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Friedensdekade 2017
Davon geht die Welt nicht unter

Das Theater „Maskotte“ mit ihrem Stück „Liebt mich“ über Zarah Leander zur Friedensdekade 2017.
Das Theater „Maskotte“ mit ihrem Stück „Liebt mich“ über Zarah Leander zur Friedensdekade 2017. FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde . Theater Maskotte entzaubert Mythos Zarah Leander bei Friedensdekade. Von Jürgen Weser

Am Montagabend brachte das Theater „Maskotte“ aus Mecklenburg nicht nur diesen Song der deutschen Gesangsikone Zarah Leander zu Gehör. Mit ihrem Stück „Liebt mich“ wurde das Leben der Diva, die Legendenbildung um ihre Person gezeigt und der Mythos entzaubert. Sicher fordert das Stück auch zum „Streit“, dem Motto der diesjährigen Friedensdekade heraus.

Dabei wendete sich das Stück im Rahmen der Finsterwalder Friedensdekade in der Arche mit seiner Inszenierungsabsicht an zwei unterschiedliche Publikumsgruppen. Am Nachmittag lernten mehr als 100 Schüler der Klassenstufe 11 vom Sängerstadt-Gymnasium wohl erstmals die ihnen fremden Lieder der Leander kennen, während die 80 Besucher am Abend sehr wohl mit der Person, der schwedischen Sängerin, die im Dritten Reich in Deutschland ihre große Karriere machte, und ihren Liedern etwas anzufangen wussten.

Ursula und Alfred, dargestellt von Theaterchefin Ute Kotte und Claas Hoffmann, schwelgen über die Diva und führen ins Leander-Museum ihrer Träume mit Brillensammlung der kurzsichtig Rothaarigen, mit Original schwedischem Klo und natürlich mit der legendären Gagentasche. „Geben Sie mir einen Text und ich singe ihn“, machte Leander dem schwedischen Kommunistenführer Hoffnung, bevor Goebbels und Hitler mehr Glück hatten und sie „mit großer Stimme für die große Sache … zum deutschen Star aufbauen“. Sie wollte um jeden Preis geliebt werden. Mit dem deutschen Ehepaar auf dem Sofa, mit Hitler und Goebbels als Handpuppen aus dem Klo kommend, mit „profilierten“ Zeitzeugen und mit gefühlvollem Gesang entlarvt das Theater Maskotte stückweise die Legende von der unpolitischen Zarah Leander, die von nichts gewusst habe. „Goebbels ist ein interessanter Mann, was er sonst macht, geht mich nichts an.“ Während manch einer der Gymnasiasten in der Pause noch fragte, „was mir das sagen will“, wurde die Verstrickung der Diva in das NS-System nach der Pause deutlich, auch wenn der Schmachtfetzen „Kann denn Liebe Sünde sein?“ noch lange wirkte. Manchmal schon, wenn die Liebe nicht fragt wofür!

Am kommenden Sonnabend ist Ute Kotte mit ihrem Theater „Maskotte“, das die studierte Schauspielerin 1998 gründete, im Cottbuser „Piccolo-Theater“ zu Gast.

Am Mittwoch führt der Berliner Kultautor Ahne „Zwiegespräche mit Gott“, am Donnerstag heißt es „Streiten – aber richtig“, (jeweils 19 Uhr in der Arche), am Freitag gibt es „PeacyParty“ mit Bands und DJs im Kellercafe und am Samstag den großen Ökumenischen Familientag von 15 bis 18 Uhr im Gemeindezentrum.