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Logenhaus
Große Liebe im Eisloch versenkt

Johanna Moll erzählt in ihrem Konzert die Geschichten aus dem Alltag, die es so nicht gibt.
Johanna Moll erzählt in ihrem Konzert die Geschichten aus dem Alltag, die es so nicht gibt. FOTO: Jürgen Weser / Weser Jürgen
Finsterwalde. Johanna Moll war mit Akkordeon, Liedern und ausufernder Phantasie im Logenhaus. Von Jürgen Weser

Sie ist in Finsterwalde zur Welt gekommen, also singt Johanna Moll ihr erstes Lied am Freitagabend vom Mädchen im dunklen Wald, das gern den Wolf streicheln will. „Das reizt mir!“ Damit hat die Chansonsängerin, Kabarettistin und Poetin aus Erlangen das kulturelle Angebot im Finsterwalder Logenhaus um eine weitere Facette bereichert. Man darf schon als ungewöhnlich bezeichnen, was die gelernte Kauffrau mit BWL-Studium, bevor sie ab 2004 mit ihrer musikalischen Leidenschaft in die freischaffende künstlerische Arbeit startet. Kunstprojekte, Kindertheater und Filmarbeiten kommen hinzu. Den Mädchentraum kann sich Johanna Moll mit vielen Aktivitäten erfüllen, andere aus ihren am Küchentisch entstandenen Liedern mit kuriosen Geschichten wohl eher nicht. Eines ihrer ersten eigenen abendfüllenden Programme von 2006 hieß „Schräge Lieder und Geschichten“. Schräg sind ihre Texte und entsprechend vorgetragenen Lieder bis heute geblieben. Auch wenn sie im für die Konzertgäste intim eingerichteten Logenhaus als „Nachtfalter“ mit Akkordeon auf dem Barhocker sitzt, flattern ihre Lieder skurril und schaurig-schön in den Saal. Irgendwie gehen die alle nicht so gut aus. Da haben die sieben Zwerge Depressionen, weil Schneewittchen nicht mehr mit ihnen im Bett liegt und da sucht das Mädchen in rosa Höschen im Gartengestrüpp den Prinzen, aber der Richtige kommt einfach nicht. Überhaupt mag die Johanna Moll in ihren Liedern die Männer, aber die überleben meist nicht. Kein Wunder, wenn man ein Krokodil als Haustier hält und den Liebsten im kalten Wladiwostok „im schönsten Eisloch versenkt“.

Johanna Moll bringt ihre vielseitigen künstlerischen Erfahrungen von Konzerten und erfolgreichen Festivalteilnahmen in ihr Finsterwalder Konzert ein. Die Welt ist nicht öde, erfahren die Zuhörer (vor allem -innen), die an der ausufernden Phantasie und der Liederluderartistik der Johanna Moll ihre Freude haben. Gesangs-, Erzählfreude und Mimik der temperamentvollen Poetin auf der Bühne sorgen dafür, auch wenn manche der gesungenen Abenteuer und Liebestragödien mitunter zu schnell-schnoddrig-undeutlich über die Gehörgänge der Besucher hereinbrechen. Der Applaus beweist, die Geschichten aus dem Alltag, die es so nicht gibt, haben einen unterhaltsamen Abend beschert. Der Dank dafür gilt auch den Veranstaltern Martina und Udo Tschatschula, die mit ihrem Team für die intime Baratmosphäre und beste Pausenbetreuung gesorgt haben.