| 02:34 Uhr

Art Lake Festival
Ein Meer von Licht und Farben

An die 7000 Besucher tummelten sich am Wochenende beim "Art Lake Festival" am Bergheider See.
An die 7000 Besucher tummelten sich am Wochenende beim "Art Lake Festival" am Bergheider See. FOTO: Torsten Pötzsch/tpo1
Lichterfeld. Zum zweiten Mal gastiert das "Art Lake Festival" zwischen vergangenen Donnerstag und dem heutigen Montag zu Füßen der F 60 und zieht jede Menge junger Leute aus ganz Deutschland an. Torsten Pötzsch / top1

So ganz, ganz langsam zieht heute wieder Ruhe ein auf dem Gelände zwischen Förderbrücke F60 und dem Bergheider See. Zum zweiten Mal gastierte das "Art Lake Festival" in die ehemalige Tagebaulandschaft.

Gern wird beim "Art Lake" von der "kleinen Schwester des "Feel-Festivals" gesprochen, doch das mag nicht mehr ganz passen, denn "die kleine Schwester" ist mittlerweile schon erwachsen geworden. Immerhin zog es nach Aussagen der Veranstalter 7000 Gäste auf das Gelände, 1500 mehr als im vergangenen Jahr. Dazu kommen noch über 100 Musikacts, Workshops, Performances, Lesungen und Diskussionsrunden. Und fast alle blieben das komplette Wochenende. Die wachsende Beliebtheit des "Art Lake" liegt sicherlich nicht nur an dem ungewöhnlichen Ort, sondern auch an dem Anspruch des Festivals. Man sieht sich als "buntes Festival, als einen Ort, an dem sich alle frei und wohlfühlen sollen, an dem sich ausgelebt, geliebt, gelacht und getanzt werden soll, an dem Diskriminierung, Beleidigungen, Intoleranz und jedwede Form von Gewalt keinen Platz hat." Dieser Ansatz schloss auch einen respekt- und verantwortungsvollen Umgang mit der örtlichen Flora und Fauna ein.

Es war sicht- und spürbar, dass der Ansatz ankam. Dass am Freitag der Himmel mehrmals seine Schleusen öffnete und herunterprasseln ließ, was die dunklen Wolken hergaben, tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Auch nicht, dass aus Sicherheitsgründen einige Acts, wie die von "Drangsal" und "Hundreds" im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fielen. Dafür wurde man Samstag und Sonntag mit idealen Festivalbedingungen belohnt.

Welche Anstrengungen in der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung aufgebracht werden mussten, konnte der normale Besucher nur erahnen. Aber es gibt immer Menschen, auf deren Schultern die Verantwortung liegt. So wie Martin Salchow, der seine ganze Erfahrung von drei "Art Lake Festivals" in den Ring werfen konnte. "Dass wir bereits das zweite Mal hier sind, hat natürlich seine Gründe", erklärte er. "Die sind ganz pragmatische. So können wir viele Synergieeffekte vom Feel-Festival nutzen und die Infrastrukturkosten senken." Doch es sind nicht nur die Kosten, die ihn überzeugen. "Es ist auch der Ort. Das ganze Festival ist eingebettet in die Natur und gleich daneben die F60, die einen Bezug zur industriellen Vergangenheit der Region darstellt. Oft wurde ich gefragt, wann und wie man die Förderbrücke besichtigen kann."

Und hinter jedem erfolgreichen Mann steht natürlich eine starke Frau. Im Fall des "Art Lake" war es Kim Lenhard, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, aber eigentlich Mädchen für alles. Die junge Frau war vom Areal vollauf begeistert. "Mit dem See und dem Strand haben wir hier schon was ganz Besonderes." Voll des Lobes waren beide über die Zusammenarbeit mit dem F60-Team, der Gemeinde und dem Amt. "An die Leute geht unser besonderer Dank. Das findet man nicht immer." Ob es eine dritte Auflage des "Art Lake" am Bergheider See geben wird, beantworteten beide mit einem klaren "Jein!"

"Erstens sind wir offen für alles, zweitens müssen wir unter 2017 noch einen generellen Schlussstrich ziehen und drittens werden wir im Herbst eine Entscheidung treffen." Auf die Frage, wohin denn die Tendenz ginge, nickten die beiden aber beim Stichwort "Bergheider See".

Eine kleine Umfrage unter den Gästen brachte nur positive Meinungen. Alle waren begeistert, von Stimmung, Ort und Angeboten. So wie Jeanette Nentwich und Mario Bomsdorf aus Leipzig. "Wir sind Wiederholungstäter, waren schon beim ersten Mal dabei und nehmen das komplette Festival mit", so Jeanette. "Man kann schon sagen, dass wir Festivalgänger sind", warf ihr Freund ein. "Aber dieses hier ist was ganz Besonderes. Es herrscht eine offene Atmosphäre, alles ist gut organisiert und man bekommt jede Menge geboten." Und Jeanette Nentwich ergänzte noch: "Mir gefällt besonders der intellektuelle Anspruch des Art Lake. Hier verhungert man nicht im Kopf." Sie votierten eindeutig dafür, dass das "Art Lake" 2018 "auf alle Fälle wieder hier stattfinden muss".