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| 15:40 Uhr

Neue Ausstellung
Schöne und missbrauchte märkische Landschaft in Doberlug

Doberlug-Kirchhain . Prolog zum Fontanejahr durch „Landschaft mit Unterholz“ von Ulrich Baehr in Doberlug-Kirchhain Von Jürgen Weser

Nach Ribbeck, Lübben und Lychen ist Ulrich Baehrs Ausstellung „Landschaft mit Unterholz“ im Museum Schloss Doberlug angekommen. Dort ist die Vision einer besonderen märkischen Landschaft bis Ende März zu sehen, bevor sie in Berlin gezeigt wird. Der 83jährige Künstler war zur Eröffnung der Schau anwesend. Durch den Bezug auf Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ bei der musikalisch literarischen Vernissage geriet Baehrs spezielle märkische Landschaft zum Prolog für das Fontanejahr 2019.

Es war Ulrich Baehrs Wunsch, die Bilder in Brandenburg zu zeigen. Die ausgestellten Bilder, Alleen und Waldwege, Seen und Wasser, sind ab 2004 entstanden, seitdem Baehr selbst in Brandenburg zwischen Gransee und Rheinsberg lebt. Vor allem aber geht es in seiner aktuellen Ausstellung um märkische „Landschaften mit Unterholz“, die er mit politischer Ikonografie aktuell ab 2014 gemalt hat und die hinter der scheinbaren Landschaftsidylle vor allem militärische Hinterlassenschaften und auf den zweiten Blick bedrohliche Visionen im Unterholz des Waldes entdecken lässt. So vermittelt er vergangene und aktuelle Geschichte auf dem Ölbild „Waldbeben“, auf dem er im schwer durchdringlichen Unterholz Soldaten robben lässt. Auf anderen seiner Arbeiten wie „Unterholz mit Wolf“ zeigt Baehr überwucherte Ikonografien der ehemaligen militärischen Macht im realen Sozialismus. Baehr sieht den Wald nicht nur als Oase, heile und friedliche Welt. Hinter der vordergründig romantischen Ebene platziert der Maler seine zweite kritisch überhöhte Realität, die auf einem Bild einerseits Symbole der ehemaligen DDR entdeckt und gleichzeitig den „Wolf“ als Metapher gegen künftiges Unheil mahnen lässt. Schloss Doberlug als Ausstellungsort und als ehemaliger Ort militärischer Macht zuletzt als NVA Kaserne zeigt mit den Bildern sozusagen ein Stück eigener Geschichte Die im expressiven Malprozess entstandenen und verschiedenste Eindrücke verdichtenden Bilder zeigen Ulrich Baehrs eigene Vorstellung von der märkischen Landschaft mit einem auf die jüngste Zeitgeschichte bezogenen historisch-kritischen Kontext. Aber es gibt auch Bilder wie den „Vorfrühling“ und „Allee im Winter“, wo der expressive Naturmaler die Oberhand behält und seine Meisterschaft in der Perspektivhaftigkeit und durch Stimmungsmalerei mit farblicher Nuancierung bis zur Monochromie belegt.

Ulrich Baehr bewegt sich jedoch insgesamt mit der Ausstellung „Landschaft im Unterholz“ in seinem künstlerischen Verständnis von kritisch begleiteter Geschichte und Politik und einer politisch belegten Landschaftsmalerei. Ulrich Baehrs Schaffen steht in der Tradition der „Kritischen Realisten“ und der 1968er Generation. Er war Gründungsmitglied der legendären Galerie „Großgörschen 35“ in West-Berlin 1964. In die Kunstgeschichte eingegangen sind zum Beispiel seine „Deutschen Torsi“. Stipendienaufenthalten in New York und Los Angeles folgte eine Gastprofessur an der Hochschule der Künste Berlin und eine Professur für Malerei und Kunst im öffentlichen Raum in Hannover. 2006 erhielt Baehr den Deutschen Kritikerpreis.

Zur Ausstellungseröffnung im Schloss Doberlug zeigte sich Ulrich Baehr vital und voller weiterem Schaffensdrang. Zu interessanten Gesprächen mit dem Künstler fordert das Begleitprogramm zur Finissage am 31. März heraus. Bereits am 9. Dezember gibt es eine Führung mit Kuratorin Beatrice E. Stammer. Der Katalog „Landschaft mit Unterholz“ mit einem Text von Eckhart Gillen ergänzt die Ausstellung. Foto1: Ulrich Baehr mit „Vorfrühling“, 2014, Öl auf Leinwand Weser Foto5/6: Ulrich Baehr (und Ehefrau) vor „Unterholz mit Wolf“, 2018, Öl/ Leinwand Weser Foto9: Soldaten im Unterholz auf „Waldweben“, 2016, Öl auf Leinwand Weser