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| 12:20 Uhr

Besonderer Musikgenuss
Eine „Expedition“ ins Reich des Handglockenspiels

 Blick zu Spielern des Gothaer Handglockenchores und auf ihr Instrumentarium während ihres Konzertes.
Blick zu Spielern des Gothaer Handglockenchores und auf ihr Instrumentarium während ihres Konzertes. FOTO: Jürgen Weser
Doberlug. Gothaer Handglockenchor begeistert vor seinem USA-Gastspiel noch die Zuhörer in der Klosterkirche Doberlug. Von Jürgen Weser

Neugierde kann ein guter Ratgeber sein. Viele der mehr als 200 Konzertbesucher hatten am Sonnabend den Weg in die ehemalige Zisterzienserkirche in Doberlug-Kirchhain gefunden, weil sie noch nie einen Handglockenchor im Konzert erlebt haben. Die fünfzehn Spieler aus Gotha mit ihrem Leiter Matthias Eichhorn machten für sie die „Expedition ins Reich des Handglockenspiel“ zu einem besonderen musikalischen Erlebnis.

„Glockenläuten wie aus dem Himmel“ hatte Karl Trepsdorf von der Klosterkirchengemeinde mit den Worten von Albert Schweitzer zur Begrüßung versprochen. Tatsächlich staunten die Zuhörer über die reine, helle und wie aus fernen Sphären herabschwebenden Klänge. Melodiös und oft sehr zart zauberte der Gothaer Handglockenchor, der als erster seiner Art in der DDR 1987 gegründet wurde, originale amerikanische Kompositionen für Handglocken, Bearbeitungen eines Mozart-Präludiums und dann wieder ein extra für die NASA komponiertes Stück in das Doberluger Kirchenschiff.

„Ja, mit Kuhglockengebimmel hat Handglockenspiel nichts zu tun“, schmunzelte Matthias Eichhorn und erklärte das Instrumentarium der Glocken zwischen 140 Gramm bis sechs Kilo und wie die Glocken mit der Öffnung nach oben mit ihren fixierten Klöppeln in der Länge des Notenwertes zum Schwingen und damit zum Klingen gebracht werden. Nach dem Konzert nutzten Besucher die Möglichkeit, das bronzene Glockeninstrumentarium und die Chimes (Tonstäbe) in Augenschein zu nehmen.

Zuvor erlebten die Konzertbesucher eine wohl noch nie so rein und hell gehörte „Feste Burg“ von Martin Luther, leise „Nachtgeräusche“ und ein wundervoll klingendes „Allegro Glorioso“, auch wundervoll eingespielt auf einem ihrer Alben. Gern hätten die Konzertbesucher noch mehr gehört, aber „wir kommen gern wieder, zumal wir hier ganz toll betreut wurden“, versprach Matthias Eichhorn.

Außerdem saßen die Musiker schon fast auf gepackten Koffern nach Ohio. Sie freuen sich auf 12 Konzerte in 14 Tagen während der Reise. In den USA boomen Handglockenchöre, nachdem die Musik in England entstanden war. Außerdem ist die Konzertreise nach Ohio fast wie ein Nachhausekommen für den Gothaer Chor. Durch einen persönlichen Kontakt seit 1983 mit einer Kirchengemeinde in Ohio kam es schließlich 1987 zur Chorgründung in Gotha mit 49 gespendeten Glocken. Inzwischen sind es 66 Glocken mit fast sechs Oktaven Tonumfang und vier Oktaven durch die Tonstäbe.

„Erzählen sie weiter, was ein Handglockenchor ist“, warb Chorleiter Eichhorn. In Gotha ist er mit insgesamt 80 Spielern in mehreren Gruppen und Projekten in Schulen eine feste kulturelle Größe. In ganz Deutschland gibt es insgesamt nur knapp 40 Handglockenchöre.

In der Doberluger Klosterkirche gibt es am 24. August mit einem Gregorianik-Workshop und anschließendem Konzert das nächste besondere musikalische Erlebnis.

 Blick zu Spielern des Gothaer Handglockenchores und auf ihr Instrumentarium während ihres Konzertes.
Blick zu Spielern des Gothaer Handglockenchores und auf ihr Instrumentarium während ihres Konzertes. FOTO: Jürgen Weser