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Kammermusik der Extraklasse
„Es ist großartig, so etwas vor der eigenen Haustür erleben zu dürfen“

Begeisternde Musik boten Asaf Levy, Yamel Saadi, Nassib Ahmadieh, Muriel Razavi und Jussef Eisa (von links).
Begeisternde Musik boten Asaf Levy, Yamel Saadi, Nassib Ahmadieh, Muriel Razavi und Jussef Eisa (von links). FOTO: Jürgen Weser
Finsterwalde. Benefizkonzert für den Steinway feiert mit dem Barenboim-Orchester vor 360 Zuschauern einen grandiosen Erfolg. Von Jürgen Weser

Großartig war am Freitagabend in der Aula des Finsterwalder Sängerstadt-Gymnasiums das meist verwendete Wort zur Beschreibung des Erlebten. 360 Zuhörer lauschten den fünf Musikern des West-Eastern-Divan Orchestras. Sie ließen sich von Kammermusik der Extraklasse verwöhnen und feierten das Quintett mit Standing Ovations. Der Erlös des Konzertes kommt auf das Spendenkonto für den Steinway-Flügel, den der Förderverein „Kulturfreunde“ der künftigen Stadthalle erwerben möchte.

Vereinsvorsitzender Rainer Willems dankte vorab den Musikern und dem Publikum für die Unterstützung für den Erwerb eines „Steinway“ wie auch Stadtkämmerin Anja Zajic. „Im März erhoffen wir die Erteilung der Baugenehmigung für die Stadthalle. Zwei Förderanträge sind bewilligt, einer steht noch aus“, blickte sie optimistisch nach vorn.

Klarinettenquintette von Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Maria von Weber brachten die Musiker zu Gehör. Das Quintett in A-Dur KV 581 schrieb Mozart 1789 als erstes Kammermusikstück der Musikgeschichte für die Besetzung Klarinette und Streicherquartett als Freundesgabe für das „Ribischgesicht“ (Johannesbeere), den Klarinettisten Alois Stadler. Als Freundschaftsbeweis für Nassib Ahnmadieh, der in Finsterwalde die Idee für das Benefizkonzert hatte, sagten Klarinettist Jussef Eisa und die Streicher Muriel Razavi, Asaf Levy und Yamel Saadi, alle wie Nassib Mitglieder des Barenboim-Orchesters, sofort zu trotz großer Probleme bei der Terminsuche. Auch wenn sie gewohnt sind, im Orchester unter dem Stardirigenten Daniel Barenboim vor weitaus mehr Zuhörern zu spielen, fanden sie es „großartig, dass in einer Stadt wie Finsterwalde so viele Besucher zum Kammermusikkonzert kommen“, wie Muriel Razavi nach dem Konzert staunte. Ihr machte es nichts aus, dass sie am nächsten Morgen bereits kurz nach 5 Uhr wieder in den Zug steigen musste, um rechtzeitig nach Dortmund zu kommen. „Die Benefizidee für den hochwertigen Flügel finden wir toll“, sprach sie ihren Musikerkollegen aus der Seele.

Melodiös, graziös und heiter ließen die fünf Musiker die Mozart-Melodien perfekt aufeinander abgestimmt erklingen. Die dominierende Klarinette wurde von den Streichern umgarnt und ließ ihnen aber auch Raum zur eigenen Entfaltung. Einfühlsam verstanden es die fünf Musiker, die verschiedensten Facetten des menschlichen Empfindens zwischen Lebensbejahung und Trauer wiederzugeben. Carl Maria von Weber griff das Vorbild Mozart von heiter bis dunkel-melancholisch auf. Große Spielfreude war den Musikern um Nassib Ahmadieh anzumerken. Sie boten ein virtuos vorgetragenes Klangerlebnis. Besonders das explosive Finale, das Jussef Eisa auf der Klarinette brillant interpretierte, begeisterte die Zuhörer.

„Es ist großartig, so hochwertige Musiker vor der eigenen Haustür erleben zu dürfen“, schwärmten Angela und Achim Willeke aus Werenzhain. Bernd Schmidt und Holger Schramm aus Finsterwalde waren vom Können der fünf Musiker beeindruckt und Christel Dorn „überwältigt von dem schönen Erlebnis“. Dr. Edelgard Knispel staunte über die gute Akustik in der Finsterwalder Schulaula und fiebert jetzt den Rotarier-Benefizkonzerten mit ihrem Sohn, dem Tenor Stefan Heibach, im Logenhaus entgegen.

Begeisterter Applaus forderte die Interpreten zur Zugabe heraus. Als Dank der Musiker flog ein Blumenstrauß zurück ins Finsterwalder Publikum. „Wir kommen gern wieder zum Konzert“, versprachen die Künstler. „Die Decke in der Stadthalle musst du etwas höher bauen, dann ist die Akustik noch besser“, scherzte Nassib Ahmadieh zu Architekt Jürgen Habermann.

Begeisterte Konzertbesucher bedanken sich mit Standing Ovations.
Begeisterte Konzertbesucher bedanken sich mit Standing Ovations. FOTO: Jürgen Weser