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LiteraTour
Blödeln wird bei ihm zum sprachlich „intellektuellen Fest“

Engagiert begeistert Michael Trischan beim LiteraTour-Start die Besucher.
Engagiert begeistert Michael Trischan beim LiteraTour-Start die Besucher. FOTO: Jürgen Weser
Saxdorf. Die 22. LiteraTour in Saxdorf ist mit Michael Trischan am Sonntag offiziell eröffnet worden. Von Jürgen Weser

Mit der Eröffnung zur 22. LiteraTour zwischen Elbe und Elster in der Galerie Saxdorf wurde die eindrucksvolle Bilanz der zurück liegenden 21 Jahre fortgeschrieben. Bisher gab es 700 Veranstaltungen mit etwa 40 000 Besuchern, konnte Elbe-Elster Fahrbibliotheks-Leiterin Marion Ballnat zur Begrüßung stolz vermelden. Mehr als einhundert Besucher waren am Sonntagnachmittag zum Start in die 22. LiteraTour gekommen, um den aus der Fernsehserie „In aller Freundschaft“ und durch andere Fernsehrollen bekannten Schauspieler Michael Trischan mit seiner humoristischen Literaturrevue zu erleben.

Gemeinsam mit Pianist Werner Kopfmüller führte der in Leipzig lebende Michael Trischan mit seinem Programm „Schwampf“ unterhaltsam, hintergründig und auch derb-humoristisch von Goethe bis zu Heinz Ehrhardt durch sprachliche Bonmots und spießte damit menschliche Eigenheiten und Kuriositäten auf. Trischan war gern der Einladung nach Saxdorf gefolgt, denn er hatte Veranstaltungsort und Besucher aus dem Vorjahr noch in bester Erinnerung. Diesmal hatte die Anreise wegen der spätwinterlichen Eskapaden etwas länger gedauert, aber beide Künstler waren gut in Saxdorf gelandet. Natürlich konnte Trischan sicher sein, unter den Besuchern der LiteraTour zahlreiche Fans der TV-Serie zu wissen.

Die begeisterte er auch mit seinem literarischen Programm. „Bitte die Grippe nicht mit Bier behandeln“, mahnte er passend zur aktuellen Erkältungswelle mit Joseph Roth, lebte mit Christian Morgenstern die Wut des Niesens anschaulich und kräftig hörbar aus und verhaspelte sich auch nicht beim vielfältigen „Doppelmoppel“ des Dadaismus-Literaten Kurt Schwitters. Genüsslich zeigte Michael Trischan, dass auch die Heroen Goethe und Lessing mitten in schönster Lyrik recht derb-volkstümlich daherkommen konnten. Etwa wenn Lessing die eheliche Liebe beschreibt und Goethe den Storch lustvoll aufs Kirchendach scheißen lässt.

Trischan hat sein Programm so ausgewählt, dass die Zuhörer stets ihre Umgebung oder sich selbst schmunzelnd wiedererkannten, etwa wenn er Ephraim Kishons Erzählung von „nachbarschaftlicher Freundschaft“ mit ironischem Ton liest. Morgensterns „Drei Spatzen“ werden vom Publikum als Chor mitgesprochen, bevor Freude über intellektuelle Wortspiele und Entdeckungen entsteht und gute Zuhörer sogar erfahren, was es mit „Schwampf“ auf sich hat.

Michael Trischan will mit seinen Programmen auch gegen flache Comedy auf Kosten des Publikums antreten. Blödeln wird bei ihm zum sprachlich „intellektuellen Fest“. Das gelingt ihm mit Hilfe so bekannter Autoren wie Tucholsky, Ringelnatz und Morgenstern bestens. Über 60 solche literarischen Veranstaltungen habe er 2017 absolviert, verrät Michael Trischan im Gespräch.

Da Trischan weitere Programme parat hat, würden ihn die Besucher gern wieder begrüßen.