus abzureißen und an der Stelle eine neue zentrale Gedenkstätte zu errichten. Fast 270000 Euro sollte der Neubau kosten – mitfinanziert allerdings durch den Bund. Doch der lehnte eine Förderung ab, die Bedeutung von Tröbitz als Gedenkort für den Holocaust an Juden werde „bezweifelt“. Auch in der Gemeinde war man sich einig: „Wir hätten unseren Bürgern eine solche teure Investition schlecht vermitteln können, angesichts der vielen kommunalen Probleme, die wir noch haben – wenn ich vor allem an unsere schlechten Straßen denke, die dringend in Ordnung gebracht werden müssten“, so Bürgermeister Dieter Schäfer. Dennoch wolle man in der Gemeinde auf eine würdige Erinnerungsstätte nicht verzichten. „Der Todeszug, der in den Kriegswirren zufällig in Tröbitz hielt, und die leidvollen Schicksale der vielen Menschen gehören zu unserer Geschichte dazu“, sagt Schäfer.

So soll die frühere Kirche für „nur“ 60000 Euro saniert werden – doch alleine kann der verschuldete Gemeindehaushalt das nicht stemmen. „Obwohl in meiner zehnjährigen Amtszeit der Schuldenberg von 827000 Euro auf 208000 Euro abgebaut werden konnte, sind wir auf Förderung angewiesen“, erklärt der Bürgermeister. In einem von ihm und vom Amtsdirektor dieser Tage unterzeichneten Brief wird Kulturministerin Wanka um eine Finanzspritze gebeten.