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| 14:52 Uhr

Tag des Offenen Ateliers
Künstler zeigen einfallsreich „Europäisches Kulturgut“

Im Skulpturengarten hinter der Kirche in Saathain tropfte bei Künstler bei Ararat Haydeyan „Farbiger Regen“ unter den Bäumen.
Im Skulpturengarten hinter der Kirche in Saathain tropfte bei Künstler bei Ararat Haydeyan „Farbiger Regen“ unter den Bäumen. FOTO: Jürgen Weser
Elbe-Elster. Die offenen Ateliers von Finsterwalde über Saathain bis Altenau waren am Wochenende gut besucht. Von Jürgen Weser

Die bildenden Künstler in Elbe-Elster haben offensichtlich einen guten Draht zur obersten Instanz. Bei bestem Wetter waren die Ausstellungen am Tag der Offenen Ateliers überall gut besucht. Viele Kunstinteressierte verbanden den Besuch mit einer Frühlingsradtour.

Kulturelles Erbe bewahren und mit neuen technischen Möglichkeiten weiterführen und in die Jetztzeit transformieren, ist Absicht der Künstler auch im Elbe-Elster-Kreis. Direkt hatten sich E.R.N.A. und Paul Böckelmann in Altenau des Themas angenommen. Die Kulturtechnik des Brennens von Erden mit Plastiken von Silvia Klöde-Hoffmann ließen sie mit Fotografien von Hans-Peter Klut in einen Dialog treten.

Angela Willeke und Carola Kirsch vor einigen ihrer Arbeiten im Haus am See.
Angela Willeke und Carola Kirsch vor einigen ihrer Arbeiten im Haus am See. FOTO: Jürgen Weser

Stephanie Pfeiffer stellt in ihrem Landatelier Gröbitz mit ihrer neuen Serie großformatiger Ölbilder expressiv die „Kraft“ alter Natur in den Mittelpunkt und will mit der kleinen Naturinstallation im Hof auf den Erhalt gesunder Pflanzen aufmerksam machen. Neue Inspiration zieht die Künstlerin aus ihrer Tätigkeit als Theatermalerin seit Anfang des Jahres an der Neuen Bühne Senftenberg.

Naturrituale und urtümliches Leben zeigt die Präsentation von Karin Albers im Atelierhof Werenzhain.  Mit der Ausstellung „Mexiko froh – Mexiko roh“ zeigt sie einerseits das einfache, an religiösen Werten gebundene und fröhliche Leben der einfachen Bewohner und stellt mit ihrer Multimedia-Installation die Kehrseite Mexikos mit Repressionen gegen Journalisten dar. Im sanierten alten Pferdestall zeigt gleich nebenan Yirina Misaki ihre grafische Kunst. Beide Künstlerinnen kamen mit den Besuchern ins Gespräch wie auch die langjährige ehemalige Atelierhofleiterin Ursula Bierther. Gleichzeitig lohnte der Gang durch die Ausstellungsräume mit den Arbeiten des Künstlerpaares Margret Dortmund und Norbert Wrobel aus dem Märkischen Kreis.

Rosemarie Böhmchen in ihrem Finsterwalder Atelier.
Rosemarie Böhmchen in ihrem Finsterwalder Atelier. FOTO: Jürgen Weser

Die Textilkünstlerin Rosemarie Böhmchen zeigt in ihrem Finsterwalder Atelier vor allem ihre zweite künstlerische Liebe: die Fotografie. Eingefangen hat sie seriell „Wasserspiele“ und Reiseerlebnisse von Elbe-Elster über Usedom bis zum Pazifik. Mit dem Darstellen von Seilereien und dem Betonen von Strukturen und geometrischen Formen auf Landschaftsfotos und expressionistisch verfremdeten Naturerscheinungen bleibt Rosemarie Böhmchen dem Blick der Textilkünstlerin treu.

Besonders mit dem Material Porzellan experimentiert die Glasgraveurin und studierte Grafikerin Elke Gründemann in Lindena als freiberufliche Künstlerin. Dekorativer Schmuck für die Wohnung und hauchdünne Schmuckelemente waren zu bestaunen. Angesagt sind gerade farbig verzierte Schmetterlinge und natürlich Ringe, wie das Interesse am Sonntag zeigte. Dazu gibt es zahlreiche Glasarbeiten und dreiteilige geometrische Malereien.

Stephanie Pfeiffer  erklärt ihre neue Arbeit aus der Reihe „Kraft“ in Gröbitz.
Stephanie Pfeiffer  erklärt ihre neue Arbeit aus der Reihe „Kraft“ in Gröbitz. FOTO: Jürgen Weser

Auf eine besondere Überraschung können sich jedes Jahr die Besucher bei Ararat Haydeyan in Saathain freuen. Im Skulpturengarten hinter der Kirche tropfte am Nachmittag „Farbiger Regen“ unter den Bäumen. Für die temporäre Installation hatte Haydeyan selbst farbig produzierte Eiswürfel in Gazebeuteln angeordnet, aus denen durch die nach unten eingenähten Moskitonetze der farbige Regen auf die Besucher tropfte. Für den Armenier Ararat Haydeyan war die Entwicklung und Realisierung der Installation mehr als ein Spaß für die Besucher. Für ihn sind seit dem verheerenden Erdbeben 1988 in seiner Heimat, das seine damalige Existenz zerstörte, „30 Lichtjahre“ mit seiner neuen Existenz als freier Künstler in Deutschland und mit der Gründung des Ateliers auf Gut Saathain vergangen, wie er bekennt. Außerdem wolle er die Installation als ein Zeichen verstehen, mit dem er die aktuellen friedlichen Demonstrationen in Armenien begrüßt. Im Atelier zogen die Reliefbilder, unterschiedliche Arbeiten wie Kleinskulpturen und die Bilder seiner Frau Hasmik Haydeyan viele Blicke auf sich.

Geschichtete Emotionen zeigt die Ausstellung bei Angela Willeke. Mit der Gastkünstlerin Carola Kirsch aus Cottbus präsentierte die Glaskünstlerin im Werenzhainer Haus am See zur Vernissage ein Wechselspiel zwischen Glasarbeiten von schockgekühlt bis heiß geschnitten mit Farb- und Lichtwirkungen sowie filigranen Strukturen mit den emotional anrührenden Papierarbeiten von Carola Kirsch. „Auf eine Reise zu gemeinsamen Emotionen“ hätten sie sich begeben, verrieten beide Künstlerinnen. Während der Vernissage betonte Frank Petzold, Dozent an der BTU Cottbus, mit seinen Piano-Improvisationen den Charakter der künstlerischen Arbeiten im meditativen Raum. In den Arbeiten beider Künstlerinnen sind aktuelle Zeitfragen zu entdecken, werden aber besonders Emotionen angesprochen, wie mit den „Blauen Lebenslinien“ aus Glas von Angela Willeke und der „Zeitlichen Umarmung“ auf Papier von Carola Kirsch. Beide zeigen mit Bezügen zu Eva Strittmatter und Theodor Fontane ihre literarische Affinität.  Beide Frauen arbeiten mit Überlagerungen und Schichtungen. Der Sonneneinfall in das Atelier verstärkte noch die Wirkung. Die Ausstellung kann nach Voranmeldung besucht werden.