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| 16:53 Uhr

Filmteam in der Sängerstadt
Im Sog der Berlinale

Kino Weltspiegel Finsterwalde: Am Samstagnachmittag war ein rbb-Filmteam vor Ort für Aufnahmen, die schon am Montag im ARD-Morgenmagazin gesendet werden. Kino-Chef Torsten Siegert stellt die Visionsbar vor.
Kino Weltspiegel Finsterwalde: Am Samstagnachmittag war ein rbb-Filmteam vor Ort für Aufnahmen, die schon am Montag im ARD-Morgenmagazin gesendet werden. Kino-Chef Torsten Siegert stellt die Visionsbar vor. FOTO: Heike Lehmann / LR
Finsterwalde. Das Finsterwalder Kino Weltspiegel kommt ins ARD-Morgenmagazin. Sendetermin ist am Montag. Von Heike Lehmann

Der Samstagnachmittag ist noch jung. Im Finsterwalder Kino „Weltspiegel“, dem einzigen Kino im Elbe-Elster-Kreis, wird die nächste Kindervorstellung vorbereitet. „Die kleine Hexe“ lockt Jungen und Mädchen, begleitet von Eltern und Großeltern, zum Kinovergnügen. Lukas (7) und Elias (8) sind mit Opa und Papa sogar aus Großrössen bei Herzberg angereist. Mit ihren Popcorn-Tüten suchen sie sich im kleinen Kinosaal ihre Plätze. Dass sie dabei selbst gefilmt werden, fällt ihnen kaum auf.

Ein Team von rbb-aktuell ist nach Finsterwalde gekommen. Redakteurin Griet von Petersdorff erklärt. „Wir drehen heute einige Einstellungen für das ARD-Morgenmagazin. Sendetermin ist bereits am Montag.“ Anlass sind die 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin, kurz die Berlinale, die derzeit in der Hauptstadt stattfinden. Redakteurin, Kameramann und Tontechniker lassen also ihren Blick vom internationalen roten Teppich in die brandenburgische Provinz schweifen, um ein Kino und dessen Betreiber fern der Metropole vorzustellen. Kino-Inhaber Torsten Siegert, Urenkel des einstigen Begründers des Finsterwalder Lichtspieltheaters „Weltspiegel“, freut sich über das mediale Interesse.

Verdient hat es sich der „Weltspiegel“ allemal. Er wurde unter die Top 100 der beliebtesten Kinos in Deutschland gewählt. „Das haben nur zwei Brandenburger Kinos geschafft, Wittstock und Finsterwalde“, weiß Torsten Siegert. Und auch das: Es gibt zwar gleich in Cottbus den nächsten „Weltspiegel“, aber insgesamt sind es in Deutschland nur drei – der dritte steht in Mettmann (Nordrhein-Westfalen).

Die Fernsehleute sind sichtlich überrascht, von dem, was sie in Finsterwalde entdecken und mit Kamera und Mikrofon einfangen dürfen. Die unverwechselbare Fassade fasziniert ebenso wie Foyer, Kinosäle, alte Vorführtechnik und natürlich die Visionsbar. Heute noch im Stil der 1970er-Jahre ermöglicht sie einzigartiges Kinovergnügen. „Unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Torsten Siegert. Aber auch das wird für das Morgenmagazin festgehalten: Das Finsterwalder Kino verströmt Geschichte, doch die Zeit ist keinesfalls stehen geblieben. Mit moderner 3D-Technik können aktuelle Filme aufgeführt werden. Blockbuster stehen ebenso im Kinoprogramm wie kunstvolle Filme. Für letztere wurde vor Jahren die montägliche Filmreihe „Der besondere Film“ eingeführt.

Nicht alltäglich ist zudem, dass das Unternehmen Kino in Finsterwalde ein Familienunternehmen ist. Torsten, Sabine und Sohn Max Siegert erzählen, wie das Kino ihren Alltag bestimmt und wie sie versuchen, möglichst viele Leute ins Haus zu locken. Und auch, wie schwer das in der Provinz ist.

Die Tür zum kleinen Kinosaal ist längst geschlossen. Dort gibt jetzt die „Die kleine Hexe“ den Ton an. Ältere Kinogänger kommen dann ein paar Stunden später zu „Fifty Shades of Grey 3 – Befreite Lust“ und der Action-Komödie „Hot Dog“. Dann aber sind die Fernsehleute schon wieder abgereist. Ob deren Sendezeit von 1:45 Minute ausreichen wird, all das zu erzählen, was das Finsterwalder Kino „Weltspiegel“ ausmacht, darf getrost bezweifelt werden.